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Dr. Azubi

Müllentsorgung

Hallo, ich habe erneut ein Problem. 

Ich bin Auszubildendener im 3. Jahr als Kaufmann für Büromanagement in einer Bäckerei. 

Seit kurzem werden wir zwei Auszubildenden (1. Jahr) alleine mit der Müllentsorgung im Büro beauftragt. Ich habe es letztes Mal aus Zeitgründen, da ich mit Ausbildungsinhalten beschäftigt war, nicht geschafft und dafür Ärger bekommen. 

Allerdings habe ich hier im Forum gelesen, dass der Azubi nicht mit der Müllentsorgung beauftragt werden kann/soll, da es eine ausbildungsfremde Tätigkeit ist. Wäre es ein System, wo jeder im Büro z. B. im wöchentlichen wechsel für die Müllentsorgung zuständig ist, hätte ich kein Problem damit, aber nur die Azubis damit zu beauftragen den Müll zu entsorgen, halte ich für falsch, besonders den Ärger, den ich bekomme, wenn ich es mal nicht schaffe, weil ich mit Aufgaben beschäftigt bin. 

Zudem werde ich als Urlaubsvertretung eingesetzt und das wird ausgenutzt. Mitarbeiter lassen einfach arbeiten liegen, sodass ich in deren Urlaub alles nacharbeiten muss. Aber selber werde ich bis zur Prüfung im wahrscheinlich Juni nicht mehr als eine Woche am Stück Urlaub nehmen können. Ich hoffe die 15 Tage Resturlaub aus diesem Jahr und die 15 Tage Urlaub im nächsten Jahr zur Prüfungsvorbereitung nehmen zu können

(abzüglich je eine Woche in den Winterferien im Januar und Osterferien im April)

Gespräche führen leider zu nichts. Die anderen Mitarbeiter und Chefs sind nicht offen gegenüber Vorschläge. Laut den anderen Mitarbeitern darf ich keine Meinung haben und habe keinerlei Rechte. 

Meine Frage ist jetzt:

Kann ich ohne rechtliche Konsequenzen die Müllentsorgung in der Form wie oben beschrieben ablehnen? 

Und vielleicht gibt es einen Tipp, wie ich mit der Urlaubssituation umgehen kann? 

Vielen Dank für die Antwort

RE: Müllentsorgung

Hallo!

Vielen Dank für deine Nachricht im Forum! Wir freuen uns, dass du dich mit deinem Anliegen an uns wendest und ich hoffe ich kann dir weiterhelfen.

Grundsätzlich hast du Recht, das hast du vielleicht auch schon hier im Forum gelesen, ständig sich wiederholende Routinearbeiten dienen nicht dem Ausbildungszweck und müssen daher als ausbildungsfremde Tätigkeiten im Sinne des Gesetzes angesehen werden. Lass dir also nicht erzählen, du hättest keine Rechte! Es ist sehr stark von dir, dass du die Missstände erkennst und dich dagegen wehrst! Ich wünsche dir viel Kraft und hoffe du kannst deine Ausbildung in Ruhe und mit gewahrten Rechten abschließen! 
Hier nun die Infos für dich: 

