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Dr. Azubi

Unternehmenskultur

Hallo Dr. Azubi,

zunächst möchte ich mich für Ihre Unterstützung und Aufmerksamkeit ganz herzlichst bedanken.

nach Absprache mit meinem Ausbilder über den von der IHK vermittelten Ausbildungsrahmenplan (da es große Wissenslücken im Betrieb seit 1,5 Jahren existieren), seien meine Zukunftssorgen von seiner Seite aus nicht dringlich (Sowie für die Zwischen- und Abschlussprüfung als auch im Arbeitsmarkt). Zum dessen fand kein Feedback-Gespräch während und nach der Probezeit statt. Die Ausbildungsnachweise liegen unkontrolliert über mehrere Jahre zurück. Demnach pflege ich sie aktuell.


Trotz dem Ausbildungsrahmenplan und generell verläuft mein gewöhnlicher Arbeitstag mit lange Beschäftigungslosigkeit bis Schichtende. Zum Schichtbeginn erfülle ich alle zugewiesene Aufgaben und verweile anschließend im Internet, wenn nichts mehr zu tun gibt. Der kleine Nachteil liegt darin, das wir keinen Betriebsrat haben 

Die Fehler nehme ich bewusst war bessere sie selbstständig nach und übernehme die Initiative. Nichtsdestotrotz, werden meine Leistungen und Bemühungen meinerseits nicht anerkannt und auf Kleinigkeiten geachtet. Arbeitsverweigerungen sind ausgeschlossen und reagiere auf Aufgaben züglich. 

06.02.2024:

Unser Betriebsleiter würde mich mit einer Abmahnung drohen, wegen verweilen im Internet. Nach meiner Beobachtung tun es nahezu alle der Festangestellten. 

Wie kann ich mich im schlimmsten Fall mit einer Kündigung wehren und wenn nichts mehr zu tun gibt?.(Sortieren, Aufräumen usw.)

RE: Unternehmenskultur

Hallo StudiumVorAusbildung96!

Vielen Dank für deine Anfrage! Das tut mir leid, dass du dich schlecht betreut fühlst und Angst vor einer Abmahnung oder sogar Kündigung haben musst. Ich finde es super, dass dir deine Ausbildung wichtig ist und dass du etwas lernen möchtest. Dein Betrieb ist dafür verantwortlich, dir alles beizubringen und dir Aufgaben zu geben, die dem Ausbildungszweck dienen.

Wie du schon weist, gibt es für jeden Beruf einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz hier: http://www.bibb.de/de/berufesuche.php). Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein grober Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Der*die Ausbilder*in darf dir nur Arbeiten auftragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§14 Berufsbildungsgesetz). Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!

Du solltest unbedingt dafür kämpfen, dass deine Ausbildung nach dem Rahmenplan verläuft, denn sonst ist dein Ausbildungsziel gefährdet. Hier sind ein paar Tipps für dich, was du unternehmen könntest:

1. Bitte deinen Chef um ein Gespräch und erkläre ihm ruhig und sachlich, dass du ja gerne was lernen möchtest, aber dass du immer sehr schnell mit den Aufgaben fertig bist. Am besten nimmst du den Ausbildungsplan mit in das Gespräch und schaust, was du noch lernen müsstest. Wenn kein Ausbildungsplan erstellt wurde, solltest du verlangen, dass dies so schnell wie möglich nachgeholt wird. Nenne konkrete Inhalte, die bis jetzt fehlen und die du laut Ausbildungsrahmenplan schon können müsstest. Vielleicht hast du auch konkrete Ideen, was du machen könntest. Dann kannst du mit Vorschlägen ins Gespräch gehen. Gehe positiv in das Gespräch und sage gleich zu Anfang, dass es dir nicht darum geht zu kritisieren, sondern vielmehr darum, deinen Beruf richtig zu lernen. Du meintest, es gibt leider keinen Betriebsrat bei euch, aber vielleicht gibt es andere Auszubildende, die das gleiche Problem haben? Dann könntet ihr euch untereinander austauschen.

2. Falls sich nach dem Gespräch nichts ändert, solltest du den*die Ausbilder*in oder Betriebsinhaber*in noch einmal schriftlich an seine*ihre Pflichten erinnern. Hebe dir eine Kopie des Schreibens auf! Hier ist ein Musterbrief:

Sehr geehrte/r Frau/Herr…,

laut § 14 Berufsbildungsgesetz muss ein geeigneter Ausbilder die Ausbildungsinhalte vermitteln.

