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Dr. Azubi

RE: Prüfung trotz Kündigung ohne Grund

Sehr geehrter D.Azubi, 

ich bin so Traurig und Verwirrt,  dass ich habe absolut keine Ahnung was ich machen soll. Bitte um Ihre Hilfe.

ich wurde im 3te Ausbildungsjahr am 01.12.2023 ordentlih gekündigt. Der Kündigung ist ohne grund,  und mit frist bis 31.12.2023 geschrieben. ( Berufsfreigestelt)

Ich bin noch nich angemeldet für Abschlussprüfung zu schreiben.

Die frage ist:

Ob ich ohne betrieb, in der nächste Jahre zur Prüfung angemeldet und Abschliessen werden kann?

Oder wie komme ich in diesem Situation Ordentlich und Richtig umgen?

Freue mich auf baldige Antwort von Ihnen.


Vielen Danke im Voraus

Liebe Grüsse

Jonas

 

RE: RE: Prüfung trotz Kündigung ohne Grund

Hallo Jonas!

Vielen Dank für deine Nachricht im Forum, wir freuen uns dass du dich mit deinem Anliegen an uns wendest, auch wenn der Grund dafür sicherlich nicht zum freuen ist.

Es ist sehr schade, dass dein Betrieb dich so kurz vor deiner Abschlussprüfung kündigt. Das ist sehr ungewöhnlich. Es besteht die große Wahrscheinlichkeit, dass die Kündigung deines Ausbilders rechtswidrig ist.

Du schreibst, dass du eine ordentliche Kündigung mit einer vierwöchigen Kündigungsfrist erhalten hast.

Grundsätzlich ist es nicht möglich einem Azubi auf dem Wege der ordentlichen Kündigung zu kündigen. Auszubildende und deren Ausbildungsverhältnisse bilden da einen rechtlichen Sonderfall im Vergleich zu einem normalen Arbeitsverhältnis.

Wenn also wirklich nur eine ordentliche Kündigung ohne eine Begründung gegenüber dir ausgesprochen wurde, müsste diese rechtswidrig und anfechtbar sein.

Wenn du eine Kündigung erhältst, hat dies oft viele Gründe. Wir empfehlen dir, dringend, gegen die Kündigung vorzugehen. Auch dann, wenn du nicht mehr in den Betrieb zurück gehen möchtest. Handle schnell, denn du hast nur drei Wochen Zeit, etwas gegen die Kündigung zu unternehmen. Danach ist sie wirksam.

Hier die rechtlichen Grundlagen:

Nach der Probezeit ist eine Kündigung nur in absoluten Ausnahmefällen möglich. Das Berufsausbildungsverhältnis kann von deinem*r Ausbilder*in nur außerordentlich und fristlos (das heißt von heute auf morgen) gekündigt werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§ 22 Berufsbildungsgesetz).

Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

  • Häufiges Zu-Spät-Kommen in der Arbeit/Berufsschule

  • Urlaubsantritt ohne Genehmigung

  • Mehrmaliges unentschuldigtes Fehlen in der Arbeit/Berufsschule

  • Trotz Aufforderung nicht geführte schriftliche Ausbildungsnachweise (Berichtsheft)

  • nachgewiesener Diebstahl

  • Anwendungen von Gewalt und krasse Beleidigungen in Betrieb/Berufsschule

Selbst wenn diese Gründe vorliegen, muss man in deinem Fall noch genau prüfen, ob sie für eine fristlose Kündigung ausreichen. Unsere Erfahrung zeigt, dass fristlose Kündigungen oft nicht rechtens sind.

Bei leichten Pflichtverletzungen oder Vergehen ist eine fristlose Kündigung erst dann erlaubt, wenn du dein Verhalten nicht änderst, obwohl du von deinem Betrieb schon öfter eine Abmahnung dafür bekommen hast. Du musst deshalb normalerweise mindestens zwei Abmahnungen für das gleiche Vergehen (!) bekommen haben, bevor du gekündigt werden kannst. Es gibt hier aber keine generelle Regelung. Je nach Schwere des Pflichtverstoßes kann auch eine Abmahnung ausreichen.

Keine Kündigungsgründe sind:

  • Fehlerhafte oder schlechte Leistungen in Betrieb/Berufsschule

  • Krankheit

Eine Kündigung muss immer schriftlich sein. Die Gründe müssen dabei genau angegeben werden, sonst ist die Kündigung nicht wirksam.

Die Kündigung eines minderjährigen Azubis muss grundsätzlich auch gegenüber den gesetzlichen Vertreter*innen - im Allgemeinen also gegenüber den Eltern - erklärt werden.

Unabhängig vom Kündigungsgrund stehen dir nach der Kündigung alle Leistungen zu, die du dir bis zum Kündigungszeitpunkt erworben hast - insbesondere Restgehalt und Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen und ein Arbeitszeugnis.

