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Dr. Azubi

Fehltage und unfähige Berufsschule

Guten Tag, ich bin an einer Berufsschule in Berlin.

Mein Betrieb ist ebenfalls in Berlin. Ich leiste dort gute Arbeit und mein Arbeitgeber weiß mich zu schätzen.

Die Berufsschule ist unfähig unorganisiert und alles was dort gelehrt wird, kann ich bereits. 

Ich habe ein Antrag auf verkürzung gestellt und gleichzeitig möchte ich diese Berufsschule nicht länger besuchen. Ich habe derzeit um die 30 Fehltage die sich größtenteils auf die Berufsschule beziehen. Ich sehe es nicht ein meine Zeit dort zu verschwenden wenn ich im Betrieb nützliche und lehrreiche Dinge tun kann. 

Wie schaffe ich es das ich mich von der Berufsschule befreien lassen kann und zur prüfung zugelassen werden bzw das mein Verkürzungsantrag bewilligt wird. 

Es kann doch nicht sein das eine Ausbildung an Zeit gemessen wird und nicht an können. Ich verschwende doch nicht mein Leben nur damit ich körperlich anwesend bin um namentlich auf einer Liste zu stehen "ja xy war anwesend".

RE: Fehltage und unfähige Berufsschule

Hallo Paul!

Vielen Dank für deine Anfrage! Das tut mir leid zu hören, dass du das Gefühl hast, in deiner Berufsschule nichts zu lernen. Es ist unter Umständen möglich, sich von der Berufsschulpflicht befreien zu lassen. Du solltest das auf jeden Fall zuerst mit deinem Betrieb absprechen und dann bei der Schule und der zuständigen Stelle, die deine Prüfung abnimmt, nachfragen. Es ist allerdings so: Wenn du eine duale Berufsausbildung machst, wirst du vom Betrieb für den Besuch der Berufsschule freigestellt. Wenn du also nicht zur Berufsschule gehst, musst du die Zeit im Betrieb ausgebildet werden. Die Berufsschulzeit gehört genauso zu deiner Ausbildungszeit wie die Zeit im Betrieb. Das heißt, wenn du dort fehlst, riskierst du, evtl. nicht zur Prüfung zugelassen zu werden. Du solltest die Schule deswegen unbedingt auch ernst nehmen. Ich kann dir leider keinen allgemeinen Leitfaden für die Befreiung von der Berufsschulpflicht geben, da schulische Angelegenheiten meistens auf Länderebene geregelt werden und wir dafür keine Expert*innen sind. Du kannst dich aber auf jeden Fall dazu bei deiner Gewerkschaft vor Ort beraten lassen. Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:

Ver.di
Köpenicker Straße 30
10179 Berlin
Tel.: 030/8866-6
E-Mail: service.bb@verdi.de

Da kannst du anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

Hier noch ein paar Infos zum Thema Verkürzung:

Dein Ausbildungsverhältnis kann aufgrund von Vorbildung verkürzt werden (§ 7, 8 Berufsbildungsgesetz). Die Bundesländer können dabei unterschiedliche Regelungen erlassen. In der Regel kannst du aber aus folgenden Gründen verkürzen:

1.     Falls du in demselben Beruf bereits Ausbildungszeit zurückgelegt hast, wird dir diese Zeit voll anerkannt. Auch Ausbildungszeiten in einem ähnlichen Beruf können teilweise anerkannt werden.

2.     Wenn du vor der Ausbildung eine Berufsfachschule besucht hast, kann dir das ganz oder teilweise auf deine Ausbildungszeit angerechnet werden.

3.     Auch aufgrund von allgemeinbildenden Schulabschlüssen kannst du die Ausbildung verkürzen:

  • Bei Realschüler*innen kann die Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzt werden.
  • Bei Abiturient*innen kann die Ausbildung um maximal 1 Jahr gekürzt werden
  • Bei Fachhochschulreife in der entsprechenden Fachrichtung ist eine Kürzung bis zu 2 Jahren möglich.