Es ist so, für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz hier: http://www.bibb.de/de/berufesuche.php). Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein grober Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Der*die Ausbilder*in darf dir nur Arbeiten auftragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§14 Berufsbildungsgesetz). Leider passiert es relativ häufig, dass Auszubildende mit ausbildungsfremden Tätigkeiten beauftragt werden. Ausbildungsfremde Tätigkeiten (also Arbeiten, die nicht dem Ausbildungszweck dienen) sind z. B. regelmäßiges Putzen oder Botengänge. Alle diese Tätigkeiten sind verboten! Übrigens dienen auch unnötige Wiederholungen bereits gelernter Fähigkeiten – so genannte ausbildungsfremde Routinearbeiten – nicht dem Ausbildungszweck! Außerdem kann Ausbildung nur dann stattfinden, wenn am Ausbildungsplatz ein*e Ausbilder*in oder Ausbildungsbeauftragte*r anwesend ist, der*die dich ausbildet. Laut § 14 Abs. 1 Nr. 2 des Berufsbildungsgesetzes (BBIG) muss der*die Ausbildende selbst ausbilden oder eine*n Ausbilder* ausdrücklich damit beauftragen. Der*die Ausbilder*in oder die Person, die mit der Ausbildung beauftragt ist, muss dem*der Azubi Fragen beantworten und ihn*sie in Arbeitsvorgänge einweisen. Er*sie muss seine*ihre Arbeitsergebnisse kontrollieren und dafür sorgen, dass der Azubi alle wichtigen Ausbildungsinhalte erlernt. Daraus ergibt sich, dass er eigentlich immer anwesend sein muss. Der*die Azubi darf also nicht allein am Ausbildungsplatz sein oder nur in Gesellschaft von anderen Azubis, Praktikant*innen und Ungelernten, die als Ausbilder*in nicht geeignet sind. Dass du als Urlaubsvertretung für andere Kolleg*innen fungierst, kann also auch nur innerhalb dieser Bedingungen funktionieren.

Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 BBiG mit einem Bußgeld geahndet werden!

Hier sind ein paar Tipps für dich, was du unternehmen könntest:

  • Sprich die Situation bei deinem*deiner Chef*in an. Wenn kein Ausbildungsplan erstellt wurde, solltest du verlangen, dass dies so schnell wie möglich nachgeholt wird. Nenne deinem*deiner Ausbilder*in konkrete Inhalte, die bis jetzt fehlen und die du laut Ausbildungsrahmenplan schon können müsstest und mache ihn darauf aufmerksam, dass du seine Hilfe und sein Wissen brauchst, um deinen Beruf zu erlernen. Gehe positiv in das Gespräch und sage gleich zu Anfang, dass es dir nicht darum geht zu kritisieren, sondern vielmehr darum, deinen Beruf richtig zu lernen. Schalte außerdem (falls vorhanden) den Betriebsrat ein.

  • Falls sich nach dem Gespräch nichts ändert, solltest du den*die Ausbilder*in oder Betriebsinhaber*in noch einmal schriftlich an seine*ihre Pflichten erinnern. Hebe dir eine Kopie des Schreibens auf! Hier ist ein Musterbrief:

    • Sehr geehrte/r Frau/Herr…,

      laut § 14 Berufsbildungsgesetz darf der Ausbildungsbetrieb den Azubi nur mit Arbeiten beauftragen, die dem Ausbildungszweck dienen. Als Ausbilder*in/Meister*in sind Sie verantwortlich dafür, dass die Berufsausbildung entsprechend des Ausbildungsrahmenplans durchgeführt wird. Ich muss allerdings häufig auf Ihre Weisung hin ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten. Einige Beispiele:

      - [Bitte hier die ausbildungsfremden Tätigkeiten mit genauer Datums- und Zeitangeben aufführen.]

      Ich fordere Sie hiermit noch einmal schriftlich auf, solche Weisungen zu unterlassen und mache Sie darauf aufmerksam, dass Ihnen ein Bußgeld droht und Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich als Ausbilder*in nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten. Außerdem muss laut § 14 Berufsbildungsgesetz ein*e geeignete*r Ausbilder*in die Ausbildungsinhalte vermitteln.

      - Ich bin allerdings sehr häufig allein im Betrieb [Bitte Beispiele einfügen]

      - Es steht für mich allerdings kein*e Ausbilder*in bereit und es ist auch niemand ausdrücklich mit meiner Ausbildung beauftragt worden.

      Ich fordere Sie hiermit schriftlich auf, mir eine*n Ausbilder*in zur Verfügung zu stellen, mache Sie darauf aufmerksam, dass Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten.

      Mit freundlichen Grüßen,

      [Unterschrift Azubi]

  • Wenn auch das nichts bringt und sich deine Ausbildungssituation nicht verbessert, solltest du dich an deine Gewerkschaft vor Ort wenden und dir rechtliche Unterstützung holen. Hierzu gebe ich dir weiter unten einen Kontakt.

Um nochmal kurz auf deine Frage bezüglich des Urlaubs einzugehen, will ich dir auch hierzu einige Informationen geben.

