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Dr. Azubi

Ausbildungsverhältnis vorzeitig beenden

Guten Tag, 

folgendes Problem:

Ich weiß, dass ich nicht in diesem Beruf bleiben möchte und fange in diesem Jahr eine komplett neue Ausbildung an. Das weiß mein AG noch nicht. 

Da ich Gesundheitsbedingt nicht mehr zur Arbeit kommen kann, wollte ich Fragen, ob ein Aufhebungsvertrag sinnvoll wäre, da ich am liebsten keine Frist haben möchte. 

Sollte ich lieber ordentlich Kündigen mit einer 4 Wochen Frist oder Fragen, ob ein Aufhebungsvertrag möglich ist? 

Was ist der Nachteil, wenn ich ein Aufhebungsvertrag beantrage und eine neue Ausbildung schon habe? 

Lg

RE: Ausbildungsverhältnis vorzeitig beenden

Hallo!

Vielen Dank für deine Nachricht im Forum! Wir freuen uns, dass du dich mit deinem Anliegen an uns wendest und ich hoffe ich kann dir weiterhelfen.

Große Unterschiede für die Arbeitnehmer*in die das Unternehmen verlässt, gibt es bei Aufhebungsvertrag und ordentlicher Kündigung nicht.

Der Aufhebungsvertrag ist keine Kündigung im rechtlichen Sinne, sondern eine beidseitige Vereinbarung das Arbeits- bzw. Ausbildungsverhältnis aufzuheben.

Der Aufhebungsvertrag wird wichtig, als Instrument um ein Ausbildungsverhältnis zu beenden, wenn man ansonsten nur durch eine „außerordentliche“ Kündigung, kündigen könnte. Eine außerordentliche Kündigung kann nur aus einem „wichtigem Grund“ erfolgen. Diese sind juristisch sehr streng und stellen eine hohe Hürde da.

Da du aber den Beruf wechseln möchtest, hast du rechtlich die Möglichkeit, „ordentlich“ mit einer Frist von 4 Wochen ohne besondere Gründe zu kündigen.

Jede*r hat ein Grundrecht auf freie Berufswahl - das steht in der deutschen Verfassung. Deshalb hast du immer die Möglichkeit, mit einer Frist von vier Wochen zu kündigen, wenn du die Berufsausbildung aufgeben und/oder den Ausbildungsberuf wechseln willst (§ 22 Berufsbildungsgesetz). Es genügt, wenn zum Zeitpunkt der Kündigung der ernsthafte Wille zur Berufsaufgabe oder zum Berufswechsel vorliegt. Das bedeutet aber nicht, dass du die Ausbildung in diesem Beruf nie wieder fortsetzen kannst. Du kannst deine Meinung auch wieder ändern, dich erneut bewerben und die Berufsausbildung in demselben oder in einem anderen Betrieb fortsetzen. Zum Zeitpunkt der Kündigung muss aber der ernsthafte Wille zur Berufsaufgabe vorliegen und du solltest diese Kündigung nicht verwenden, wenn du nur den Ausbildungsplatz wechseln willst. Wenn du ordentlich kündigst aber nur den Ausbildungsplatz wechseln willst und dein ehemaliger Betrieb dahinterkommt, kann er dich unter Umständen auf Schadensersatz verklagen. Zudem kann es zu Problemen mit der zuständigen Kammer beim Eintragen deines neuen Ausbildungsverhältnisses kommen.

Unabhängig von der Kündigungsart stehen dir nach der Kündigung alle Leistungen zu, auf die du dir einen Anspruch erworben hast, zum Beispiel Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen, Arbeitszeugnis.

Aber du hast ja gesagt, dass es ein neuer Beruf werden soll, deshalb solltest du unbesorgt kündigen können. Ich wollte es nur noch einmal wiederholen, damit du auch alle Informationen hast.

Der grundsätzliche Unterschied liegt im Zeitpunkt des Endes des Ausbildungsverhältnis. Während bei der ordentlichen Kündigung 4 Wochen gesetzlich vorgeschrieben sind, kann man bei einem Aufhebungsvertrag den Zeitpunkt frei wählen. Falls du das Ausbildungsverhältnis also früher verlassen willst oder deine neue Ausbildung früher beginnen möchtest, dann macht ein Aufhebungsvertrag Sinn, wo du einen früheren Endzeitpunkt vereinbaren kannst.

Ansonsten gibt es praktisch keinen Unterschied.

Wenn du kündigst und wenn du einen Aufhebungsvertrag unterschreibst, wirst du sehr wahrscheinlich eine Sperrzeit vom Arbeitsamt für die Beantragung von ALG bekommen. Es ist daher sinnvoll für dich direkt in die neue Ausbildung hinein zu starten.

Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch jederzeit an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

ver.di – Büro Erfurt

Schillerstraße 44

99096 Erfurt

Tel.: 0361/2117-222

E-Mail: service.sat@verdi.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft. Als Gewerkschaftsjugend kämpfen wir Tag für Tag für gute Ausbildung, höhere Löhne, Umverteilung und Bildungsgerechtigkeit. Kurz: Für eine solidarische und antifaschistische Gesellschaft. Zusammen sind wir stärker – werde Mitglied!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

Hier kannst du Mitglied einer Gewerkschaft werden: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

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