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Dr. Azubi

Ausbildungswechseln wegen umzug

Hallo Dr.Azubi,

Ich habe mal eine frage die meine freundin betrifft: wie sieht es aus bei einem umzug in einem anderen bundesland? muss sie etwas beachten bei der kündigung via fristen oder sonstiges?

es soll von dem bundesland hessen nach Sachsen Anhalt gehen.

RE: Ausbildungswechseln wegen umzug

Hallo lieber Azubi,

schön, dass Du dich an Dr. Azubi wendest.

Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am besten folgendermaßen vor:

1. Bewirb dich ab sofort, denn solange du noch einen Ausbildungsplatz hast, sind deine Bewerbungschancen besser. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter ww.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in den Stellenportalen im Internet nach sowie in der Zeitung und oder frag im Bekannt*innenkreis. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

2. Sobald du was Neues hast -und erst dann! - kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist.

3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§ 22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

  • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz
  • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
  • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremden Tätigkeiten
  • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)
  • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
  • wenn deinem Betrieb die Ausbilder*inneneignung entzogen wird oder er gar keine besitzt
  • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist
  • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)

Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbilder*inneneignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angabe der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten) musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder*in bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Denn wenn der*die Azubi kündigt, ist der*die Ausbilder*in oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.

Hier ist ein Kontakt für dich:

Ver.di Gießen

Walltorstr. 17
35390 Gießen

Tel.: 0641932340
E-Mail: service.hessen@verdi.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

Viel Erfolg! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

RE: Ausbildungswechseln wegen umzug

danke für die schnelle auskunft jedoch geht es nicht um sexuelle belästigung oder ähnliches es geht darum das meine freundin mit mir zusammen ziehen will und wir dehalb das budesland wechseln darum ist die frage welche gründe dort gegen sprechen einer ablehnung oder ähnlichses mit heutigem stand kann ich sagen es muss ein grund bestehen laut betriebrat aber sonnst wäre es kein problem 

die eigentliche frage dabei besteht wie es mit den gründen aussieht ob ein richtiger grund da sein muss oder ob meine freundin einfach angeben kann das sie ein neuanfrang in einem neuen budesland beginnen möchte 

RE: Ausbildungswechseln wegen umzug

Hallo Marcel,

es ist großartig zu hören, dass deine Freundin und du zusammenziehen und einen Neuanfang in einem neuen Bundesland planen! Bezüglich des Ausbildungsortwechsels gibt es einige wichtige Punkte zu beachten.

Grundsätzlich ist ein Ausbildungsortwechsel möglich, aber es ist wichtig, die richtigen Schritte einzuleiten und die erforderlichen Genehmigungen einzuholen. In der Regel benötigt deine Freundin die Zustimmung ihres Ausbildungsbetriebs und gegebenenfalls auch die Zustimmung der zuständigen Kammer oder Behörde.

Was die Gründe für einen Ausbildungsortwechsel betrifft, so ist ein Bundeslandwechsel an sich ein valides Motiv. Es ist jedoch ratsam, dies dem Ausbildungsbetrieb und der zuständigen Stelle klar zu kommunizieren und gegebenenfalls weitere Gründe anzugeben, um den Wunsch nach einem Ausbildungsortwechsel zu untermauern. Solche Gründe könnten persönliche Umstände wie familiäre Veränderungen, partnerschaftliche Entscheidungen oder persönliche Weiterentwicklung sein.

Es ist wichtig zu betonen, dass eine Zustimmung des Ausbildungsbetriebs erforderlich ist, und dass es im besten Interesse deiner Freundin liegt, das Gespräch mit ihrem Ausbilder oder Betreuer zu suchen, um den Ausbildungsortwechsel zu besprechen. Dabei kann sie ihre Gründe für den Umzug offenlegen und darlegen, warum der Wechsel für sie wichtig ist.

Zudem sollte sie sich über die rechtlichen Aspekte informieren, insbesondere über Kündigungsfristen und andere formale Anforderungen. Es ist möglich, dass bestimmte Fristen eingehalten werden müssen, um den Ausbildungsortwechsel reibungslos durchzuführen. Daher ist es ratsam, sich frühzeitig über die erforderlichen Schritte und Fristen zu informieren und gegebenenfalls rechtlichen Rat einzuholen. Wie in der vorigen Antwort bereits erwähnt kannst du dich in jedem Fall an deine/die Gewerkschaft deiner Freundin wenden, um dir weitere Informationen und rechtliche Beratung zu holen. Hier noch einmal der Kontakt der nächsten Geschäftsstelle:

Ver.di Gießen

Walltorstr. 17
35390 Gießen

Tel.: 0641932340
E-Mail: service.hessen@verdi.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst.

Insgesamt ist es wichtig, den Ausbildungsortwechsel sorgfältig zu planen und die erforderlichen Schritte rechtzeitig einzuleiten. Durch offene Kommunikation und klare Darlegung der Gründe für den Wechsel kann deine Freundin die Chancen auf eine Zustimmung erhöhen.

Ich wünsche euch beiden alles Gute für euren gemeinsamen Neuanfang und für die weitere Ausbildung!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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