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Dr. Azubi

Umzug während der Ausbildung.

Hallo Dr. Azubi, ich bin momentan in Jahr 1. meiner Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten. Mein Problem ist nun, dass sich meine Eltern getrennt haben... ich werde somit rund 2 Std. weit von meinem aktuellen Ausbildungsplatz bei der Stadt ziehen. Ich habe mich in der neuen Stadt bereits um eine neue Stelle die ich fließend ab Ausbildungsjahr 2. im gleichen Beruf weitermachen kann gekümmert. Meine Frage ist nun allerdings, ob ich aus den oben genannten Gründen bei meinem jetzigen Arbeitgeber ordentlich kündigen kann? 

RE: Umzug während der Ausbildung.

Hallo lieber Azubi,

schön, dass Du dich an Dr. Azubi wendest.

Das ist natürlich ungeschickt einen solch langen Arbeitsweg zu haben. Aber umso besser, wenn Du dich schon um eine neue Stelle gekümmert hast.

Was die Kündigung bei de aktuellen Stelle betrifft: Ordentlich Kündigen kann man in der Regel immer unter Einhaltung der Kündigungsfrist. Diese ist nach Ablauf der Probezeit 4 Wochen. Wenn man außerordentlich Kündigen möchte (ab sofort, ohne Frist), dann braucht man spezielle Gründe. Gründe für eine außerordentliche Kündigung können sein:

  • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz
  • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
  • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremden Tätigkeiten
  • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)
  • mehrmalige ausbleibende Ausbildungsvergütung
  • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, entzogen wird oder er gar keine besitzt
  • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist
  • Systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)

Am besten ist es, wenn Du deinen aktuellen Ausbildungsplatz erst kündigst, wenn der Vertrag für die neue Stelle beidseitig unterschrieben ist. Dann kann nichts mehr schief gehen und deine Ausbildung ist gesichert.

Solltest Du außerordentlich kündigen wollen, dann solltest Du folgendes beachten:

Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbilder*inneneignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. sexuelle Belästigung) dann kannst du sofort unter Angaben der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. ausbildungsfremde Tätigkeiten), dann musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein, die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

Achtung: Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich und deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Wenn deine Gründe für die fristlose Kündigung nicht ausreichen, hat dein Betrieb auch die Möglichkeit Schadensersatzansprüche innerhalb von drei Monaten nach Beendigung gegen dich geltend zu machen.

Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen: Wenn der*die Azubi kündigt, ist der*die Ausbilder*in leicht verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht, zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen. Dein*e Ausbilder*in kann grundsätzlich innerhalb von drei Wochen Widerspruch gegen die Kündigung einlegen, das kommt aber sehr selten vor: Wer will schon eine*n Azubi, der ganz offensichtlich keine Lust mehr hat, in dem Betrieb zu arbeiten und nicht besonders motiviert ist? Solltest Du dir Unterstützung von deiner zuständigen Gewerkschaft holen wollen, dann ist hier ein Kontakt für dich:

Ver.di Konstanz

Beyerlestr. 1
78464 Konstanz

Tel.: 076128550
E-Mail: service.bawue@verdi.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft. Als Gewerkschaftsjugend kämpfen wir Tag für Tag für gute Ausbildung, höhere Löhne, Umverteilung und Bildungsgerechtigkeit. Kurz: Für eine solidarische und antifaschistische Gesellschaft. Zusammen sind wir stärker – werde Mitglied!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

 

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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