Folgende Schritte solltest du so schnell wie möglich gehen:

  • Wende dich an deinen Betriebsrat (falls vorhanden)

  • Hole dir Rat und Unterstützung bei kompetenten Leuten. Als Gewerkschaftsmitglied gewährt dir deine Gewerkschaft Rechtsschutz bei einem Kündigungsschutzverfahren. Sie hilft dir auch dabei, Klage gegen die Kündigung zu erheben.

Hier ist ein Kontakt zu deiner örtlichen Gewerkschaft:

NGG – Gewerkschaft für Nahrung Genuss und Gaststätten

NGG – Büro Lübeck

Holstentorplatz 1 - 5

23552 Lübeck

Tel.: 0451 / 7907340

region.luebeck@ngg.net

www.ngg-luebeck.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

  • Als nächstes solltest du gemeinsam mit deiner Gewerkschaft möglichst schnell einen Antrag für ein Schlichtungsverfahren bei deiner zuständigen Kammer oder dem zuständigen Arbeitsgericht stellen. Sie leitet dann ein Schlichtungsverfahren ein.

  • Falls deine Klage Erfolg hat, du aber nicht mehr zurück in deinen Betrieb möchtest, kannst du dich jetzt schon mal um einen neuen Ausbildungsbetrieb kümmern. Wende dich an deine Berufsschulsozialarbeit, sie hilft dir dabei, wie es beruflich weitergeht. Für deine Bewerbung kannst du dir bei deiner Berufsschule einen aktuellen Notenstand besorgen.

Mehr Infos zur Bewerbung findest du hier: http://www.azubi-azubine.de/bewerbung

Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter https://www.arbeitsagentur.de oder https://www.meinestadt.de, oder https://www.ihk.de.

Schau auch in der Zeitung und in den Stellenportalen im Internet nach oder frag im Bekannt*innenkreis und an der Berufsschule. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn. Um deine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, kannst du auch Probe arbeiten.

Ich möchte nochmal erwähnen, dass du wirklich nur drei Wochen zeit hast, ab dem Moment des Zugangs der schriftlichen Kündigung auf Papier bei dir, um gegen die Kündigung vorzugehen. Wenn du in der Zeit keine Kündigungsschutzklage erhebst, wird die Kündigung wirksam, egal ob sie rechtmäßig war oder nicht. Dir bleiben nur noch einige Tage um zu handeln, du musst darfst daher keine Zeit verlieren und musst schnell handeln!

Zu deiner Prüfung möchte ich dir noch folgendes mitgeben. Es gibt die Möglichkeit, die Abschlussprüfung ohne Betrieb zu absolvieren, in sogenannter Externen-Abschlussprüfung.

Die Externen-Abschlussprüfung darf auch jede*r ablegen, der*die das Eineinhalbfache der Ausbildungszeit in dem entsprechenden Beruf gearbeitet hat und/oder durch Arbeitszeugnisse nachweisen kann, dass er*sie die Kenntnisse und Fertigkeiten erworben hat, die eine Zulassung zur Abschlussprüfung rechtfertigen (§ 45 Berufsbildungsgesetz). Auch Zeiten der Berufstätigkeit in einem ähnlichen Beruf können anerkannt werden. Mehr Informationen dazu gibt es bei der Agentur für Arbeit und bei der zuständigen Stelle (IHK, HWK).

Falls es nicht klappt in deinen Betrieb zurückkehren zu können, könntest du dich mal erkundigen, ob du als externer Prüfling zur Abschlussprüfung zugelassen werden könntest. Ob deine bisher verbrachte Ausbildungszeit dazu ausreicht (sprich: du in deinem jetzigen Betrieb kündigen oder einen Aufhebungsvertrag unterzeichnen könntest, weil du es dort nicht mehr aushältst), müsstest du bei der IHK/HWK erfragen - das ist die entscheidungstragende Instanz. Grundsätzlich ist es so, dass man in seiner Ausbildung etwa 10% Fehlzeiten (12-15 Wochen) haben darf, um zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden. Aber das mit den 10% ist eine Faustregel - kein Gesetz. Dabei sind auch immer Ausnahmeregelungen möglich.

Der Nachteil, die Abschlussprüfung als externer Prüfling abzulegen, ist übrigens, dass du die Prüfungsgebühren selbst tragen musst und dich selbstständig frühzeitig zur Abschlussprüfung anmelden musst. Außerdem ist es natürlich nicht ideal als externer Prüfling in die Prüfung zu gehen, wenn du noch wichtige Dinge für das Bestehen der Abschlussprüfung lernen müsstest. Und: Wenn du kündigst, giltst du unter Umständen als mitschuldig am Verlust deines Arbeitsplatzes und riskierst eine Sperre des Arbeitslosengeldes.

Grundsätzlich ist die IHK/HWK übrigens auch dafür da, die Ausbildungsqualität in den Betrieben zu kontrollieren. Da könntest du die Missstände in deinem Betrieb also auch mal ansprechen.

Viel Erfolg! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

Hier kannst du Mitglied einer Gewerkschaft werden: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

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