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Dr. Azubi

Meine Ausbildung fing so gut an und jetzt ist sie der Horror !

Hallo, 

ich stehe kurz vor meinen Abschlussprüfungen und meine Ausbilder machen mir es wirklich nicht leicht. ich habe über 80 fehltage. 2 Wochen Corona ( da hat mich mein Chef persönlich nachhause geschickt) und 2 Wochen zahn op. So wäre ich bei eigentlich 50 krankheitstagen. Und das wäre ja tolerant. Ich werde  schnell krank und komme trotzdem wenn ich total erschöpft bin zur Arbeit. 

Ich kümmere mich unter anderem um den Fuhrpark dieses Unternehmens. Heißt ich prüfe Rechnungen führe selbstständig Übernahmen durch und mache die Akten. Ich konnte oft einen Dienstwagen nutzen um beispielsweise zur Arbeit zu kommen wenn die Bahn ausfällt. Letztens durfte ich seitens meines Ausbilders auch damit zur Berufsschule. 

nun wurde ich abgemahnt, weil meine Ausbilderin mich in dem Firmenwagen beim tanken gesejen hat. Ich habe den Wagen wohl gestohlen. Obwohl ich mich bei der Tabelle sogar eingetragen habe und ein air Tag auch drin ist. Außerdem habe ich den Wagen wieder zurück gebracht und erst am nächsten Tag fiel denen ein mich abzumahnen. Ich war total am heulen und habe die Abmahnung unterschreiben müssen . 

was könnt ihr mir raten ? Ist meine Zulassung wirklich gefährdet. Ich leide unter Angstzuständen und kann an nichts anderes mehr denken . 

RE: Meine Ausbildung fing so gut an und jetzt ist sie der Horror !

Hallo! 

Vielen Dank für deine Nachricht im Forum! Wir freuen uns,  dass du dich mit deinem Anliegen an uns wendest, auch wenn der Grund dafür sicherlich nicht zum freuen ist. 

Dass du für ein Verhalten abgemahnt wirst, dass dir vorher so gestattet wurde, wenn ich das richtig verstehe, das klingt tatsächlich nicht sehr rechtmäßig. 

Es ist daher gut, dass du dir Rat einholst, wenn du das Gefühl hast in deiner Ausbildung wird schlecht mit dir umgegangen!

Damit die Abmahnung formal richtig ist, muss ganz genau drinstehen, welche Pflichtverletzung dir zum Vorwurf gemacht wird. Außerdem muss dir eine Abmahnung auch immer die Kündigung androhen, falls du deine Leistung oder dein Verhalten nicht änderst.
Es gibt eine Faustregel, die besagt, dass der Kündigung eines*einer Azubi*s mindestens zwei Abmahnungen vorausgehen müssen (Ausnahme: Bei groben Vergehen wie zum Beispiel Diebstahl kann auch ohne Abmahnung gekündigt werden). Per Gesetz hat der*die Ausbilder*in nämlich „erzieherische Pflichten“, was im Klartext bedeutet, dass du erst mal durch die Abmahnung die Chance bekommst, dazuzulernen. Deshalb muss die Abmahnung auch relativ bald nach deiner Pflichtverletzung ausgesprochen werden, also nicht zum Beispiel ein Jahr später, denn dann kannst du ja nichts mehr ändern!

