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Dr. Azubi

Kündigung

Hallo.

Mein Chef hat mir einen Aufhebungsvertrag vorgelegt.

Er sagt wenn ich den nicht unterschreibe kündigt er mich.

Er sagt meine Arbeitsleistung hat rapide abgenommen.

Außerdem habe ich im letzten Jahr aufgrund psychischer Beschwerden 67 Fehltage. Natürlich ärztlich bescheinigt.

Er kann nach seiner Aussage mich wegen dieser Fehltage kündigen.

Er hat jedoch vor einem Jahr zugestimmt meine Ausbildung in teilzeit fortsetzen,  da er eben von meinen psychischen Problemen wusste.

Kann er mich wirklich wegen der fehltage kündigen?

Danke 

RE: Kündigung

Hallo!

Vielen Dank für deine Nachricht! Wir freuen uns, dass du dich mit deinem Anliegen an uns wendest und ich hoffe ich kann dir weiterhelfen.

Ein Aufhebungsvertrag ist keine Kündigung! Im Unterschied zur Kündigung kündigt beim Aufhebungsvertrag nicht eine Partei der anderen. Beim Aufhebungsvertrag lösen Azubi und Ausbilder*in das Ausbildungsverhältnis in gegenseitigem Einvernehmen auf. Im Klartext heißt das beide, Azubi und Ausbilder*in wollen das Ausbildungsverhältnis nicht fortsetzen. Wenn eine Kündigung durch den*die Ausbilder*in nicht möglich ist, missbrauchen Ausbilder*innen manchmal leider den Aufhebungsvertrag, um eine*n Azubi loszuwerden. Dann heißt es plötzlich: "Entweder du unterschreibst den Aufhebungsvertrag oder ich kündige dir." In diesem Fall solltest du auf keinen Fall unterschreiben und dich schleunigst bei deiner Gewerkschaft beraten lassen. Dasselbe gilt, wenn du den Aufhebungsvertrag bereits unter Druck unterschrieben hast.

Wenn du eine Kündigung erhältst, kann das viele Gründe haben. Wir empfehlen dir, dringend, gegen die Kündigung vorzugehen. Auch dann, wenn du nicht mehr in den Betrieb zurück gehen möchtest. Handle schnell, denn du hast nur drei Wochen Zeit, etwas gegen die Kündigung zu unternehmen. Danach ist sie wirksam.

Hier die rechtlichen Grundlagen:

Nach der Probezeit ist eine Kündigung nur in absoluten Ausnahmefällen möglich. Das Berufsausbildungsverhältnis kann von deinem*r Ausbilder*in nur außerordentlich und fristlos (das heißt von heute auf morgen) gekündigt werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§ 22 Berufsbildungsgesetz).

Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

  • Häufiges Zu-Spät-Kommen in der Arbeit/Berufsschule

  • Urlaubsantritt ohne Genehmigung

  • Mehrmaliges unentschuldigtes Fehlen in der Arbeit/Berufsschule

  • Trotz Aufforderung nicht geführte schriftliche Ausbildungsnachweise (Berichtsheft)

  • nachgewiesener Diebstahl

  • Anwendungen von Gewalt und krasse Beleidigungen in Betrieb/Berufsschule

Selbst wenn diese Gründe vorliegen, muss man in deinem Fall noch genau prüfen, ob sie für eine fristlose Kündigung ausreichen. Unsere Erfahrung zeigt, dass fristlose Kündigungen oft nicht rechtens sind.

Bei leichten Pflichtverletzungen oder Vergehen ist eine fristlose Kündigung erst dann erlaubt, wenn du dein Verhalten nicht änderst, obwohl du von deinem Betrieb schon öfter eine Abmahnung dafür bekommen hast. Du musst deshalb normalerweise mindestens zwei Abmahnungen für das gleiche Vergehen (!) bekommen haben, bevor du gekündigt werden kannst. Es gibt hier aber keine generelle Regelung. Je nach Schwere des Pflichtverstoßes kann auch eine Abmahnung ausreichen.

Keine Kündigungsgründe sind:

  • Fehlerhafte oder schlechte Leistungen in Betrieb/Berufsschule

  • Krankheit

Entschuldigte Fehltage sind keine „wichtigen Gründe“ im Sinne dieses Gesetzes. Grundsätzlich kannst du wegen zu vieler (entschuldigter) Fehltage, Probleme bei der Zulassung zu deiner Abschlussprüfung bekommen. Grundsätzlich ist es so, dass man in seiner Ausbildung etwa 10 % Fehlzeiten (12-15 Wochen) haben darf, um zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden. Aber das mit den 10 % ist eine Faustregel - kein Gesetz. Dabei sind auch immer Ausnahmeregelungen möglich. Entscheiden tut das am Ende aber nicht dein*e Ausbilder*in, sondern deine zuständige Kammer.

