© DGB-Jugend

Dr. Azubi

Prüfung nicht bestanden

Hallo,

heute habe ich leider Erfahren das ich durch den schriftlichen Teil 2 gefallen bin. Ich hatte in einem Fach eine 5. In einem anderen eine 3 und noch einem anderen gerade so eine 4. Teil 1 hatte ich auch nur eine 4. Auch wenn ich in die mündliche noch gehen würde, würde es von den Punkten her nicht ausreichen.

Welche Möglichkeiten gibt es jetzt für mich?

Muss ich in die mündliche wenn ich eh keine Chance hab? Kann ich auch ohne Betrieb und Berufsschule extern den Teil nochmal ablegen indem ich durchgefallen bin? Wie hoch sind die Gebühren dafür?

RE: Prüfung nicht bestanden

Hallo lieber Azubi,

schön, dass Du dich an Dr. Azubi wendest.

Es tut mir sehr leid, dass Du die Abschlussprüfung nicht bestanden hast. ABer keine Sorge, das bedeutet nicht, dass Du deine AUsbildung nicht abschließen kannst.

Die Abschlussprüfung kann zwei Mal wiederholt werden (§ 37 Berufsbildungsgesetz).

Wenn du durch die Abschlussprüfung gefallen bist, kannst du dein Ausbildungsverhältnis um ein halbes Jahr verlängern und am nächsten Prüfungstermin teilnehmen. Wenn du erneut durchfällst, kannst du deine Ausbildung noch einmal um ein halbes Jahr verlängern. Du kannst deine Ausbildung also insgesamt um ein Jahr verlängern und die Abschlussprüfung zweimal wiederholen (§§ 21, 37 Berufsbildungsgesetz). Es genügt, dass du deinen Willen zur Verlängerung des Ausbildungsverhältnisses vor Ablauf deines Ausbildungsvertrages deutlich äußerst. Wir empfehlen dir aber, es deinem*deiner Ausbilder*in schriftlich mitzuteilen!

Je nach Prüfungsordnung sind die Regelungen unterschiedlich: In einigen Fällen reicht es, wenn du nur den Teil oder das Fach der Prüfung wiederholst, indem du durchgefallen bist, in anderen Fällen musst du die gesamte Abschlussprüfung wiederholen. Was für dich gilt, kannst du entweder in deiner Ausbildungsordnung nachlesen oder dem Brief entnehmen, den die zuständige Stelle dir zuschickt, wenn du die Prüfung nicht bestanden hast.

Falls du im theoretischen Teil durchgefallen bist, wird es jetzt allerhöchste Zeit für die assistierte Ausbildung (AsA flex): Das ist kostenlose Nachhilfe für Azubis. Ein spezieller Unterricht und gegebenenfalls begleitende sozialpädagogische Betreuung tragen zum Abbau von Sprach- und Bildungsdefiziten bei und/oder fördern das Erlernen fachtheoretischer Kenntnisse und fachpraktischer Fertigkeiten. Frage einfach mal in deiner Berufsschule oder bei der Agentur für Arbeit nach.

Achtung: Falls du durchgefallen bist, musst du die Ausbildung nicht unbedingt verlängern. Du kannst auch das Ausbildungsverhältnis zum vertraglich vereinbarten Zeitpunkt auslaufen lassen und als externer Prüfling an der Abschlussprüfung teilnehmen. Der Nachteil: Wenn du kein Azubi mehr bist, darfst du häufig auch nicht mehr in die Berufsschule gehen und bekommst keine Nachhilfe (AsA flex) von der Agentur für Arbeit mehr gezahlt. Und auch BAB fällt dann weg. Falls du dich dafür entscheidest deine Ausbildung nicht zu verlängern kümmere dich frühzeitig um deine Anmeldung zur Abschlussprüfung bei der zuständigen Stelle (IHK, HWK)! Außerdem musst Du die Prüfungsgebühr tragen, wenn Du die Prüfung extern ablegst. Wiederholst Du die Prüfung wärhrend Du noch in deinem Betrieb angestellt bist, dann kommt dein*e Chef*in für die Prüfungsgebühr auf.

