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Dr. Azubi

Kommunikation

Hallo mein Name ist Marvin und ich habe folgendes Problem.

Mein Chef ist mehrmals verbal völlig daneben gewesen und setzt mich mit vielen Dingen sehr unter Druck. 
Da ich generell ein friedvoller Mensch bin, habe ich versucht vielen Dibgen aus dem Weg zu gehen. Allerdings habe ich jetzt aufgrund seiner Unterdruck Aktionen eine Abmahnung bekommen und habe von meinem Betrieb gesagt bekommen, dass ich Pech habe.

Dazu sollte ich erwähnen, dass ich bei einem großen Konzern angestellt bin aber in einer Art Ausbildubgsbetreuung in einer Agentur bin.

Nach der o.g. Abmahnung habe ich gesagt, dass ich auf gar keinen Unständen mit dem oben beschrieben Chef sprechen möchte.

Darf ich mich weigern mit ihm zu sprechen?

lg

Marvin

RE: Kommunikation

Hallo Marvin!

Vielen Dank für deine Anfrage! Das tut mir leid, dass du im Betrieb so unter Druck gesetzt wirst. Manchmal haben Menschen auch Vorurteile und du bekommst dann was ab, wofür du gar nichts kannst. Das aber natürlich trotzdem nicht ok. Hier ein paar Infos zur Abmahnung:

Eine Abmahnung ist erst mal ein Schock und das soll sie auch sein! Eine Abmahnung soll dir deutlich zu verstehen geben, dass dein*e Ausbilder*in mit deiner Leistung oder deinem Verhalten nicht zufrieden ist. Damit die Abmahnung formal richtig ist, muss ganz genau drinstehen, welche Pflichtverletzung dir zum Vorwurf gemacht wird. Außerdem muss dir eine Abmahnung auch immer die Kündigung androhen, falls du deine Leistung oder dein Verhalten nicht änderst.

Es gibt eine Faustregel, die besagt, dass der Kündigung eines*einer Azubi*s mindestens zwei Abmahnungen vorausgehen müssen (Ausnahme: Bei groben Vergehen wie zum Beispiel Diebstahl kann auch ohne Abmahnung gekündigt werden). Per Gesetz hat der*die Ausbilder*in nämlich „erzieherische Pflichten“, was im Klartext bedeutet, dass du erst mal durch die Abmahnung die Chance bekommst, dazuzulernen. Deshalb muss die Abmahnung auch relativ bald nach deiner Pflichtverletzung ausgesprochen werden, also nicht zum Beispiel ein Jahr später, denn dann kannst du ja nichts mehr ändern! Bei minderjährigen Auszubildenden muss die Abmahnung auch den gesetzlichen Vertreter*innen (in der Regel deinen Eltern) zur Kenntnis gebracht werden.

Du solltest eine Abmahnung auf jeden Fall ernst nehmen und versuchen, deine Leistung oder dein Verhalten im angesprochenen Bereich zu verändern.

Wann ist eine Abmahnung nicht gerechtfertigt? Zunächst mal dann, wenn sie inhaltlich falsch ist und du die Sache ganz anders siehst. Eine Abmahnung kann aber auch rechtlich ungerechtfertigt sein. Eine Abmahnung wegen schlechter Noten ist zum Beispiel in der Regel ungerechtfertigt, weil du nichts dafürkannst, wenn du in der Schule nicht gut bist, obwohl du den Unterricht besuchst und lernst. Auch ist es normal, dass Auszubildende (vor allem im ersten Ausbildungsjahr) Fehler machen, denn schließlich sind sie ja im Betrieb, um zu lernen.

Was kannst du tun, wenn die Abmahnung deiner Meinung nach ungerechtfertigt ausgesprochen ist? Dann kannst du eine Gegendarstellung schreiben.

Manchmal kann es aber auch klug sein, die Abmahnung einfach hinzunehmen und Gras über die Sache wachsen zu lassen, vor allem dann, wenn du dich grundsätzlich gut mit deinem*deiner Ausbilder*in verstehst. Nach frühestens eineinhalb Jahren verliert die Abmahnung dann ihre Gültigkeit, sie verjährt sozusagen. Achtung: Falls es plötzlich Abmahnungen hagelt, kann das ein Zeichen dafür sein, dass dein*e Ausbilder*in dich loswerden will und deine Kündigung vorbereitet. Dann solltest du dich umgehend bei deiner Gewerkschaft beraten lassen.

Ich kann verstehen, dass du jetzt gar keine Lust hast, mit dem Chef zu sprechen. Vielleicht kann es aber auch eine Chance sein, dass ihr Missverständnisse aus dem Weg räumen könnt. Es wird sich wahrscheinlich nicht vermeiden lassen und du könntest dich darauf vorbereiten. Wenn du in das Gespräch gehst, bleib ruhig und sachlich.

  • Formuliere, worum es dir geht.
  • Sage klar, was dich stört. Verzichte aber auf Anklagen und bleibe bei dir und nenne Beispiele für Situationen, in denen deine Rechte nicht beachtet wurden.
  • Vermeide Verallgemeinerungen! Zum Beispiel. „Ich werde immer unter Druck gesetzt!“. Sage stattdessen konkret, wann du z.B. unter Druck gesetzt wurdest/dich schlecht behandelt gefühlt hast. Sage dabei auch, wie es dir mit der Situation geht.
  • Nenne deine Argumente und Verbesserungsvorschläge!
  • Fasse am Ende alle wichtigen Punkte, auf die ihr euch geeinigt habt, nochmal kurz zusammen. Und einigt euch auf weitere Schritte. Du kannst auch gleich einen Termin für ein weiteres Gespräch ausmachen, falls ihr nochmal sprechen müsst.

Du hast auch die Möglichkeit, dir Rückendeckung bei deiner Jugend- und Auszubildendenvertretung oder deinem Betriebsrat zu holen, falls es das bei dir im Betrieb gibt. Du kannst dir immer auch Unterstützung holen bei deiner Gewerkschaft. Gerade wenn sich Probleme abzeichnen, ist es sinnvoll, sich dort Hilfe und Beratung zu holen. Hier ist ein Kontakt für dich:

Ver.di Hanau
Am Freiheitsplatz 6
63450 Hanau
Tel.: 0661-9794-0
E-Mail:
service.hessen@verdi.de

Da kannst du anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüße und viel Erfolg für dein Gespräch!

Dr. Azubi          

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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