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Dr. Azubi

Muss Ich die Kosten bei einer Betrieblichen Schulung übernehmen?

Hallo Dr.Azubi,

Ich mache aktuell eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann im Baumarkt und befinde mich im letzten Lehrjahr.

Aktuell habe ich folgendes Problem:

Mein Betrieb erwartet von mir die Schulungsgebühr von 60€ zu bezahlen weil ich es angeblich versäumt hätte an einer Schulung  teilzunmehmen.

Mir wurde persönlich nicht mitgeteilt dass ich an diesen Tag die eine  Schulung hätte und jetzt werden 60€ Gebühren von mir verlangt

Lustigerweiße wurde ich an diesen Tag zu Zwei Schulunge von meinen Chef eingetragen (wusste nur von einer weil es am Schwarzenbrett hing)  und ich wusste nur von einer, es wäre unmöglich gewesen zur selben Zeit an beiden Schulungen gleichzeitig teilzunehmen.

eigentlich hätte er es auch wissen müssen dass ich an diesen Tag eine andere Schulng hätte und es nicht möglich ist an beiden teilzunehmen.

Mein Chef drohte mir unteranderen auch mir die letzten Monate im Betrieb zur Hölle zu machen und bietete mir mehrmals an die Ausbildung Beiderseits zu beenden. Ich fühle mich hier nicht mehr wohl und weiß nicht wie ich die letzten Monate hier überstehen soll. Ich möchte einfach nur noch meine Ausbildung abschliessen und gerne wissen ob ich gegen sowas rechtlich vorgehen kann?

vielen dank

RE: Muss Ich die Kosten bei einer Betrieblichen Schulung übernehmen?

Hallo!

Vielen Dank für deine Nachricht im Forum, wir freuen uns dass du dich mit deinem Anliegen an uns wendest und ich hoffe ich kann dir weiterhelfen.

Alle Sachen, die du für die Arbeit im Betrieb und für die Prüfungen brauchst, müssen dir von deinem*deiner Ausbilder*in kostenlos zur Verfügung gestellt werden (§ 14 Berufsbildungsgesetz). Dabei ist es egal, ob es sich um Werkzeuge, Werkstoffe oder Fachliteratur handelt. Auch eine Kostenbeteiligung an Übungsstücken ist nicht erlaubt.

Seit dem 01.01.2020 muss dein Betrieb auch die Kosten für Fachliteratur in der Ausbildung übernehmen, wenn diese auch im Betrieb genutzt wird. Das gilt auch für digitale Fachliteratur. In diesem Fall müssen dir auch die entsprechenden Betriebsmittel (PC oder Laptop) für die Ausbildungszeit zur Verfügung gestellt werden, um die digitale Literatur zu nutzen.

Ich kann das aus der Ferne schlecht endgültig bewerten, aber es liegt nahe, dass man eine Schulung bzw. die Kosten dafür, ähnlich rechtlich bewertet wie Ausbildungsmittel.

Wenn durch einen Fehler deinerseits Kosten entstehen, kann die Frage nach der Erstattung nicht pauschal beantwortet werden. Dies müsste man rechtlich erstreiten. Als Orientierung: Ein*e Azubi im ersten Ausbildungsjahr, der*die gerade neu in die Kasse eingelernt wird und sich anfangs verzählt, kann nicht verantwortlich gemacht werden. Ein*e Azubi kurz vor der Abschlussprüfung, der*die bereits mehrere Monate selbstständig an der Kasse arbeitet, kann unter Umständen für einen fehlenden Betrag zur Verantwortung gezogen werden. Grundsätzlich gilt diese Staffelung von Schadensersatz, aber nur, wenn du wirklich einen Schaden verursacht hast.

Wenn man dich nicht über eine Schulung informiert hat, konnte man auch kaum erwarten, dass an dieser teilnimmst.

Um die Forderung deines Ausbilders rechtlich endgültig zu bewerten, empfehle ich dir, dir rechtliche Unterstützung bei deiner Gewerkschaft vor Ort einzuholen.

Rechtlich vorgehen, gegen den Druck deines Ausbilders, ist vielleicht umständlich. Grundsätzlich kann dein Ausbilder dich aber nicht ohne weiteres kündigen. Die Kündigung eines Ausbildungsvertrags bedarf außerhalb der Probezeit zwingend wichtige Gründe.

Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

  • Häufiges Zu-Spät-Kommen in der Arbeit/Berufsschule

  • Urlaubsantritt ohne Genehmigung

  • Mehrmaliges unentschuldigtes Fehlen in der Arbeit/Berufsschule

  • Trotz Aufforderung nicht geführte schriftliche Ausbildungsnachweise (Berichtsheft)

  • nachgewiesener Diebstahl

  • Anwendungen von Gewalt und krasse Beleidigungen in Betrieb/Berufsschule

Selbst wenn diese Gründe vorliegen, muss man in deinem Fall noch genau prüfen, ob sie für eine fristlose Kündigung ausreichen. Unsere Erfahrung zeigt, dass fristlose Kündigungen oft nicht rechtens sind. Bei leichten Pflichtverletzungen oder Vergehen ist eine fristlose Kündigung erst dann erlaubt, wenn du dein Verhalten nicht änderst, obwohl du von deinem Betrieb schon öfter eine Abmahnung dafür bekommen hast. Du musst deshalb normalerweise mindestens zwei Abmahnungen für das gleiche Vergehen (!) bekommen haben, bevor du gekündigt werden kannst. Es gibt hier aber keine generelle Regelung. Je nach Schwere des Pflichtverstoßes kann auch eine Abmahnung ausreichen.

