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Dr. Azubi

Ausbildungsfremde Tätigkeiten?

Folgende Situation: Ich bin momentan in meinem 2. Lehrjahr als Kaufmann für Büromanagement in einer Bäckerei. Jetzt bin ich seit ein paar Wochen jeden Freitag bei uns im Café eingeteilt und muss da arbeiten (quasi als Bäckereifachverkäufer). Das ganze wurde mir als Teil meiner Ausbildung verkauft, aber es ist sehr offensichtlich, dass es eine Notlösung ist, mich dort einzusetzen. Ich finde die Arbeit dort an sich nicht schlimm oder so, aber momentan mach ich das auch noch mit einer Kollegin zusammen, die auch wirklich für das Café eingestellt ist. Nun soll ich das bald aber auch mal komplett alleine schaffen, was absolut nicht klappen wird. Meine Frage ist nun, ob es erlaubt ist, denn Azubi aus dem Büro in einem anderen Bereich arbeiten zu lassen, der nichts mit der Ausbildung zu tun hat?

RE: Ausbildungsfremde Tätigkeiten?

Hallo WasAuchImmer!

Danke für deine Anfrage. Ich kann verstehen, dass du verwundert bist über den Einsatz in der Bäckerei und vor Allem, dass es dir als Teil deiner Ausbildung verkauft wird. Es kann schon mal sein, dass man den Betrieb kennen lernen soll, aber du darfst natürlich nicht als billige Arbeitskraft eingesetzt werden, oder sogar alleine arbeiten! Schließlich bist du in der Ausbildung, um was zu lernen. Um zu überprüfen, was tatsächlich Teil deiner Ausbildung ist, kannst du dir mal den Ausbildungsrahmenplan anschauen.

Für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan. In dem steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst.

Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz: http://www.bibb.de/de/berufesuche.php

Deinem Ausbildungsvertrag muss ein Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb geplant wird. Der*die Ausbilder*in darf dir nur Arbeiten übertragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§ 14 Berufsbildungsgesetz). Leider passiert es relativ häufig, dass Auszubildende mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beauftragt werden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten (also Arbeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen) sind z. B. regelmäßiges Putzen oder ausbildungsfremde Botengänge. Alle diese Tätigkeiten sind verboten! Auch unnötige Wiederholungen bereits gelernter Fähigkeiten – so genannte ausbildungsfremde Routinearbeiten – dienen nicht dem Ausbildungszweck! Alle Verstöße gegen die Ausbildungspflicht des Betriebes sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach § 102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!

Wenn du zu oft ausbildungsfremden Tätigkeiten erledigen muss, solltest du dich wehren! Denn sonst kann das Erreichen deines Ausbildungsziels gefährdet sein. Hier sind ein paar Tipps für dich, wie du dich wehren kannst:

1. Sprich die Situation bei deinem*deiner Chef*in an. Wenn du keinen Ausbildungsplan hast, solltest du verlangen, dass dieser erstellt wird. Zähle deinem*deiner Ausbilder*in konkret die fehlenden Inhalte auf, die du laut Ausbildungsrahmenplan schon können müsstest. Gehe positiv in das Gespräch. Sage gleich zu Anfang, dass es dir nicht darum geht zu kritisieren, sondern deinen Beruf richtig zu lernen. Falls vorhanden: Schalte außerdem die JAV und den Betriebsrat ein.

2. Wenn das Gespräch nichts bringt, solltest du den*die Ausbilder*in schriftlich auffordern. Hebe eine Kopie des Schreibens auf. Hier ist ein Musterbrief:

Sehr geehrter Herr/Frau…,

laut § 14 Berufsbildungsgesetz darf der Ausbildungsbetrieb den Azubi nur mit Arbeiten beauftragen, die dem Ausbildungszweck dienen. Als Ausbilder*in/Meister*in sind Sie verantwortlich dafür, dass die Berufsausbildung entsprechend des Ausbildungsrahmenplans durchgeführt wird. Ich muss allerdings häufig auf Ihre Weisung oder auf Weisung von Kolleg*innen hin ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten. Einige Beispiele:

- [Bitte hier die ausbildungsfremden Tätigkeiten mit genauer Datums- und Zeitangeben aufführen.]

Ich fordere Sie hiermit noch einmal schriftlich auf, solche Weisungen zu unterlassen und mache Sie darauf aufmerksam, dass Ihnen ein Bußgeld droht und Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich als Ausbilder*in nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten.

 

Mit freundlichen Grüßen,

[Unterschrift Azubi]

3. Wenn auch das nichts bringt und sich deine Ausbildungssituation nicht verbessert, solltest du dich an deine Gewerkschaft vor Ort wenden und dir rechtliche Unterstützung holen. Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:

NGG
Heiligengeiststr. 28
21335 Lüneburg
Tel.: 04131 / 421 460
E-Mail: region.lueneburg@ngg.net

Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

Außerdem könntest du dich an eine*n Ausbildungsberater*in der Kammer/Innung wenden und mit ihm*ihr ein persönliches Gespräch vereinbaren, denn die sind dafür da, die Ausbildung in den Betrieben zu kontrollieren.

Viel Erfolg! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

 

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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