- Ich bin allerdings sehr häufig allein im Betrieb [Bitte Beispiele einfügen]

- Es steht für mich allerdings kein*e Ausbilder*in bereit und es ist auch niemand ausdrücklich mit meiner Ausbildung beauftragt worden.

Ich fordere Sie hiermit schriftlich auf, mir eine*n Ausbilder*in zur Verfügung zu stellen, mache Sie darauf aufmerksam, dass Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten.

 

Mit freundlichen Grüßen,

[Unterschrift Azubi]

3. Wenn auch das nichts bringt und sich deine Ausbildungssituation nicht verbessert, solltest du dich an deine Gewerkschaft vor Ort wenden und dir rechtliche Unterstützung holen. Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:

Ver.di
Stapeltor 8
47051 Duisburg
Tel.: 0203 2814-0
E-Mail: service-mitte.nrw@verdi.de

Da kannst du anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

Außerdem könntest du dich an eine*n Ausbildungsberater*in der Kammer/Innung wenden und mit ihm*ihr ein persönliches Gespräch vereinbaren, denn die sind dafür da, die Ausbildung in den Betrieben zu kontrollieren.

Du solltest die angedrohte Abmahnung aber ernst nehmen und nicht mehr während der Arbeit im Internet verweilen. Eine Abmahnung ist erst mal ein Schock und das soll sie auch sein! Eine Abmahnung soll dir deutlich zu verstehen geben, dass dein*e Ausbilder*in mit deiner Leistung oder deinem Verhalten nicht zufrieden ist. Damit die Abmahnung formal richtig ist, muss ganz genau drinstehen, welche Pflichtverletzung dir zum Vorwurf gemacht wird. Außerdem muss dir eine Abmahnung auch immer die Kündigung androhen, falls du deine Leistung oder dein Verhalten nicht änderst.

Es gibt eine Faustregel, die besagt, dass der Kündigung eines*einer Azubi*s mindestens zwei Abmahnungen vorausgehen müssen (Ausnahme: Bei groben Vergehen wie zum Beispiel Diebstahl kann auch ohne Abmahnung gekündigt werden). Per Gesetz hat der*die Ausbilder*in nämlich „erzieherische Pflichten“, was im Klartext bedeutet, dass du erst mal durch die Abmahnung die Chance bekommst, dazuzulernen. Deshalb muss die Abmahnung auch relativ bald nach deiner Pflichtverletzung ausgesprochen werden, also nicht zum Beispiel ein Jahr später, denn dann kannst du ja nichts mehr ändern! Bei minderjährigen Auszubildenden muss die Abmahnung auch den gesetzlichen Vertreter*innen (in der Regel deinen Eltern) zur Kenntnis gebracht werden.

Du solltest eine Abmahnung auf jeden Fall ernst nehmen und versuchen, deine Leistung oder dein Verhalten im angesprochenen Bereich zu verändern.

Wann ist eine Abmahnung nicht gerechtfertigt? Zunächst mal dann, wenn sie inhaltlich falsch ist und du die Sache ganz anders siehst. Eine Abmahnung kann aber auch rechtlich ungerechtfertigt sein. Eine Abmahnung wegen schlechter Noten ist zum Beispiel in der Regel ungerechtfertigt, weil du nichts dafürkannst, wenn du in der Schule nicht gut bist, obwohl du den Unterricht besuchst und lernst. Auch ist es normal, dass Auszubildende (vor allem im ersten Ausbildungsjahr) Fehler machen, denn schließlich sind sie ja im Betrieb, um zu lernen.

Was kannst du tun, wenn die Abmahnung deiner Meinung nach ungerechtfertigt ausgesprochen ist? Dann kannst du eine Gegendarstellung schreiben.

Manchmal kann es aber auch klug sein, die Abmahnung einfach hinzunehmen und Gras über die Sache wachsen zu lassen, vor allem dann, wenn du dich grundsätzlich gut mit deinem*deiner Ausbilder*in verstehst. Nach frühestens eineinhalb Jahren verliert die Abmahnung dann ihre Gültigkeit, sie verjährt sozusagen. Achtung: Falls es plötzlich Abmahnungen hagelt, kann das ein Zeichen dafür sein, dass dein*e Ausbilder*in dich loswerden will und deine Kündigung vorbereitet. Dann solltest du dich umgehend bei deiner Gewerkschaft beraten lassen.

 

Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft. Als Gewerkschaftsjugend kämpfen wir Tag für Tag für gute Ausbildung, höhere Löhne, Umverteilung und Bildungsgerechtigkeit. Kurz: Für eine solidarische und antifaschistische Gesellschaft. Zusammen sind wir stärker – werde Mitglied!

Liebe Grüße

Dr. Azubi          

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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