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Dr. Azubi

Umschulung: Abschlussprüfung -> taktischer Rückzieher?

Guten Tag,

meine Umschulung nähert sich dem Ende und meine Abschlussprüfungen stehen bevor. Ich hatte leider eine recht harte Zeit während der Umschulung (aus anderen Gründen) und habe u.a. wegen Depressionen ca. 20% Fehlzeit angehäuft.

Ich weiß vom Bildungsträger, dass dort eine klassische Verlängerung der Umschulung wohl nicht möglich sein wird und dann höchstens 6 Monate der erneute Gang zur Prüfung als externer Prüfling (gegen Gebühr) möglich ist.

Meine Option, da ich keinen schlechten Abschluss haben möchte, sehe ich jetzt im "taktischen rückzug", in dem ich schlicht vor der Prüfung zurücktrete oder mich alternativ auch absichtlich durchfallen lasse in den verschiedenen Prüfungsteilen. Das würde zunächst mal darin resultieren, dass das Ausbildungsverhältnis "Beendet ohne Abschluss" gilt. 
Theoretisch hätte ich dann ein halbes Jahr später trotzdem das Recht, noch mals als externer Prüfling anzutreten oder?

Könnte mir hier eventuell sogar der Kostenträger (bei mir die Afa) mit der Rückzahlung der Umschulkosten ankommen, da es irgendwie als "freiwilliger Abbruch" gewertet werden könnte?

Wie würde man das hier alles einschätzen?

RE: Umschulung: Abschlussprüfung -> taktischer Rückzieher?

Hallo!

Vielen Dank für deine Nachricht im Forum! Wir freuen uns, dass du dich mit deinem Anliegen an uns wendest und ich hoffe ich kann dir weiterhelfen.

Ich verstehe dein Anliegen und hoffe dass du deine Ausbildung so beenden kannst, dass du dich damit wohl fühlst!

Falls du noch keine Zulassung zur Abschlussprüfung erhalten hast, könnte es gut sein, dass du aufgrund der 20 % Fehlzeiten gar nicht erst zugelassen wirst.

Grundsätzlich ist es so, dass man in seiner Ausbildung etwa 10 % Fehlzeiten (12-15 Wochen) haben darf, um zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden. Aber das mit den 10 % ist eine Faustregel - kein Gesetz. Dabei sind auch immer Ausnahmeregelungen möglich.

Die Abschlussprüfung kann zwei Mal wiederholt werden (§ 37 Berufsbildungsgesetz). Daher wäre es schade einen Versuch nur für eine „Notenverbesserung“ zu verwenden. Vielleicht macht es Sinn, sich mit deiner zuständigen Kammer diesbezüglich in Verbindung zu setzen.

Wenn du durch die Abschlussprüfung gefallen bist, kannst du dein Ausbildungsverhältnis um ein halbes Jahr verlängern und am nächsten Prüfungstermin teilnehmen. Wenn du erneut durchfällst, kannst du deine Ausbildung noch einmal um ein halbes Jahr verlängern. Du kannst deine Ausbildung also insgesamt um ein Jahr verlängern und die Abschlussprüfung zweimal wiederholen (§§ 21, 37 Berufsbildungsgesetz). Es genügt, dass du deinen Willen zur Verlängerung des Ausbildungsverhältnisses vor Ablauf deines Ausbildungsvertrages deutlich äußerst. Wir empfehlen dir aber, es deinem*deiner Ausbilder*in schriftlich mitzuteilen!

Je nach Prüfungsordnung sind die Regelungen unterschiedlich: In einigen Fällen reicht es, wenn du nur den Teil oder das Fach der Prüfung wiederholst, indem du durchgefallen bist, in anderen Fällen musst du die gesamte Abschlussprüfung wiederholen. Was für dich gilt, kannst du entweder in deiner Ausbildungsordnung nachlesen oder dem Brief entnehmen, den die zuständige Stelle dir zuschickt, wenn du die Prüfung nicht bestanden hast.

Falls du im theoretischen Teil durchgefallen bist, wird es jetzt allerhöchste Zeit für die assistierte Ausbildung (AsA flex): Das ist kostenlose Nachhilfe für Azubis. Ein spezieller Unterricht und gegebenenfalls begleitende sozialpädagogische Betreuung tragen zum Abbau von Sprach- und Bildungsdefiziten bei und/oder fördern das Erlernen fachtheoretischer Kenntnisse und fachpraktischer Fertigkeiten. Frage einfach mal in deiner Berufsschule oder bei der Agentur für Arbeit nach.

Achtung: Falls du durchgefallen bist, musst du die Ausbildung nicht unbedingt verlängern. Du kannst auch das Ausbildungsverhältnis zum vertraglich vereinbarten Zeitpunkt auslaufen lassen und als externer Prüfling an der Abschlussprüfung teilnehmen. Der Nachteil: Wenn du kein Azubi mehr bist, darfst du häufig auch nicht mehr in die Berufsschule gehen und bekommst keine Nachhilfe (AsA flex) von der Agentur für Arbeit mehr gezahlt. Und auch BAB fällt dann weg. Falls du dich dafür entscheidest deine Ausbildung nicht zu verlängern kümmere dich frühzeitig um deine Anmeldung zur Abschlussprüfung bei der zuständigen Stelle (IHK, HWK)!

Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch jederzeit an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

ver.di – Bezirk Hamburg

Besenbinderhof 60

20097 Hamburg

Tel.: 040/890615-0

E-Mail: service.nord-hh@verdi.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft. Als Gewerkschaftsjugend kämpfen wir Tag für Tag für gute Ausbildung, höhere Löhne, Umverteilung und Bildungsgerechtigkeit. Kurz: Für eine solidarische und antifaschistische Gesellschaft. Zusammen sind wir stärker – werde Mitglied!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

Hier kannst du Mitglied einer Gewerkschaft werden: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

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