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Dr. Azubi

Aufhebungsvertrag

Hallo,

ich bin im 2. Lehrjahr. Im Sommer letzten Jahres wurde ich (außerhalb der Arbeit) körperlich angegriffen und seitdem bin ich krank geschrieben. Ich wurde in Folge des Angriffs auch operiert und bin körperlich seither leider nicht mehr 100% fit und kann die Arbeit im Betrieb wahrscheinlich auch nicht mehr uneingeschränkt machen. Nun hat mein Chef mich schon mehrmals aufgefordert, einen Aufhebungsvertrag zu unterzeichnen. Das möchte ich natürlich nicht. Jedoch ist die Stimmung mittlerweile so schlecht und das Vertrauen in den Betrieb für mich total weg, so dass ich da auch nicht mehr arbeiten will. Der Arbeitgeber will mich nicht mehr und ich möchte mittlerweile auch lieber woanders arbeiten. Aber den Aufhebungsvertrag will ich nicht unterzeichnen - lieber werde ich gekündigt. Welche Möglichkeiten habe ich jetzt? Was kann ich tun?

Vielen Dank im Voraus!

RE: Aufhebungsvertrag

Hallo Rakeb!

Vielen Dank für deine Anfrage! Das tut mir leid, dass du angegriffen wurdest. Das ist bestimmt schrecklich, dass du jetzt auch deine Ausbildung nicht mehr so weiter machen kannst, wie zuvor. Ich kann nachvollziehen, dass du nicht mehr in deinen Betrieb zurück willst, wenn du da so unter Druck gesetzt wirst. Das ist absolut nicht in Ordnung von deinem Chef! Du hast richtig entschieden, dem Druck nicht nachzugeben. Du solltest keinen Aufhebungsvertrag unterschreiben, wenn du das nicht willst! Wahrscheinlich weis dein Chef, dass er dich anders nicht (oder nur schwer) kündigen kann.

Nun aber erstmal ein paar Infos zu deiner Krankschreibung:

Wenn du krank bist, hast du Anspruch auf Vergütungsfortzahlung im Krankheitsfall (§ 3 Entgeltfortzahlungsgesetz). Erst wenn du länger als 6 Wochen krank bist, bekommst du Krankengeld von deiner Krankenkasse. Die Krankenkasse zahlt 70 Prozent der regelmäßig erzielten Bruttoausbildungsvergütung (das ist der Betrag ohne Abzüge), jedoch nicht mehr als 90 Prozent der letzten Nettoausbildungsvergütung (das ist der Betrag, der auf deinem Konto eingeht). Das Krankengeld ist einschließlich Vergütungsfortzahlung auf 78 Wochen innerhalb von drei Jahren beschränkt.

Wenn du sehr lange krankgeschrieben bist, kann dein*e Arbeitgeber*in den medizinischen Dienst der Krankenkasse einschalten. Der überprüft dann die Diagnose deines Arztes oder deiner Ärztin.

Wenn du durch zu hohe Fehl- und Krankheitszeiten bis zur Anmeldung der Abschlussprüfung die vorgeschriebene Ausbildungszeit nicht abgeleistet hast, solltest du Kontakt zu deiner zuständigen Stelle (IHK / HK) aufnehmen und fragen, ob eine Zulassung nicht trotzdem möglich ist. Wenn dir nicht mehr als zehn Prozent (12-15 Wochen) an Ausbildungszeit fehlen hast du gute Chancen zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden und nicht verlängern zu müssen. Das mit den zehn Prozent ist übrigens eine Faustregel - kein Gesetz. Dabei sind auch immer Ausnahmeregelungen möglich.

Nun zu deiner Frage wegen dem Aufhebungsvertrag:

Wie du bestimmt weißt, ist ein Aufhebungsvertrag keine Kündigung! Im Unterschied zur Kündigung kündigt beim Aufhebungsvertrag nicht eine Partei der anderen. Beim Aufhebungsvertrag lösen Azubi und Ausbilder*in das Ausbildungsverhältnis in gegenseitigem Einvernehmen auf. Im Klartext heißt das beide, Azubi und Ausbilder*in wollen das Ausbildungsverhältnis nicht fortsetzen. Ein Aufhebungsvertrag kann also nur zustande kommen, wenn sich Ausbilder*in und Azubi einig sind. Den Zeitpunkt der Vertragsauflösung können Azubi und Ausbilder*in dabei frei vereinbaren, es gibt also keine Fristen, die eingehalten werden müssen.

Bei einem von dir gewünschten Ausbildungsplatzwechsel kann ein Aufhebungsvertrag unter Umständen die einfachste Möglichkeit sein, wenn dein*e Ausbilder*in mit deinem Weggang einverstanden ist. Unterschreibe einen Aufhebungsvertrag aber nur, wenn du bereits einen neuen Ausbildungsvertrag hast oder ganz sicher bist, dass du in dem Betrieb nicht bleiben willst, denn wenn der Aufhebungsvertrag einmal freiwillig unterschrieben ist, kann man nichts mehr machen! Wenn du die Berufsausbildung aufgeben willst, ist in der Regel eine ordentliche Kündigung mit vier Wochen Frist wegen Berufsaufgabe besser.

Wenn eine Kündigung durch den*die Ausbilder*in nicht möglich ist, missbrauchen Ausbilder*innen manchmal leider den Aufhebungsvertrag, um eine*n Azubi loszuwerden. Dann heißt es plötzlich: "Entweder du unterschreibst den Aufhebungsvertrag oder ich kündige dir." In diesem Fall solltest du auf keinen Fall unterschreiben und dich schleunigst bei deiner Gewerkschaft beraten lassen. Was auch wichtig ist: Wenn du einen Aufhebungsvertrag unterschreibst, bist du mitschuldig am Verlust deines Ausbildungsplatzes. In diesem Fall kann dir bei einer folgenden Arbeitslosigkeit dein Arbeitslosengeld eine Zeitlang gesperrt werden! Außerdem kannst du gegen einen Aufhebungsvertrag - im Unterschied zu einer Kündigung durch den*die Ausbilder*in - keinen Widerspruch einlegen, da ja deine Zustimmung nötig war.

Wenn du deinen Ausbildungsplatz wechseln möchtest, kannst du dich nach einem neuen Betrieb umsehen und dich dort bewerben und wenn du was gefunden hast (und erst dann!) den Aufhebungsvertrag unterschreiben. Ich kann mir vorstellen, dass die Situation sehr anstrengend ist und möchte dir raten, dir Hilfe und Rückendeckung bei deiner Gewerkschaft zu holen. Die können dich auch beraten, und mit dir schauen, ob und wenn ja, welche Möglichkeiten du hast, um zum Beispiel deinen Ausbildungsplatz so um zu gestalten, dass du auch mit den körperlichen Problemen dort arbeiten kannst. Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:

IG Metall
Goethestr. 102
01587 Riesa
Telefon: +49 3525 51815 0
E-Mail: riesa@igmetall.de

Da kannst du anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

 

Liebe Grüße und für deine Gesundheit alles Gute!

Dr. Azubi          

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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