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Dr. Azubi

Frage bezüglich eigener Kündigung

Guten Tag Dr. Azubi,

ich habe im August 2023 meine Ausbildung begonnen und nach vieler Überlegung habe ich jedoch beschlossen und erkannt, dass dieser Beruf mich nicht ausmacht und ich stattdessen lieber ein Studium machen möchte. Mein Arbeitgeber ist bereits über meine Absicht informiert, mein Arbeitsverhältnis zu beenden. In diesem Zusammenhang sagte meine Vorgesetzte, dass wir dann einen Auflösungsvertrag machen, um eine friedliche Trennung zu ermöglichen. Sie betonte, dass dies auch im Hinblick auf zukünftige Bewerbungen von Vorteil sein könnte für mich. Ich persönlich halte diese Argumentation für fragwürdig und vermute, dass das Unternehmen primär daran interessiert ist, seinen Ruf zu wahren.
Ich beabsichtige, eine ordentliche Kündigung mit einer Frist von vier Wochen einzureichen, da ich keinen Mehrwert in einem Auflösungsvertrag sehe.

Ich würde gerne Ihre Meinung dazu hören, ob ein Auflösungsvertrag oder eine ordentliche Kündigung für meine berufliche Zukunft vorteilhafter ist.

Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung.
Vielen Dank schonmal im Voraus!

Mit freundlichen Grüßen
Clara

RE: Frage bezüglich eigener Kündigung

Hallo Clara, 

vielen Dank, dass du dich mit deiner Frage an Dr. Azubi wendest! Deine Überlegung, eine ordentliche Kündigung einzureichen, ist durchaus rational und verdient Beachtung. Es ist wichtig, dass du eine Entscheidung triffst, die für deine berufliche Zukunft am vorteilhaftesten ist.

Ein Auflösungsvertrag kann in manchen Fällen tatsächlich eine friedliche Trennung ermöglichen und potenziell negative Auswirkungen auf deinen Ruf bei zukünftigen Bewerbungen minimieren. Allerdings ist es auch verständlich, wenn du Bedenken hast und dich nicht vollständig auf die Argumentation deiner Vorgesetzten verlassen möchtest.

Bevor du deine endgültige Entscheidung triffst, solltest du die Vor- und Nachteile beider Optionen sorgfältig abwägen:

  • Auflösungsvertrag:

    • Vorteile: Eine friedliche Trennung könnte mögliche Konflikte mit dem Arbeitgeber vermeiden und den Übergang zu einem neuen Studium erleichtern. Es könnte auch helfen, positive Referenzen von deinem aktuellen Arbeitgeber zu erhalten.
    • Nachteile: Du könntest möglicherweise auf einige Ansprüche verzichten, die du bei einer ordentlichen Kündigung hättest (z.B. Anspruch auf Arbeitslosengeld). Außerdem könntest du möglicherweise Schwierigkeiten haben, den genauen Inhalt des Auflösungsvertrags zu verhandeln, um sicherzustellen, dass er für dich fair ist.
  • Ordentliche Kündigung:

    • Vorteile: Du behältst alle deine gesetzlichen Ansprüche und könntest dich auf die Unterstützung durch das Arbeitsamt verlassen, falls du vorübergehend ohne Beschäftigung bist. Du behältst auch die volle Kontrolle über den Kündigungsprozess.
    • Nachteile: Es könnte zu einer weniger einvernehmlichen Trennung mit deinem Arbeitgeber führen, was möglicherweise negative Auswirkungen auf zukünftige Referenzen haben könnte.

Jede*r hat ein Grundrecht auf freie Berufswahl - das steht in der deutschen Verfassung. Deshalb hast du immer die Möglichkeit, mit einer Frist von vier Wochen zu kündigen, wenn du die Berufsausbildung aufgeben und/oder den Ausbildungsberuf wechseln willst (§ 22 Berufsbildungsgesetz). Es genügt, wenn zum Zeitpunkt der Kündigung der ernsthafte Wille zur Berufsaufgabe oder zum Berufswechsel vorliegt. Das bedeutet aber nicht, dass du die Ausbildung in diesem Beruf nie wieder fortsetzen kannst. Du kannst deine Meinung auch wieder ändern, dich erneut bewerben und die Berufsausbildung in demselben oder in einem anderen Betrieb fortsetzen. Zum Zeitpunkt der Kündigung muss aber der ernsthafte Wille zur Berufsaufgabe vorliegen und du solltest diese Kündigung nicht verwenden, wenn du nur den Ausbildungsplatz wechseln willst. Unabhängig von der Kündigungsart stehen dir nach der Kündigung alle Leistungen zu, auf die du dir einen Anspruch erworben hast, zum Beispiel Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen, Arbeitszeugnis.