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft. Als Gewerkschaftsjugend kämpfen wir Tag für Tag für gute Ausbildung, höhere Löhne, Umverteilung und Bildungsgerechtigkeit. Kurz: Für eine solidarische und antifaschistische Gesellschaft. Zusammen sind wir stärker – werde Mitglied!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

RE: Prüfung nicht bestanden

Gäbe es die Möglichkeit durch eine Ergänzungsprüfung noch zu bestehen? Wenn ja muss ich mich dazu anmelden? 

Muss ich mein Betrieb davon informieren das ich in der schriftlichen AP durchgefallen bin? 
Gibt es eine Möglichkeit früher aus dem Vertrag raus zu kommen da ich eh nicht bestanden habe? 

RE: Prüfung nicht bestanden

Hallo,

auf Wunsch können dem Betrieb die Prüfungsergebnisse auch mitgeteilt werden.

Ob eine Ergänzungsprüfung möglich ist, erfährst Du am besten, wenn Du bei der zuständigen Stelle (IHK oder Kammer/Innung) nachfragst.

Du kannst aber deine Ausblidung verlängern und deine Prüfung bis zu zwei mal wiederholen. Normalerweise ist die Wiederholungsprüfung dann ein halbes Jahr  später.

Wenn Du aber nicht weiter machen möchtest, dann kannst Du das mit deinem Betrieb besprechen. Wenn der Betrieb einverstanden ist, dann kann ein Aufhebungsvertrag aufgesetzt werden.

Eine Alternative ist die fristlose Kündigung: Du kannst außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§ 22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe, die eine außerordentliche und fristlose Kündigung rechtfertigen, sind zum Beispiel:

  • Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz
  • Ausbildungsfremde Tätigkeiten
  • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)
  • Ausbleibende Ausbildungsvergütung
  • Überstunden, die nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden
  • Systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)

Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war.

Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen, denn wenn der*die Azubi kündigt, ist der*die Ausbilder*in leicht verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht, zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen. Dein*e Ausbilder*in kann grundsätzlich innerhalb von drei Wochen Widerspruch gegen die Kündigung einlegen, das kommt aber sehr selten vor: Wer will schon eine*n Azubi, der*die ganz offensichtlich keine Lust mehr hat, in dem Betrieb zu arbeiten und nicht besonders motiviert ist?

Eine andere Alternative könnte ein Aufhebungsvertrag sein. Ein Aufhebungsvertrag ist keine Kündigung! Im Unterschied zur Kündigung kündigt beim Aufhebungsvertrag nicht eine Partei der anderen. Beim Aufhebungsvertrag lösen Azubi und Ausbilder*in das Ausbildungsverhältnis in gegenseitigem Einvernehmen auf. Ein Aufhebungsvertrag kann also nur zustande kommen, wenn sich Ausbilder*in und Azubi einig sind. Den Zeitpunkt der Vertragsauflösung können Azubi und Ausbilder*in dabei frei vereinbaren, es gibt also keine Fristen, die eingehalten werden müssen.

Du solltest bedenken, dass wenn du das Ausbildungsverhältnis beendest, also kündigst oder einen Aufhebungsvertrag unterschreibst, du mitschuldig am Verlust deines Ausbildungsplatzes bist. In diesem Fall kann dir bei einer folgenden Arbeitslosigkeit dein Arbeitslosengeld eine Zeitlang gesperrt werden!

Wie du siehst, ist bei einer Kündigung leider einiges zu beachten und die Sache ist nicht ganz so einfach. Deswegen wende dich Bitte auch an deine Gewerkschaft und lass dich da beraten. Die unterstützt dich auch, wenn es Probleme gibt. hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:

Ver.di Würzburg

Berliner Platz 9
97080 Würzburg

Tel.: 0931321060
E-Mail: bz.wue-ab@verdi.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

Viel Erfolg! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

Neue Antwort

Die mit '*' gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.

Bist du in der Probezeit?*
Bist du Gewerkschaftsmitglied?*
Darf deine Telefonnummer oder deine E-Mail-Adresse an interessierte Journalist*innen für Hintergrundgespräche, Zitate oder Interviewanfragen weitergegeben werden?*
Über Antworten und Kommentare zu meiner Anfrage im Forum möchte ich per E-Mail informiert werden.*