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Dr. Azubi

Krankgeschrieben und Kein Geld

Ich bin seit 21November23 mit einem Bandscheibenvorfall zuhause und warte auf meinen neurologischen Termin jetzt im Januar. Meine krankschreibungen sind alle online an mein Arbeitgeber über die krankenkasse einsehbar. Jetzt zahlt mir keiner mehr Gehalt (seit dem 15.11 gerechnet nichts mehr bekommen) ich wurde aus allen Arbeitsgruppen entfernt und auf Briefe so wie E-Mails wird nicht reagiert. Was soll ich tun?

RE: Krankgeschrieben und Kein Geld

Hallo!

Vielen Dank für deine Nachricht im Forum! Wir freuen uns, dass du dich mit deinem Anliegen an uns wendest und ich hoffe ich kann dir weiterhelfen.


Grundsätzlich gilt, solange du keine Kündigung erhalten hast, bist du weiter angestellt. Ab einer Krankheit von mehr als 6 Wochen zahlt dir die Krankenkasse ein Krankengeld und dein Ausbilder zahlt keine Entgeltfortzahlung mehr, aber dazu später mehr.

Es ist sehr ungewöhnlich, dass deine Kontaktversuche zu deinem Ausbilder ignoriert werden. Grundsätzlich wurde ja ein Vertrag geschlossen, den kann man nicht einfach „ghosten“. Wenn du außerhalb der Probezeit bist, kannst du als Azubi nur unter ganz bestimmten strengen Bedingungen gekündigt werden (Straftaten im Betrieb, unentschuldigtes Fehlen etc.). Aber auch in diesem Fall müsste man dir eine schriftliche Kündigung (Brief! Keine Mail oder Nachricht) zukommen lassen. Ohne schriftliche Kündigung kann diese nicht wirksam werden.

Sollte sich daran nichts ändern, solltest du dringend Kontakt zu deiner Gewerkschaft aufnehmen.

Nun aber ein paar Infos zu deiner Krankschreibung:

Wenn du krank bist, hast du Anspruch auf Vergütungsfortzahlung im Krankheitsfall (§ 3 Entgeltfortzahlungsgesetz). Erst wenn du länger als 6 Wochen krank bist, bekommst du Krankengeld von deiner Krankenkasse. Die Krankenkasse zahlt 70 Prozent der regelmäßig erzielten Bruttoausbildungsvergütung (das ist der Betrag ohne Abzüge), jedoch nicht mehr als 90 Prozent der letzten Nettoausbildungsvergütung (das ist der Betrag, der auf deinem Konto eingeht). Das Krankengeld ist einschließlich Vergütungsfortzahlung auf 78 Wochen innerhalb von drei Jahren beschränkt.

Wenn du sehr lange krankgeschrieben bist, kann dein*e Arbeitgeber*in den medizinischen Dienst der Krankenkasse einschalten. Der überprüft dann die Diagnose deines Arztes oder deiner Ärztin.

Wenn du durch zu hohe Fehl- und Krankheitszeiten bis zur Anmeldung der Abschlussprüfung die vorgeschriebene Ausbildungszeit nicht abgeleistet hast, solltest du Kontakt zu deiner zuständigen Stelle (IHK / HK) aufnehmen und fragen, ob eine Zulassung nicht trotzdem möglich ist. Wenn dir nicht mehr als zehn Prozent (12-15 Wochen) an Ausbildungszeit fehlen hast du gute Chancen zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden und nicht verlängern zu müssen. Das mit den zehn Prozent ist übrigens eine Faustregel - kein Gesetz. Dabei sind auch immer Ausnahmeregelungen möglich.

Wenn du über einen längeren Zeitraum während deiner Ausbildungszeit arbeitsunfähig warst und du dich körperlich noch nicht fit genug fühlst wieder in Vollzeit deine Ausbildung durchzuführen, kann eine stufenweise Wiedereingliederung für dich das richtige sein.

Gesetzlich heißt es, dass für Arbeitnehmer*innen die innerhalb eines Jahres länger als sechs Wochen ununterbrochen oder wiederholt arbeitsunfähig sind ein betriebliches Eingliederungsmanagement sinnvoll sein kann und der*die Arbeitgeber*in hier die Initiative für das Betriebliche Eingliederungsmanagement zu ergreifen hat.

Ich rate dir im ersten Schritt mit deinem behandelnden Arzt oder deiner behandelnden Ärztin Kontakt aufzunehmen und ihm*ihr deinen gesundheitlichen Zustand und deine Situation am Arbeitsplatz zu schildern und nach seiner*ihrer Einschätzung zu fragen. Die Wiedereingliederung kann auf Anregen deines behandelnden Arztes oder deiner behandelnden Ärztin in die Wege geleitet werden. Sollte es einen Betriebsarzt oder eine Betriebsärztin geben kannst du dich auch an diesen Arzt oder diese Ärztin wenden. Während der Zeit der stufenweisen Wiedereingliederung bist du offiziell noch krankgeschrieben und erhältst in den meisten Fällen weiterhin Krankengeld von deiner Krankenkasse oder Leistungen von deiner Rentenversicherung. Die Dauer der Wiedereingliederung liegt in der Regel zwischen 6 Wochen und 6 Monaten und hängt von deinem individuellen Gesundheitszustand ab.

Ich rate dir dich auch an dein zuständiges Integrationsamt zu wenden und dir hier Unterstützung zu holen.

Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch jederzeit an deine Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

ver.di – Büro Hannover

Goseriede 12

30159 Hannover

Tel.: 0511/12400-0

E-Mail: service.nds-hb@verdi.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

Außerdem könntest du dich an eine*n Ausbildungsberater*in der Kammer/Innung wenden und mit ihm*ihr ein persönliches Gespräch vereinbaren, denn die sind dafür da, die Ausbildung in den Betrieben zu kontrollieren.

Viel Erfolg! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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