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Dr. Azubi

Arbeitszeit

Hallo, meine Ausbildung zum Maurer habe ich im August 2023 begonnen. Wenn ich im Betrieb bin soll ich immer um 6:00Uhr da sein, dann besprechen wir alles und laden die Autos und es geht zur meist einige Kilometer entfernten Baustelle. Auf Baustelle ist meist so 16:00Uhr bis 16:30Uhr Schluß und es geht zurück in Betrieb, da sind wir dann in der Regel 17:00Uhr da und ich kann gehen. Nun meine Frage, wenn ich meinen Stundenzettel schreibe soll ich aber erst ab 7:00Uhr schreiben und bis 16:00Uhr, ist das so richtig? Es ist doch Arbeitszeit vom Betrieb bis zur Baustelle und zurück oder ist das falsch? Oder ist das normal auf dem Bau und ich bin überempfindlich? Wir haben zwar Freitag dann schon um 14.00Uhr oder 15:00Uhr Feierabend aber das auch nicht immer, kommt drauf an wie weit wir gekommen sind in der Woche. Keiner sagt was im Betrieb ist halt schon immer so und ich als Azubi trau mich da auch nichts zu sagen, da das Verhältnis zu meinem Ausbilder leider auch nicht so gut ist. Mit den Kollegen verstehe ich mich sehr gut da gibt es keine Probleme. Und darf er mir meinen Urlaub vorschreiben, also z.B. wenn Betriebsruhe ist und alle anderen Urlaub haben, soll ich auf dem Hof arbeiten kommen, es gibt immer was zu tun. Es ist langsam nicht mehr auszuhalten, was könnte ich tun, wie soll ich mich verhalten? Danke  

RE: Arbeitszeit

Hallo Handwerk!

Vielen Dank für deine Anfrage! Du bist gar nicht überempfindlich! Ich finde es super, dass du dich informierst über deine Rechte und ich kann verstehen, dass es oft schwierig ist, sich als Azubi zu wehren. Es ist aber wichtig, dass du gut ausgebildet wirst und dass du nicht ausgenutzt wirst! Zunächst zu deiner Frage zur Arbeitszeit und den Wegzeiten.

Laut einer Information der Handwerkskammer Schwaben gehören zur Arbeitszeit Wegezeiten, die innerhalb des Betriebes oder zu einer außerhalb des Betriebes gelegenen Arbeitsstelle erforderlich sind. Wegezeiten sind demnach immer dann Arbeitszeiten, wenn sie betriebsbedingt nach und vor dem Ende der normalen Beschäftigung liegen oder von der Betriebsstätte aus zu den außerhalb des Betriebes gelegenen Arbeitsstätten benötigt werden, und im Betrieb vorher oder nachher noch gearbeitet wird. In diesem Fall beginnt und endet die Arbeitszeit in der Betriebsstätte. Auch die Wegezeit zwischen zwei Arbeitsstellen zählt zur Arbeitszeit.

Dies gilt aber nicht unbedingt, wenn im Betrieb nicht mehr gearbeitet wird oder die Fahrt zur Baustelle von einer Sammelstelle oder von zu Hause aus angetreten wird. In diesen Fällen regeln häufig Tarifverträge die Anrechnung auf die Arbeitszeit. Maßgeblich für die Berechnung ist die Zeit der Benutzung des zeitgünstigsten öffentlichen Verkehrsmittels.

Es bestehen keine gesetzlichen Grundlagen, welche die Anrechnung der Wegezeiten klar regeln. Liegen keine tariflichen Regelungen vor, oder finden diese keine Anwendung, dann wird die Wegezeit zur Baustelle, abzüglich der Zeit, die Du vom Treffpunkt bzw. von zu Hause aus bis zum Betriebssitz gebraucht hättest, zur Arbeitszeit hinzugerechnet. Die Handwerkskammer Schwaben weist weiter darauf hin: „In einem Schreiben vom 23.04.2001 geht allerdings das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Ernährung und Verbraucherschutz davon aus, dass Fahrzeiten vom Betrieb zur Montagestelle bei Jugendlichen und Erwachsenen generell zur Arbeitszeit zählen.“ Daraus wird deutlich, dass in diesem Punkt unterschiedliche Auffassungen bestehen.

Als Teil der Arbeitszeit zählen betrieblich veranlasste Wegezeiten, die durch die Beförderung des*der Auszubildenden vom Betrieb zu einer anderen Arbeitsstätte anfallen oder die Zeit für den Weg zwischen dem Betrieb und einer außerbetrieblichen Ausbildungsstätte oder auch die Zeit von einer Arbeitsstelle (oder Baustelle) zur nächsten (etwa bei Monteur-Arbeiten) oder bei einem*einer Außendienstmitarbeiter*in von einem*einer Kunden*in zum nächsten, nicht aber sonstige Wegezeiten von zu Hause zum Betrieb oder der Nachhauseweg. Hat der*die Auszubildende auf Weisung des Ausbildenden die Arbeit nicht im Betrieb aufzunehmen, sondern an einer Montage- oder Baustelle, zählt die von ihm*ihr dafür benötigte Wegezeit dann als Arbeitszeit, wenn die dafür aufgewendete Zeit über die Zeit hinausgeht, die der*die Auszubildende normalerweise von seiner*ihrer Wohnung bis zum Betrieb oder zur üblichen Arbeitsstätte benötigt (§ 11 BBIG, § 4 Abs.1 JArbSchG).

