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Dr. Azubi

Schwanger in der Probezeit

Hallo Dr. Azubi,

ich habe die Ausbildung zum 01.04.2024 begonn und bin nun schwanger. Ich befinde mich noch in der Probezeit. Ich möchte gerne die Ausbildung fortsetzen, weiß jedoch nicht wie es mit der Schwangerschaft geregelt ist. Ich möchte die Ausbildung weder abbrechen, noch verlängern. Wäre es möglich? Wenn ja unter welchen Bedingungen? Wenn nein, welche Alternativen hätte ich?

LG

RE: Schwanger in der Probezeit

Hallo fbrokhan,

danke, dass du dich mit deinem Anliegen an Dr. Azubi wendest! Mach dir keine Sorgen: Dein Ausbildungsplatz ist wegen deiner Schwangerschaft nicht gefährdet, denn du hast ab sofort einen besonderen Kündigungsschutz. Eine Kündigung während der Schwangerschaft und vier Monate nach der Geburt ist unzulässig, auch wenn „besonders schwere Pflichtverletzungen“ vorliegen. Bei der Kündigung einer Schwangeren muss das Gewerbeaufsichtsamt der Kündigung zustimmen. Auch während der Probezeit genießt du als Schwangere diesen besonderen Kündigungsschutz. Eine Kündigung von deinem*deiner Arbeitgeber*in wäre auch dann unwirksam, wenn du innerhalb von zwei Wochen nach der Kündigung deinem*deiner Arbeitgeber*in die Schwangerschaft mitteilst.

Mitteilen musst Du deinem*deiner Arbeitgeber*in deine Schwangerschaft aber in jedem Fall so schnell wie möglich, denn da Du schwanger bist, musst du jetzt natürlich besondere Rücksicht auf dein Baby nehmen - und das muss auch dein*e Arbeitgeber*in. Er*sie darf dir keine schweren körperlichen Arbeiten mehr zuweisen oder dich irgendwelche gesundheitsgefährdenden Tätigkeiten machen lassen. Ist deine Schwangerschaft gefährdet, wird deine Ärztin oder dein Arzt ein Beschäftigungsverbot aussprechen. Trotz des Beschäftigungsverbotes hast du weiterhin Anspruch auf deine Ausbildungsvergütung.  Während der Schwangerschaft darfst du nicht länger als neun Stunden pro Tag beschäftigt werden.

Es gibt nach der gesetzlichen Neuregelung des Mutterschutzgesetzes (MuSchG) ab 01.01.2018 diverse Änderungen bei den Beschäftigungsverboten. Das Ziel des Gesetzes ist es, dass werdende Mütter die Möglichkeit bekommen, ihre Beschäftigung weiter auszuüben. Beschäftigungsverbote sollen vermieden werden.

Der*die Arbeitgeber*in muss vor Ausspruch eines Beschäftigungsverbotes Maßnahmen ergreifen, um die Weiterbeschäftigung zu ermöglichen. Neben Vorkehrungen zur Umgestaltung des Arbeitsplatzes und der Arbeitsbedingungen muss auch ein Wechsel des Arbeitsplatzes geprüft werden.

Jeder einzelne Arbeitsplatz muss auf „unverantwortbare Gefahren“ geprüft werden (§§ 9, 11, 12 MuSchG).

Während der Schwangerschaft darfst du nicht länger als neun Stunden pro Tag arbeiten. Sechs Wochen vor dem errechneten und acht Wochen nach dem tatsächlichen Entbindungstermin darfst du nicht arbeiten, bekommst aber unter bestimmten Voraussetzungen Mutterschaftsgeld von deiner Krankenkasse.

Viele Azubis, die in ihrer Ausbildung ein Kind bekommen, beantragen eine Verlängerung der Ausbildung nach dem Berufsbildungsgesetz, weil sie sonst die Zulassungsvoraussetzungen für die Abschlussprüfung nicht in der vorgeschriebenen Zeit erfüllen könnten. Alle Informationen zur Verlängerung der Ausbildungszeit bekommst du bei deiner zuständigen Stelle (siehe Stempel auf deinem Ausbildungsvertrag).

