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Dr. Azubi

Krankschreibung und Kündigung - Was passiert dann?

Guten Tag, 

ich habe zum September meine Traumausbildung begonnen. Es hat sich herausgestellt, dass es eben doch nicht so traumhaft ist wie gedacht oder gewünscht. 

Eigentlich vergangene körperliche und vorallem mentale Probleme stärker wiedergekommen aufgrund von Ereignissen im Betrieb und unausreichender Zeit für mich selbst. Ich bin deswegen fest entschlossen mein Ausbildungsverhältnis zu beenden.

Ich bin seit ein paar Wochen krankgeschrieben, was meine Chefin nicht freut. Sie wirft mir vor nur so zu tun als wäre ich krank und setzt mich unter Druck. Sie hat mich jetzt erst darauf hingewiesen, dass in den ersten 6 Wochen der Ausbildung Krankheit nicht bezahlt wird. Stimmt das ? 

Die Kernfrage meiner Nachricht ist allerdings: Wenn ich kündige/gekündigt werde, was bin ich dann ? Bin ich arbeitslos oder nicht erwerbstätig ? Muss ich nach meiner Kündigung zum Arbeitsamt und mich arbeitslos melden oder nicht ? Wie lange habe ich dafür Zeit ?

Ich danke Dr. Azubi jetzt schon für eine Antwort. 

RE: Krankschreibung und Kündigung - Was passiert dann?

Hallo Fleddermauz!

Vielen Dank für deine Anfrage! Das tut mir ehrlich leid, dass die Ausbildung doch nicht so traumhaft ist, wie du dachtest. Es ist nicht ok, dass du unter Druck gesetzt wirst! Lass dich davon bitte nicht entmutigen. Du findest bestimmt noch das passende für dich!

Hier erstmal ein paar Infos zur Krankmeldung zu Beginn der Ausbildung:

Wenn du krank bist, hast du Anspruch auf Vergütungsfortzahlung im Krankheitsfall (§ 3 Entgeltfortzahlungsgesetz). Erst wenn du länger als 6 Wochen krank bist, bekommst du Krankengeld von deiner Krankenkasse. Die Krankenkasse zahlt 70 Prozent der regelmäßig erzielten Bruttoausbildungsvergütung (das ist der Betrag ohne Abzüge), jedoch nicht mehr als 90 Prozent der letzten Nettoausbildungsvergütung (das ist der Betrag, der auf deinem Konto eingeht). Das Krankengeld ist einschließlich Vergütungsfortzahlung auf 78 Wochen innerhalb von drei Jahren beschränkt.

Dieser Anspruch auf Entgeltfortzahlung (sog. Krankengeld und ähnliches) entsteht aber erst, nachdem man 4 Wochen ununterbrochen im Betrieb gearbeitet hat ( § 3 Entgeltfortzahlungsgesetz).

Das gilt allerdings nur für den Zeitraum von ununterbrochenen vier Wochen. Ab dann, also auch für den Rest der Probezeit hast du, ganz normal, Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall (§ 3 Entgeltfortzahlungsgesetz). Es kommt also dran an, ob du vier Wochen am Stück im Betrieb gearbeitet hast, bevor du krank wurdest.

Lass dich am Besten bei deiner Gewerkschaft beraten, ob du eigentlich Geld bekommen müsstest. Die können dir auch helfen, falls sich dein Betrieb weigert, obwohl sie dir was zahlen müssten.

Hier ein paar Infos zur Kündigung in der Probezeit (Achtung: danach gelten andere Regeln, hol dir am Besten die Hilfe von deiner Gewerkschaft):

Wenn du glaubst, dass sich deine Ausbildungssituation in deinem jetzigen Betrieb nicht verbessern wird, ist ein Ausbildungsplatzwechsel vielleicht wirklich die richtige Lösung für dich.

Ein Ausbildungsplatzwechsel ist kein Beinbruch, aber du solltest jetzt nichts überstürzen, sondern in Ruhe nach etwas Neuem suchen! Bei einem Ausbildungsplatzwechsel innerhalb der Probezeit gehst du am besten folgendermaßen vor:

1.     Bewirb dich ab sofort, denn solange du noch einen Ausbildungsplatz hast, sind deine Bewerbungschancen besser. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter https://www.arbeitsagentur.de oder https://www.meinestadt.de, oder https://www.ihk.de. Schau auch in den Stellenportalen im Internet nach sowie in der Zeitung und frag im Bekannt*innenkreis. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

2.     Sobald du was Neues hast -und erst dann! - kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist

3.     Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du innerhalb der Probezeit jederzeit fristlos und ohne Angabe von Gründen kündigen (§22 Berufsbildungsgesetz). Die Kündigung muss schriftlich erfolgen. Da es keine Frist einzuhalten gilt, endet das Ausbildungsverhältnis zu dem Zeitpunkt, der in der Kündigung angegeben ist. In der Regel sofort. Unabhängig von der Kündigungsart stehen dir nach der Kündigung alle Leistungen zu, die du dir bis zum Kündigungszeitpunkt erworben hast - insbesondere Restgehalt und Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen und ein Arbeitszeugnis.

Nach der Kündigung kannst du vielleicht auch rechtliche Rückendeckung gebrauchen, denn wenn ein*e Azubi kündigt, ist der*die Ausbilder*in oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.

Hier ist ein Kontakt für dich:

Ver.di Wiesbaden
Bahnhofstraße 61
65185 Wiesbaden
Tel.: 0611/18307-0
E-Mail: service.hessen@verdi.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat. Solltest du kein Einkommen haben (also keinen Ausbildungsvertrag) gibt es pauschale Beiträge.

4.     Dann setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

 

Es macht auf jeden Fall Sinn, sich schnell bei der Agentur für Arbeit zu melden. Vielleicht kannst du dort auch Unterstützung beantragen, wenn du keine Ausbildungsvergütung bekommst, bzw. sich die Zahlung noch hinzieht. Deine Gewerkschaft kann dich auch hierzu beraten.

Viel Erfolg! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

 

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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