Du solltest Dich daher mal an deine Gewerkschaft wenden und fragen, ob vielleicht für dich ein Tarifvertrag die Anrechnung regelt bzw. dort kannst Du erfragen welche Vereinbarungen in der Praxis mit dem*der Arbeitgeber*in üblich sind. Hier ein Kontakt:

IG BAU
Angerstr. 14 A
04177 Leipzig
Telefon
: 0341 3397478 0
Email
: leipzig@igbau.de

Da kannst du anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

Nun zu deiner Frage zum Urlaubszeitpunkt, da ist es so:

Du hast einen Anspruch darauf, deinen Jahresurlaub im laufenden Kalenderjahr und zwei Wochen deines Jahresurlaubs am Stück und in einer berufsschulfreien Zeit zu nehmen (§ 7 Bundesurlaubsgesetz). Für Kalenderjahre, die du nicht voll arbeitest, hast du Anspruch auf anteiligen Urlaub. Die Übertragung des Urlaubes in das nächste Jahr ist nur aus wichtigen Gründen möglich. Nimmst du alten Urlaub mit in das neue Jahr, musst du den Urlaub in den ersten drei Monaten des neuen Jahres abbauen. Dies darf dir dein*e Arbeitgeber*in auch nicht verweigern. Wenn dies bis Ende März nicht möglich ist, musst du unbedingt einen schriftlichen Antrag auf Übernahme des Resturlaubs stellen, sonst verfällt dein Urlaubsanspruch.

Zudem sollte dein Urlaub zusammenhängend gewährt werden (§ 7 Bundesurlaubsgesetz). Der Urlaub darf nur aufgeteilt werden, wenn du das wünscht oder wenn dringende betriebliche Gründe dafürsprechen. Liegt der Urlaub in der Berufsschulzeit, muss dir für jeden Berufsschultag ein weiterer Urlaubstag gewährt werden.

Leider gibt es häufig Probleme mit dem Zeitpunkt des Urlaubs. Das Bundesurlaubsgesetz sagt dazu, dass du dich mit deinem*deiner Ausbilder*in auf den Urlaubszeitpunkt einigen musst (§ 7 Bundesurlaubsgesetz). In der Praxis heißt das: Du stellst einen Urlaubsantrag und dein*e Ausbilder*in darf dir den Urlaub nur dann verweigern, wenn wichtige soziale (zum Beispiel Vorrang von Mitarbeiter*innen mit Kindern), oder betriebliche Gründe (zum Beispiel feststehender Betriebsurlaub) dagegensprechen (§ 7 Bundesurlaubsgesetz). Wenn es also in deinem Betrieb festgelegte Betriebsferien gibt, musst auch du dich daranhalten. Aber häufig wird der Urlaub aus anderen Gründen verweigert wie zum Beispiel Personalmangel. Dieser Grund ist nur in Ausnahmesituationen rechtens, denn der reibungslose Ablauf des Betriebes sollte nicht davon abhängen, ob der*die Azubi da ist oder nicht.

Wenn du also deinen Urlaub planen willst, solltest du auf Nummer sicher gehen: Stelle einen schriftlichen Urlaubsantrag und bitte frühzeitig um mögliche Termine. Dein*e Ausbilder*in muss innerhalb von einem Monat auf deinen Antrag reagieren. Du solltest dir die Urlaubsgenehmigung für einen bestimmten Zeitraum unbedingt schriftlich geben lassen, so hättest du im Streitfall einen Nachweis und die Chancen stehen gut, dass du den Urlaub auch tatsächlich antreten kannst! Reagiert dein*e Ausbilder*in nicht innerhalb von einem Monat kannst du davon ausgehen, dass dein Urlaub genehmigt ist. Trotzdem musst du aufpassen, wenn sich der*die Ausbilder*in dann plötzlich quer stellt. Denn auch, wenn du dich im Recht fühlst, weil der Urlaub schon genehmigt war: Eigenmächtiger Urlaubsantritt ist Kündigungsgrund (§ 22 Berufsbildungsgesetz). In diesem Fall solltest du dich lieber an deine Gewerkschaft wenden und versuchen deinen Urlaubswunsch mit legitimen Mitteln durchzusetzen.

Was nicht geht, ist dass du privat bei deinem Arbeitgeber zu Hause arbeitest. Deine Tätigkeiten müssen dem Ausbildungszweck dienen! Wenn du hier Probleme hast, wende dich unbedingt an deine Gewerkschaft. Den Kontakt habe ich dir weiter oben raus gesucht.

Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

 

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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