Es ist auch möglich die Ausbildung nach der Geburt in Teilzeit weiterzuführen.

Nun zu den finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten für schwangere Azubis. Du solltest Dich diesbezüglich auf jeden Fall auch ausführlich von einer Sozial- oder Familienberatungsstelle vor Ort beraten lassen (z. B. Diakonie, Caritas etc.) Hier aber schon einmal die wichtigsten Infos:

Azubis mit Kind können mit ihrem geringen Verdienst auch Sozialgeld für ihr Kind bekommen. Von diesem Geld wird allerdings das Kindergeld als Einkommen des Kindes abgezogen sowie der Unterhalt des Vaters. Das Sozialgeld wird allerdings nur gezahlt, wenn du keinen Anspruch auf einen Kindergeldzuschlag hast.

Der Vater ist in jedem Fall unterhaltspflichtig. Je nach Einkommen des Vaters gibt es bestimmte Regelsätze, die in der Düsseldorfer Tabelle festgelegt sind. Siehe auch hier: www.finanztip.de/recht/familie/duesseldorfer-tabelle.htm

Falls du BAB bekommst, wird es eventuell noch einmal neu berechnet, wenn du in einer eigenen Wohnung wohnst und somit mehr Mietkosten hast. Unter Umständen erhältst du einen Zuschuss von 150 € monatlich zu deinen Kinderbetreuungskosten. Seit Januar 2017 können auch BAB-Empfänger*innen einen Mietzuschuss beim Jobcenter beantragen. Dieser wird nur gewährt, wenn die Kosten für die Unterkunft angemessen sind. Erkundige Dich danach.

Evtl. kann das Jobcenter bei großer Bedürftigkeit auch bei der Erstausstattung für die Wohnung helfen, Voraussetzung ist allerdings, dass die benötigten Gegenstände noch nie vorhanden waren. Für Schwangere mit geringfügigem Einkommen gibt es „einmalige Leistungen“ für die Erstausstattung des Kindes. Der Antrag muss VOR den Anschaffungen beim Jobcenter gestellt werden. Es gibt aber in verschiedenen Bundesländern Familienstiftungen, die für solche Notfälle Hilfen gewähren. Erkundige Dich in der Sozialberatungsstelle. Dort kann man auch meist die Anträge für Stiftungen stellen.

Du siehst also, es gibt verschiedene finanzielle Möglichkeiten und die Situation ist gar nicht so ausweglos wie sie im ersten Moment erscheint.

Hier findest du weitere nützliche Infos über Schwangerschaft während der Ausbildung: http://www.ruv.de/de/r_v_ratgeber/ausbildung_berufseinstieg/ausbildung/3_schwangerwaehrendderausbildung.jsp

Solltest du weitere Unterstützung oder rechtliche Beratung und Rückendeckung brauchen, wende dich doch gerne an deine Gewerkschaft! Sie helfen dir gerne weiter und können dir in dieser Situation zur Seite stehen. Die nächste Geschäftsstelle in deiner Nähe findest du hier: 

ver.di-Geschäftsstelle Essen

Teichstr. 4a

45127 Essen

Tel.: 0201 24752-0

E-Mail: service-mitte.nrw@verdi.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Alternativ kannst du natürlich auch eine E-Mail schreiben, in der du dein Problem schilderst. Ich wünsche dir alles erdenklich Gute und viel Erfolg mit diesem neuen Lebensabschnitt!

Liebe Grüße 

Dr. Azubi

P.S: Bitte empfiehl unseren Service weiter!

Hier kannst du Mitglied einer Gewerkschaft werden: https://www.dgb.de/mitmachen/mitglied-werden/

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