Eine Kündigung muss immer schriftlich sein. Die Gründe müssen dabei genau angegeben werden, sonst ist die Kündigung nicht wirksam.

Die Kündigung eines minderjährigen Azubis muss grundsätzlich auch gegenüber den gesetzlichen Vertreter*innen - im Allgemeinen also gegenüber den Eltern - erklärt werden.

Unabhängig vom Kündigungsgrund stehen dir nach der Kündigung alle Leistungen zu, die du dir bis zum Kündigungszeitpunkt erworben hast - insbesondere Restgehalt und Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen und ein Arbeitszeugnis.

Folgende Schritte solltest du so schnell wie möglich gehen:

  • Wende dich an deinen Betriebsrat (falls vorhanden)

  • Hole dir Rat und Unterstützung bei kompetenten Leuten. Als Gewerkschaftsmitglied gewährt dir deine Gewerkschaft Rechtsschutz bei einem Kündigungsschutzverfahren. Sie hilft dir auch dabei, Klage gegen die Kündigung zu erheben.

Hier ist ein Kontakt zu deiner örtlichen Gewerkschaft:

IGBCE - Bezirk Nordostbayern

Naabstraße 6

92637 Weiden

Telefon: 0961 48142-0

E-Mail: bezirk.nordostbayern@igbce.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

  • Als nächstes solltest du gemeinsam mit deiner Gewerkschaft möglichst schnell einen Antrag für ein Schlichtungsverfahren bei deiner zuständigen Kammer oder dem zuständigen Arbeitsgericht stellen. Sie leitet dann ein Schlichtungsverfahren ein.

  • Falls deine Klage Erfolg hat, du aber nicht mehr zurück in deinen Betrieb möchtest, kannst du dich jetzt schon mal um einen neuen Ausbildungsbetrieb kümmern. Wende dich an deine Berufsschulsozialarbeit, sie hilft dir dabei, wie es beruflich weitergeht. Für deine Bewerbung kannst du dir bei deiner Berufsschule einen aktuellen Notenstand besorgen.

Mehr Infos zur Bewerbung findest du hier: http://www.azubi-azubine.de/bewerbung

Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter https://www.arbeitsagentur.de oder https://www.meinestadt.de, oder https://www.ihk.de.

Schau auch in der Zeitung und in den Stellenportalen im Internet nach oder frag im Bekannt*innenkreis und an der Berufsschule. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn. Um deine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, kannst du auch Probe arbeiten.

Viel Erfolg! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

RE: Kündigung

Herzlichen Dank für Ihre Antwort.

Ich habe schon versucht mit dieser Gewerkschaft IGBCE Kontakt aufzunehmen.

Leider sind die da nicht zuständig.

Ich weiß nicht an welche Gewerkschaft ich mich wenden soll.

Bringt das überhaupt etwas wenn ich leider noch kein Mitglied bin.

Ich mache eine Ausbildung 

Technischer Systemplaner Versorgungstechnik und Ausrüstungstechnik in einem Ingenieurbüro

In Weiden in der Oberpfalz.

Vielleicht können Sie mir sagen wo ich mich hinwenden kann.

Herzlichen Dank

RE: Kündigung

Hallo lieber Azubi,

manchmal sind Berufe etwas schwer der zuständigen Gewerkschaft zuzuordnen. In deinem Fall ist wahrscheinlich die IG Metall zuständig. Hier ist ein Kontakt für dich:

IG Metall Amberg

Schrannenplatz 4

92224 Amberg

Telefon:+49 9621 4931 0

E-Mail:amberg@igmetall.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst.

Sollte dir gesagt werden, dass sie nicht zuständig sind, dann frag am besten direkt nach, ob sie wissen welche Gewerkschaft für deinen Betrieb zuständig ist.

Auch wenn Du nicht Mitglied bist, kannst Du dir eine Erstberatung bei der zuständigen Gewerkschaft holen. Und Du kanst natürlich immer Beitreten.

Hier kannst du Mitglied einer Gewerkschaft werden: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

Gewerkschaften kämpfen für bessere Arbeitnehmer*innen Rechte und unterstützen dich in schwierigen Situatoinen z.B. wie bei dir, wenn dir mit einer Kündigung gedroht wird.

Liebe Grüße

Dr. Azubi

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