Es ist auch möglich, einen Antrag auf Verkürzung zu stellen, wenn zu erwarten ist, dass du das Ausbildungsziel in der gekürzten Dauer erreichen wirst (beispielsweise bei einer Teilzeitberufsausbildung). Die Verkürzung aufgrund von Vorbildung soll möglichst gleich beim Vertragsabschluss erfolgen. Sie muss aber spätestens so rechtzeitig beantragt werden, dass mindestens noch ein Jahr an Ausbildungszeit verbleibt.

Eine Verkürzung aufgrund von Punkt 1 erfolgt in der Regel automatisch durch die zuständige Stelle, trotzdem solltest du darauf achten. Eine Verkürzung nach Punkt 2 & 3 musst du gemeinsam mit deinem*deiner Ausbilder*in bei der zuständigen Stelle beantragen: Du brauchst also das Einverständnis deines*deiner Ausbilder*in. Ihr solltet den Antrag gleich zu Beginn der Ausbildung stellen. Es ist aber auch möglich, den Antrag noch im Verlauf der Ausbildung zu stellen. Die verkürzte Ausbildungszeit wird dann in deinen Ausbildungsvertrag eingetragen. Bei Fragen wende dich an die zuständige Stelle (siehe Stempel auf deinem Ausbildungsvertrag zum Beispiel IHK, oder Innung).

Achtung: Wenn dir aufgrund von Punkt 1 oder Punkt 2 deine Vorbildung auf die Ausbildungszeit angerechnet wird, wird die gekürzte Zeit in Bezug auf deine Ausbildungsvergütung als Ausbildungszeit gewertet, die du bereits verbracht hast. Im Klartext: Wenn du um ein Jahr verkürzt, beginnst du deine Ausbildung bereits im 2. Ausbildungsjahr und hast Anspruch auf die Vergütung des 2. Ausbildungsjahres! Wenn du nach Punkt 3 verkürzt, hast du keinen Anspruch auf die höhere Vergütung.

Wenn du überdurchschnittliche Leistungen während der Ausbildung - insbesondere in der Zwischenprüfung - erbringst, kannst du bei der zuständigen Stelle einen Antrag auf Ausbildungszeitverkürzung stellen (§ 45 Berufsbildungsgesetz). Für den Antrag reicht in der Regel die Note „gut“ (im Durchschnitt min. 2,49) in allen prüfungsrelevanten Fächern. Die zuständige Stelle befragt dann deine*n Ausbilder*in und die Berufsschule, ob sie dem Antrag zustimmen. Dann entscheidet die zuständige Stelle, und du erhältst einen Bescheid. Leider richten sich die Entscheidungen über eine Ausbildungszeitverkürzung oft nach der Meinung deines Ausbilders oder deiner Ausbilderin und dummerweise wollen Betriebe ihre besten Azubis selten früher ziehen lassen. Trotzdem: Falls du in der Zwischenprüfung überdurchschnittliche Ergebnisse hast, solltest du sofort den Antrag stellen! Gegen einen ablehnenden Bescheid kannst du gemeinsam mit deiner Gewerkschaft Widerspruch einlegen.

Die Abkürzungsmöglichkeiten können auch nebeneinander berücksichtigt werden. Du kannst also zum Beispiel zunächst aufgrund deiner Vorbildung verkürzen und dann noch einmal aufgrund überdurchschnittlicher Leistungen in der Zwischenprüfung. Allerdings sollten bestimmte Mindestzeiten einer Ausbildung nicht unterschritten werden.

  • Bei einer Regelausbildungszeit von 3,5 Jahren sollte die Ausbildung mindestens 24 Monate dauern.
  • Bei einer Regelausbildungszeit von 3 Jahren sollte die Ausbildung mindestens 18 Monate dauern.
  • Bei einer Regelausbildungszeit von 2 Jahren sollte die Ausbildung mindestens 12 Monate dauern.

Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft. Als Gewerkschaftsjugend kämpfen wir Tag für Tag für gute Ausbildung, höhere Löhne, Umverteilung und Bildungsgerechtigkeit. Kurz: Für eine solidarische und antifaschistische Gesellschaft. Zusammen sind wir stärker – werde Mitglied!

 

Liebe Grüße

Dr. Azubi          

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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