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Dr. Azubi

Kündigung durch Krankheit nach Arbeitsunfall

Hallo Dr. Azubi, 

im Juli 2023 erlitt ich einen Arbeitsunfall der in einem Schädelhirntrauma sowie PTBS und einer Anpassungsstörung resultierte, ich bin auch aufgrund dessen seit August 2023 bis heute, Januar 2024 krankgeschrieben. 
Ich habe jeden Monat meine AU eingereicht und auch manchmal aus Kulanz kleine Infos wie es mir geht mit geschickt zu meiner Chefin. 
Sie war von Anfang an nicht überzeugt das es mir "wirklich so schlecht" gehen könnte. 
Und soeben habe ich per Einschreiben meine fristlose Kündigung erhalten, da ich im Rahmen meiner Ausbildung mein Ziel nicht mehr erreichen kann. 
Ist dies wirklich von rechtens ? Ich sei nämlich so informiert worden, dass man nicht gekündigt werden darf, wenn man krankgeschrieben ist oder zumindestens nicht fristlos ... ? 

Ich suche dringend rat, auch was ich jetzt machen soll ... 

Mit freundlichen Grüßen 

Kim

RE: Kündigung durch Krankheit nach Arbeitsunfall

Hallo Kim!

Vielen Dank für deine Nachricht im Forum, wir freuen uns dass du dich mit deinem Anliegen an uns wendest, auch wenn der Grund dafür sicherlich nicht zum freuen ist.

Als erstes muss ich darauf hinweisen, dass wir in diesem Forum grundsätzlich nur Fragen über betriebliche Ausbildungen behandeln. Ausbildungen im medizinisch-gesundheitlichen Bereich unterliegen den einzelnen Ländergesetzgebungen, daher sind wir dafür keine Expert*innen.

Du solltest dir daher dringend Beratung vor Ort einholen bei deiner Gewerkschaft!

Mit diesem Vorbehalt vorangestellt, will ich aber noch folgende Informationen mitgeben:

In einem normalen betrieblichen Ausbildungsverhältnis, sind Kündigungen von Ausbildungsverhältnissen nur in äußerst strengen Fällen möglich.

Erkundige dich ob es im medizinisch-gesundheitlichen Bereich ebenfalls auf eine sogenannte „außerordentliche Kündigung“ ankommt. Diese kann nur aus „wichtigen Gründen“ erklärt werden, welche rechtlich streng festgelegt sind. Es kommt sehr häufig vor, dass außerordentliche Kündigungen nicht rechtmäßig sind, da der Grund nicht ausreicht oder die Kündigung nicht ausreichend begründet ist um eine sog. außerordentliche Kündigung zu rechtfertigen.

Im Normalfall sind wichtige Gründe beispielsweise:

  • Häufiges Zu-Spät-Kommen in der Arbeit/Berufsschule

  • Urlaubsantritt ohne Genehmigung

  • Mehrmaliges unentschuldigtes Fehlen in der Arbeit/Berufsschule

  • Trotz Aufforderung nicht geführte schriftliche Ausbildungsnachweise (Berichtsheft)

  • nachgewiesener Diebstahl

  • Anwendungen von Gewalt und krasse Beleidigungen in Betrieb/Berufsschule

Grundsätzlich besteht kein Kündigungsschutz während einer Krankheit, das heißt man kann durchaus auch gekündigt werden, wenn man krankgeschrieben ist. Das spricht eine*n Ausbilder*in aber nicht davon frei, dass alle anderen Gründe vorliegen müssen, um eine Kündigung zu rechtfertigen.

Es ist daher sehr wichtig, dass du schnell handelst! Eine Kündigung wird nach deutschem immer nach 3 Wochen wirksam, egal ob sie rechtmäßig oder rechtswidrig ist. Es gibt auch keine andere Möglichkeit, gegen eine Kündigung vorzugehen als rechtlich, im Wege der Kündigungsschutzklage.

Bitte wende dich an deine Gewerkschaft und lass dich dort beraten. Dann bist du in guten Händen, um dich juristisch gegen deine Kündigung zur Wehr zu setzen.

Ver.di – Büro Hannover

Goseriede 12

30159 Hannover

Tel.: 0511/12400-0

E-Mail: service.nds-hb@verdi.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft. Als Gewerkschaftsjugend kämpfen wir Tag für Tag für gute Ausbildung, höhere Löhne, Umverteilung und Bildungsgerechtigkeit. Kurz: Für eine solidarische und antifaschistische Gesellschaft. Zusammen sind wir stärker – werde Mitglied!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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