Wann ist eine Abmahnung nicht gerechtfertigt? Zunächst mal dann, wenn sie inhaltlich falsch ist und du die Sache ganz anders siehst. Eine Abmahnung kann aber auch rechtlich ungerechtfertigt sein. Eine Abmahnung wegen schlechter Noten ist zum Beispiel in der Regel ungerechtfertigt, weil du nichts dafürkannst, wenn du in der Schule nicht gut bist, obwohl du den Unterricht besuchst und lernst. Auch ist es normal, dass Auszubildende (vor allem im ersten Ausbildungsjahr) Fehler machen, denn schließlich sind sie ja im Betrieb, um zu lernen.
Was kannst du tun, wenn die Abmahnung deiner Meinung nach ungerechtfertigt ausgesprochen ist? Dann kannst du eine Gegendarstellung schreiben.
Manchmal kann es aber auch klug sein, die Abmahnung einfach hinzunehmen und Gras über die Sache wachsen zu lassen, vor allem dann, wenn du dich grundsätzlich gut mit deinem*deiner Ausbilder*in verstehst. Nach frühestens eineinhalb Jahren verliert die Abmahnung dann ihre Gültigkeit, sie verjährt sozusagen. Achtung: Falls es plötzlich Abmahnungen hagelt, kann das ein Zeichen dafür sein, dass dein*e Ausbilder*in dich loswerden will und deine Kündigung vorbereitet. Dann solltest du dich umgehend bei deiner Gewerkschaft beraten lassen.

Generell ist es sehr ratsam, wenn sämtliche Abmachungen im Betrieb verschriftlicht sind. So zum Beispiel auch die Nutzungserlaubnis von Dienstwägen und damit einhergehend auch die Nutzungserlaubnis des Dienstwagens außerhalb der beruflichen Tätigkeiten. Solche Vereinbarungen über Dienstwägen sind sehr üblich und dienen allem voran der Klarheit für alle Beteiligten.

Auch aus diesem Grund solltest du dringend in Kontakt mit der ausbildenden Person suchen, welche dir ursprünglich die Nutzung erlaubt hat und mit ihr versuchen zu klären, wo der Fehler war der dir nun abgemahnt wurde. Schließlich wurde dir ja zumindest eine Art der Nutzung erlaubt. 

Was deine Zulassung zur Abschlussprüfung angeht, dazu habe ich folgende Infos für dich:

Wenn du durch zu hohe Fehl- und Krankheitszeiten bis zur Anmeldung der Abschlussprüfung die vorgeschriebene Ausbildungszeit nicht abgeleistet hast, solltest du Kontakt zu deiner zuständigen Stelle (IHK / HK) aufnehmen und fragen, ob eine Zulassung nicht trotzdem möglich ist. Wenn dir nicht mehr als zehn Prozent (12-15 Wochen) an Ausbildungszeit fehlen hast du gute Chancen zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden und nicht verlängern zu müssen. Das mit den zehn Prozent ist übrigens eine Faustregel - kein Gesetz. Dabei sind auch immer Ausnahmeregelungen möglich. 

Wenn du bei hohen Fehl- und Krankheitszeiten bis zur Anmeldung der Abschlussprüfung die vorgeschriebene Ausbildungszeit nicht abgeleistet hast und dir noch wichtige Ausbildungsinhalte fehlen, kann eine Verlängerung im Einzelfall auch sehr sinnvoll sein. Als Grundlage kannst du auch mal anhand deines Ausbildungsrahmenplans durchgehen, welche Ausbildungsinhalte dir aufgrund deiner Krankheitsphase noch fehlen.

Wenn du ein gutes Verhältnis zu deinem*deiner Ausbilder*in hast, kannst du ihn*sie auch mit ins Boot holen und ihr sucht eine gemeinsame Lösung. Bei einem Verlängerungsantrag wird die zuständige Stelle dann deine*n Ausbilder*in anhören und über die Verlängerung emitglied-werden

Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch jederzeit an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Insbesondere wenn sich die Situation rund um deine Abmahnung eskaliert und weiterhin Druck auf dich ausgeübt wird. Sollte es dazu kommen, das erneut eine fadenscheinige Abmahnung gegenüber dir ausgesprochen wird, dann setze dich unbedingt und unmittelbar mit deiner Gewerkschaft in Verbindung.

Hier ist ein Kontakt für dich:


Da kannst du anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.
Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden


Dies war ein Service deiner Gewerkschaft.

Als Gewerkschaftsjugend kämpfen wir Tag für Tag für gute Ausbildung, höhere Löhne, Umverteilung und Bildungsgerechtigkeit. Kurz: Für eine solidarische und antifaschistische Gesellschaft. Zusammen sind wir stärker – werde Mitglied!

Liebe Grüße
Dr. Azubi


P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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