Bei einem von dir gewünschten Ausbildungsplatzwechsel kann ein Aufhebungsvertrag unter Umständen die einfachste Möglichkeit sein, wenn dein*e Ausbilder*in mit deinem Weggang einverstanden ist. Unterschreibe einen Aufhebungsvertrag aber nur, wenn du bereits einen neuen Ausbildungsvertrag hast oder ganz sicher bist, dass du in dem Betrieb nicht bleiben willst, denn wenn der Aufhebungsvertrag einmal freiwillig unterschrieben ist, kann man nichts mehr machen! Wenn du die Berufsausbildung aufgeben willst, ist in der Regel eine ordentliche Kündigung mit vier Wochen Frist wegen Berufsaufgabe besser. 

Wenn du einen Aufhebungsvertrag unterschreibst, bist du mitschuldig am Verlust deines Ausbildungsplatzes. In diesem Fall kann dir bei einer folgenden Arbeitslosigkeit dein Arbeitslosengeld eine Zeitlang gesperrt werden! Außerdem kannst du gegen einen Aufhebungsvertrag - im Unterschied zu einer Kündigung durch den*die Ausbilder*in - keinen Widerspruch einlegen, da ja deine Zustimmung nötig war.

Solltest du weitere Beratung benötigen wende dich doch gerne an deine Gewerkschaft, die nächste Geschäftsstelle findest du hier:

ver.di-Meschede

Emhildisstr. 16

59872 Meschede

Tel.: 0231 53420-0

E-Mail: service-ost.nrw@verdi.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Alternativ kannst du auch eine Email schreiben, in der du noch einmal dein Problem/Anliegen darstellst.

Liebe Grüße

Dr. Azubi

 

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

Hier kannst du Mitglied einer Gewerkschaft werden: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

RE: Frage bezüglich eigener Kündigung

Betreff: Ausbildungsabbruch zeitlich beliebig? Urlaubsanspruch bei Ausbildungsabbruch?

Sehr geehrter Dr.Azubi,

vielen Dank für die Informationen zu Kündigung und Auflösungsvertrag. Ich werde wohl die fristgerechte Kündigung meines Ausbildungsverhältnisses wählen. Der Grund ist ja, dass ich mich beruflich neu orientiere und studieren werde.

Nun ergeben sich für mich 2 neue Fragen:

1) Kann ich meine Ausbildung zu jedem beliebigen Datum kündigen oder nur zum 15. bzw. Monatsende? Ich möchte gerne das Schuljahr an der Berufsschule regulär beenden. Also, dass mein letzter Arbeitstag der letzte Berufsschultag vor den Sommerferien ist.

2) Wenn ich zum letzten Berufsschultag vor den Sommerferien kündige, dann liegt das in der ersten Juliwoche. Nun habe ich gelesen, dass wenn der letzte Arbeitstag im 2. Halbjahr liegt, einem der volle Jahresurlaub zusteht. Das Beispiel bezog sich allerdings darauf, dass die Ausbildung ganz regulär endet, weil man die Abschlussprüfung bestanden hat. Daher weiß ich nicht, ob das bei mir auch so wäre. Ich kündige die Ausbildung vor Ablauf des 1. Jahres, weil ich anschließend studieren will. Oder steht mir nur anteiliger Urlaub zu, entsprechend den Monaten, die ich vollgearbeitet habe?

Mit freundlichen Grüßen

Clara

RE: Frage bezüglich eigener Kündigung

Hallo Clara,

Zur ersten Frage: Der §622 des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) regelt, dass ein Arbeitsverhältnis mit 4 Wochen Kündigungsfrist zum Ende eines Monats gekündigt werden darf. Ab einer Beschäftigungsdauer von 5 Jahren verlängert sich die Frist. Für Personen in der Probezeit gilt eine Kündigungsfrist von 2 Wochen. DIe 2 Wochen werden hier ab dem Tag gezählt, ab dem die Kündigung eingegangen ist, also nicht unbedingt zum Monatsende.

Zu deiner zweiten Frage: Das Bundesurlaubsgesetz regelt, dass auch anteiliger Urlaub genommen werden kann. Sollte ein Beschäftigungsverhältnis nicht über die kompletten 12 Monate eines Kalenderjahren fortbestehen, dann besteht Urlaubsanspruch anteilig je nach Dauer des Beschäftigungsverhältnisses. Man hat dann kein Anspruch auf den Urlaub für ein komplettes Kalenderjahr.

Ich hoffe ich konnte deine Fragen Beantworten.

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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