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Dr. Azubi

Eigene Wohnung

Ich möchte mit meiner Freundin in eine eigene Wohnung ziehen weil es einfach nicht mehr möglich ist zuhause zu leben weder bei mir noch bei ihr , es gibt nur Streit und da besteht einfach das Risiko das mann dadurch die Ausbildung nicht schafft , kann die Miete übernommen werden weil mann verdient einfach zu wenig um sich eine wohnung leisten zu können in der Ausbildung 

RE: Eigene Wohnung

Hallo lieber Azubi,

schön, dass Du dich an Dr. Azubi wendest.

Leider ist das sehr häufig der Fall, dass die Ausbildungsvergütung nicht ausreichend ist, um die Lebenshaltungskosten zu decken. Es gibt Finanzierungsmöglichkeiten, um das Azubigehalt aufzustocken, die sogenannte Berufsausbildungsbeihilfe (BAB). Diese Beihilfe ist ein pauschaler Zuschuss für den Lebensunterhalt und Kinderbetreuungskosten. In der Regel bekommst du aber nur einen Teil davon, da BAB an eine ganze Reihe von Bedingungen geknüpft ist:

  • gefördert wird in der Regel nur die erste Ausbildung
  • nur staatlich anerkannte Ausbildungen werden gefördert (betriebliche, sowie außerbetriebliche Ausbildungen), sowie berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen
  • du erhältst nur dann BAB wenn du nicht mehr bei deinen Eltern wohnst
  • Die finanzielle Situation deiner Eltern, die deines eventuellen Lebenspartners und dein Einkommen, sowie geltende Freibeträge werden bei der Berechnung von BAB berücksichtigt.

Wenn du noch minderjährig bist, erhältst du nur dann BAB, wenn du nicht mehr bei deinen Eltern wohnen kannst, weil der Ausbildungsbetrieb zu weit entfernt liegt (rund eine Stunde für jeden Weg). Diese Voraussetzung muss allerdings nicht erfüllt werden, wenn du aus schwer zumutbaren sozialen Gründen nicht zu Hause wohnen kannst, verheiratet bist oder mindestens ein Kind hast.

Die finanzielle Situation deiner Eltern und dein Einkommen werden bei der Berechnung von BAB berücksichtigt.

Um Berufsausbildungsbeihilfe zu bekommen, stellst du einen Antrag bei der Agentur für Arbeit. Diese verlangt dann eine ganze Reihe von Bescheinigungen – unter anderem deinen Mietvertrag. Antragsformulare erhältst du direkt bei der Agentur für Arbeit oder telefonisch unter 0800 4555500. Stelle deinen Antrag möglichst bald, denn BAB wird nicht rückwirkend gezahlt. Je später du den Antrag stellst, umso später gibt es auch Geld. Hier gibt es auch einen BAB-Rechner, wo du schon mal grob errechnen lassen kannst, ob und wie viel BAB dir zustehen würde: http://babrechner.arbeitsagentur.de/

Für den Antrag müssen eingereicht werden:

  • der Personalausweis
  • der Mietvertrag für die eigene Wohnung
  • der Nachweis für die Fahrtkosten zwischen eigener Wohnung und Arbeitsstelle (z. B. Monatskarte bzw. Kostenschema des örtlichen Nahverkehrsbetriebes oder geschätzter Sprit-Verbrauch, wenn man auf das eigene Auto angewiesen ist)
  • ein Angebot eines öffentlichen Verkehrsmittels (in der Regel Bahn und Bus) für die Heimfahrt zum Elternhaushalt
  • der eventuelle Nachweis über erhöhte Aufwendungen für die Arbeitsbekleidung
  • der Ausbildungsvertrag
  • ein Einkommensnachweis des*der Auszubildenden (Höhe der Ausbildungsvergütung)

Darüber hinaus muss auch ein Einkommensnachweis der Eltern und ein Nachweis über eventuell vorhandene Geschwister (z. B. Geburtsurkunden) eingereicht werden. Es wird der Steuerbescheid deiner Eltern vom vorletzten Kalenderjahr verlangt. Falls sich die Einkommensverhältnisse deiner Eltern danach wesentlich verschlechtert haben (Arbeitslosigkeit, Rente) kannst du auf Antrag auch den aktuellen Steuerbescheid einreichen.

Achtung: Es kann passieren, dass du kein BAB erhältst, weil deine Eltern die erforderlichen Auskünfte nicht geben. Oder du erhältst kein BAB, weil das Einkommen deiner Eltern zu hoch ist, aber sie zahlen dir keinen Unterhalt. In diesen Fällen kannst du trotzdem BAB erhalten: Wende dich an deine Gewerkschaft!

Hier ein Kontakt:

IG BAU Oberhausen

Friedrich-Karl-Str. 24 46045 Oberhausen

Tel.: 0208 69480311

Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

Seit dem 01.08.2022 beträgt der Höchstbetrag 781,00 € monatlich. Der Pauschalbetrag für die Unterkunftskosten ist darin enthalten und wurde auf 360,00 € erhöht. Zusätzlich können ausbildungsbezogene Fahrtkosten bis zu einer Höhe von 476 Euro, Kinderbetreuungskosten bis zu einer Höhe von 160 Euro, Kosten für Arbeitskleidung bis zu 15 Euro sowie die individuellen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung erstattet werden.

Auch die Freibeträge bei der Anrechnung der Einkommen (eigenes und das der Eltern) wurden in den letzten Jahren deutlich erhöht.

Außerdem gibt es die Möglichkeit Wohngeld zu beantragen als Azubi, wenn dir Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) „dem Grunde nach“ nicht zusteht, also z. B. wenn du deine zweite Ausbildung machst oder dein Ausbildungsberuf nicht staatlich anerkannt ist.

Nur in diesem Fall haben volljährige Azubis, die am Ausbildungsort eine Wohnung gemietet haben und die Kosten für diese Wohnung selbst aufbringen müssen, gute Chancen Wohngeld zu erhalten. Den Wohngeldantrag musst du bei der zuständigen Wohngeldstelle der Gemeinde stellen, in welcher sich deine Wohnung befindet.

Unter https://wohngeldantrag.de findest du alle wichtigen Informationen. Außerdem kannst Du dich bei der dazugehörigen kostenlosen Wohngeldberatung telefonisch informieren (die Tel. findest du unter: https://www.online-beratungsstellen.de/soziales.html).

Gute Tipps bekommst du sicherlich auch bei einer kostenlosen Sozialberatungsstelle in deiner Nähe.

Viel Erfolg! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

 

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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