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Dr. Azubi

Ausbildung pausieren wegen Krankheit

Hallo,

ich habe eine Frage, die mir sehr am Herzen liegt und erhoffe mir durch diese tolle Seite vielleicht etwas Hilfe. Und zwar bin ich gerade im 2. Lehrjahr in meiner PIA-Ausbildung und muss jetzt aus gesundheitlichen Gründen nach mehreren Arztgesprächen die Ausbildung pausieren. Ich falle ab dem 18.12.2023 nun ins Krankengeld und werde im Februar eine ambulante Therapie machen und eine stationäre Therapie steht auch noch an, da ist es noch unsicher, wann mein Aufenthalt beginnt. Jetzt habe ich Angst, dass mein Krankengeld durch die Pausierung wegfällt. Meine Berufsschule kann mich bis zu einem Jahr pausieren aber der Betrieb muss mich in dieser Zeit abmelden, da die dann jemand Neues suchen müssen, weil sie sonst unterbesetzt sind. Ich habe echt Angst, bald mit 0€ dazustehen. Kümmere mich schon, dass ich irgendwo arbeiten kann aber das gestaltet sich schwierig, wenn man so lange zwischendurch ausfällt. Vielleicht könnt ihr da helfen oder habt eine Idee zu einem Kontakt? Ich möchte mir nämlich nicht ins eigene Fleisch schneiden, wenn ich bei meiner Krankenkasse anrufe.

Liebe Grüße!

RE: Ausbildung pausieren wegen Krankheit

Hallo lieber Azubi,

schön, dass Du dich an Dr. Azubi wendest.

Seine Gesundheit sollte man ernst nehmen, deshalb ist es sehr gut, dass Du dich um deine Gesundheit kümmerst, sie ist dein wichtigstes Gut!

Eine "Ausbildungspause" oder Unterbrechung gibt es im wörtlichen Sinne zwar nicht, aber du kannst dich selbstverständlich krankschreiben lassen und so erst einmal aussetzen, denn wenn du krankgeschrieben bist, bist du krankgeschrieben. Daher hast du dich vollkommen korrekt verhalten, indem du dich erst einmal um deine Gesundheit kümmerst.

Wenn du krank bist, hast du Anspruch auf Vergütungsfortzahlung im Krankheitsfall (§ 3 Entgeltfortzahlungsgesetz). Erst wenn du länger als 6 Wochen krank bist, bekommst du Krankengeld von deiner Krankenkasse. Die Krankenkasse zahlt 70 Prozent der regelmäßig erzielten Bruttoausbildungsvergütung (das ist der Betrag ohne Abzüge), jedoch nicht mehr als 90 Prozent der letzten Nettoausbildungsvergütung (das ist der Betrag, der auf deinem Konto eingeht). Das Krankengeld ist einschließlich Vergütungsfortzahlung auf 78 Wochen innerhalb von drei Jahren beschränkt. Die 78 Wochen werden allerdings ab dem ersten Tag der Krankmeldung gezählt. Außerdem darf die Zeit der Krankschreibung nicht unterbrochen werden. Du musst also schauen, wenn eine krankmeldung ausläuft, du ohne Unterbrechung eine neue bekommst.

Worauf du dich zudem gefasst machen solltest, wenn du sehr lange krankgeschrieben bist, ist, dass dein*e Arbeitgeber*in den medizinischen Dienst der Krankenkasse einschalten kann. Der überprüft dann die Diagnose deines Arztes oder deiner Ärztin. Das ist aber keine Schikane oder Druckausübung, sondern ganz normale Routine. Zudem unterliegt der Arzt oder die Ärztin der Krankenkasse natürlich auch der ärztlichen Schweigepflicht und darf deinem*deiner Arbeitgeber*in nur mitteilen, ob du arbeitsfähig bist oder nicht.

Wenn du durch zu hohe Fehl- und Krankheitszeiten bis zur Anmeldung der Abschlussprüfung die vorgeschriebene Ausbildungszeit nicht abgeleistet hast, solltest du Kontakt zu deiner zuständigen Stelle (IHK / HK) aufnehmen und fragen, ob eine Zulassung nicht trotzdem möglich ist. Wenn dir nicht mehr als zehn Prozent (12-15 Wochen) an Ausbildungszeit fehlen hast du gute Chancen zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden und nicht verlängern zu müssen. Das mit den zehn Prozent ist übrigens eine Faustregel - kein Gesetz. Dabei sind auch immer Ausnahmeregelungen möglich.

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft. Als Gewerkschaftsjugend kämpfen wir Tag für Tag für gute Ausbildung, höhere Löhne, Umverteilung und Bildungsgerechtigkeit. Kurz: Für eine solidarische und antifaschistische Gesellschaft. Zusammen sind wir stärker – werde Mitglied!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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