Du hast einen Anspruch darauf, deinen Jahresurlaub im laufenden Kalenderjahr und zwei Wochen deines Jahresurlaubs am Stück und in einer berufsschulfreien Zeit zu nehmen (§ 7 Bundesurlaubsgesetz). Für Kalenderjahre, die du nicht voll arbeitest, hast du Anspruch auf anteiligen Urlaub. Die Übertragung des Urlaubes in das nächste Jahr ist nur aus wichtigen Gründen möglich. Nimmst du alten Urlaub mit in das neue Jahr, musst du den Urlaub in den ersten drei Monaten des neuen Jahres abbauen. Dies darf dir dein*e Arbeitgeber*in auch nicht verweigern. Wenn dies bis Ende März nicht möglich ist, musst du unbedingt einen schriftlichen Antrag auf Übernahme des Resturlaubs stellen, sonst verfällt dein Urlaubsanspruch.

Zudem sollte dein Urlaub zusammenhängend gewährt werden (§ 7 Bundesurlaubsgesetz). Der Urlaub darf nur aufgeteilt werden, wenn du das wünscht oder wenn dringende betriebliche Gründe dafürsprechen. Liegt der Urlaub in der Berufsschulzeit, muss dir für jeden Berufsschultag ein weiterer Urlaubstag gewährt werden.

Leider gibt es häufig Probleme mit dem Zeitpunkt des Urlaubs. Das Bundesurlaubsgesetz sagt dazu, dass du dich mit deinem*deiner Ausbilder*in auf den Urlaubszeitpunkt einigen musst (§ 7 Bundesurlaubsgesetz). In der Praxis heißt das: Du stellst einen Urlaubsantrag und dein*e Ausbilder*in darf dir den Urlaub nur dann verweigern, wenn wichtige soziale (zum Beispiel Vorrang von Mitarbeiter*innen mit Kindern), oder betriebliche Gründe (zum Beispiel feststehender Betriebsurlaub) dagegensprechen (§ 7 Bundesurlaubsgesetz). Wenn es also in deinem Betrieb festgelegte Betriebsferien gibt, musst auch du dich daranhalten. Aber häufig wird der Urlaub aus anderen Gründen verweigert wie zum Beispiel Personalmangel. Dieser Grund ist nur in Ausnahmesituationen rechtens, denn der reibungslose Ablauf des Betriebes sollte nicht davon abhängen, ob der*die Azubi da ist oder nicht.

Wenn du also deinen Urlaub planen willst, solltest du auf Nummer sicher gehen: Stelle einen schriftlichen Urlaubsantrag und bitte frühzeitig um mögliche Termine. Dein*e Ausbilder*in muss innerhalb von einem Monat auf deinen Antrag reagieren. Du solltest dir die Urlaubsgenehmigung für einen bestimmten Zeitraum unbedingt schriftlich geben lassen, so hättest du im Streitfall einen Nachweis und die Chancen stehen gut, dass du den Urlaub auch tatsächlich antreten kannst! Reagiert dein*e Ausbilder*in nicht innerhalb von einem Monat kannst du davon ausgehen, dass dein Urlaub genehmigt ist. Trotzdem musst du aufpassen, wenn sich der*die Ausbilder*in dann plötzlich quer stellt. Denn auch, wenn du dich im Recht fühlst, weil der Urlaub schon genehmigt war: Eigenmächtiger Urlaubsantritt ist Kündigungsgrund (§ 22 Berufsbildungsgesetz). In diesem Fall solltest du dich lieber an deine Gewerkschaft wenden und versuchen deinen Urlaubswunsch mit legitimen Mitteln durchzusetzen.

Hier ist ein Kontakt für dich:

ver.di – Landesbezirk NRW

Karlstraße 123-127

40210 Düsseldorf

Tel.: 0211/61824-0

E-Mail: lbz.nrw@verdi.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

Außerdem könntest du dich an eine*n Ausbildungsberater*in der Kammer/Innung wenden und mit ihm*ihr ein persönliches Gespräch vereinbaren, denn die sind dafür da, die Ausbildung in den Betrieben zu kontrollieren.

Viel Erfolg! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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