Keine Kündigungsgründe sind:

  • Fehlerhafte oder schlechte Leistungen in Betrieb/Berufsschule

  • Krankheit

Eine Kündigung muss immer schriftlich sein. Die Gründe müssen dabei genau angegeben werden, sonst ist die Kündigung nicht wirksam.

Wenn eine Kündigung durch den*die Ausbilder*in nicht möglich ist, missbrauchen Ausbilder*innen manchmal leider den Aufhebungsvertrag, um eine*n Azubi loszuwerden. Dann heißt es plötzlich: "Entweder du unterschreibst den Aufhebungsvertrag oder ich kündige dir." In diesem Fall solltest du auf keinen Fall unterschreiben und dich schleunigst bei deiner Gewerkschaft beraten lassen. Dasselbe gilt, wenn du den Aufhebungsvertrag bereits unter Druck unterschrieben hast.

Das ist eine schwierige Situation, in der du dich befindest und ich finde es erstaunlich, wie lange du sie schon erträgst. Es ist auf jeden Fall sehr wichtig, dass du dich gegen den psychischen Druck wehrst, denn dadurch verlierst du ja nicht nur alle Freude an deinem Traumjob, sondern Mobbing macht auf Dauer auch krank! Hier sind ein paar Tipps für dich:

  • Es ist wichtig, dass du mit Menschen deines Vertrauens über deine Probleme am Ausbildungsplatz sprichst. Wenn du es nur runterschluckst, werden sich die Erfahrungen bald auf deine Seele oder deinen Körper auswirken, z. B. Schlafstörungen, Depressionen, Magen-Darmprobleme.

  • Du solltest sofort anfangen, ein Tagebuch über die Vorkommnisse zu führen. Wer hat was, wann zu wem gesagt und wer war noch dabei? Oder wer hat wann was getan und wer war noch dabei? Schreib dir alles möglichst genau auf. Auf dieses Tagebuch kannst du dann später zurückgreifen, es kann sehr nützlich sein, wenn du dich wehren willst.

  • Du solltest möglichst früh Stellung beziehen, wenn du mit dem Verhalten von Kolleginnen und Kollegen oder Vorgesetzten dir gegenüber oder auch gegenüber anderen nicht einverstanden bist. Sage klar und deutlich, wenn du etwas nicht in Ordnung findest und benenne genau, was es ist! Denn so verschaffst Du Dir Respekt.

  • Bitte die Person zu einem Gespräch. Überlege dir vor dem Gespräch einige Situationen und Beispiele, in denen das Verhalten der Person besonders verletzend und offensichtlich war. Beginne in dem Gespräch deine Sätze mit „Ich“. Sage also nicht: „Sie kritisieren mich ständig!“ sondern „Ich fühle mich ständig von Ihnen kritisiert und oft empfinde ich die Kritik als nicht gerechtfertigt!“. Versuche sachlich und selbstkritisch zu bleiben. Das Gespräch solltest du nicht alleine führen. Es ist sehr empfehlenswert, eine Person deines Vertrauens oder bestenfalls ein Betriebsratsmitglied mitzunehmen. Es ist auch empfehlenswert, das Gespräch zu protokollieren.

  • Dein*e Ausbilder*in hat dir gegenüber eine Fürsorgepflicht; d.h. er*sie hat die Pflicht dich vor seelischer und körperlicher Gefährdung zu schützen. Er*sie muss deine Anliegen ernst nehmen und du kannst ihn*sie um Hilfe bitten. Diese Möglichkeit solltest du unbedingt auch in Anspruch nehmen. Falls dein*e Ausbilder*in dein Anliegen nicht ernst nimmt, kann das für dich auch einen Kündigungsgrund darstellen.

  • Druck macht krank. Von daher ist es nicht verwunderlich, falls du unter psychosomatischen Problemen wie Schlafstörungen, Magen-/Darmprobleme, Herz-/Kreislaufprobleme oder unter psychischen Problemen wie Weinkrämpfe, depressive Verstimmungen, Angstsymptome leidest. Wenn die Belastung zu groß wird, solltest du eine*n Arzt*Ärztin aufsuchen und dich krankschreiben lassen.

  • Falls dein Betrieb dich loshaben will und dir grundlose Abmahnungen erteilt oder dich kündigt, solltest du schnell reagieren und dich zur Wehr setzen. Hole dir hierbei auf jeden Fall Hilfe bei deiner zuständigen Gewerkschaft. Hier ist ein Kontakt für dich:

    ver.di – Büro Nürnberg

    Kornmarkt 5-7

    90402 Nürnberg

    Tel.: 0911 / 23557-0

    E-Mail: service.bayern@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

  • Wenn du deinen Ausbildungsplatzwechseln musst, weil du gemobbt wirst, hast du eventuell Anspruch auf Schadensersatz gegenüber deinem Betrieb. Hier solltest du dich auch unbedingt an deine zuständige Gewerkschaft wenden.

  • Solltest du weitergehende Hilfe in Anspruch nehmen wollen, gibt es eine Übersicht für Mobbingberatungsstellen unter folgendem Link: http://www.work-watch.de/2012/10/hilfestellung-bei-mobbing/

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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