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Dr. Azubi

BAB Ablehnung wegen zu hohem Einkommen

Hallo Dr. Azubi,

 ich habe leider eine Ablehnung meines BAB Antrags bekommen.

Da ich aber alleine wohne und eine Miete von 570€ zahlen muss und Strom und nur ein Bruttoeinkommen von 1000€ habe, besteht die Möglichkeit aufstockenend Bürgergeld zu beantragen?

Oder gibt es noch andere Möglichkeiten der Unterstützung während der Dauer der Ausbildung?

RE: BAB Ablehnung wegen zu hohem Einkommen

Hallo!

Vielen Dank für deine Nachricht! Wir freuen uns, dass du dich mit deinem Anliegen an uns wendest und ich hoffe ich kann dir weiterhelfen.

Dass dein BAB-Antrag abgelehnt wurde ist natürlich super ärgerlich. Ich gebe dir mal alle Informationen zu verschiedenen Möglichkeiten Geld dazu zu bekommen. Auch zu BAB, vielleicht fällt dir etwas auf, dass es erklärt. Falls du der Meinung bist, dass die Ablehnung nicht rechtens ist, kann du innerhalb der Frist, welche in der Rechtmittelbekanntmachung stehen muss, Widerspruch gegen die Ablehnung einreichen. Rechtlich überprüfen, kann das für dich auch deine Gewerkschaft. Als Gewerkschaftsmitglied hast Anspruch auf Rechtsschutz, nicht nur in Arbeits-, sondern auch in Sozialrechts-Sachen. Ein Kontakt dazu, schreibe ich dir weiter unten rein. Hier erst einmal die Informationen zur Finanzierung:

Wenn du nicht mehr zu Hause wohnst, hast du neben deiner Ausbildungsvergütung folgende Möglichkeiten, für weitere Einnahmequellen:

  • Seit dem 01.01.2023 beträgt das Kindergeld 250,00 €. Das müssen dir deine Eltern überweisen, da du ja nicht mehr zu Hause wohnst. Weigern sich deine Eltern, kannst du bei der Familienkasse der Arbeitsagentur beantragen, dass dir dein Kindergeld direkt ausgezahlt wird.

  • Du kannst Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) beantragen. Die soll dir eine Ausbildung trotz knapper Finanzen ermöglichen. Diese Beihilfe ist ein pauschaler Zuschuss für den Lebensunterhalt. Dazu kommen noch die individuellen Fahrtkosten. In der Regel bekommst du aber nur einen Teil davon, da BAB an eine ganze Reihe von Bedingungen geknüpft ist:

  • gefördert wird in der Regel nur die erste Ausbildung

  • nur staatlich anerkannte Ausbildungen werden gefördert (betriebliche, sowie außerbetriebliche Ausbildungen), sowie berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen

  • du erhältst nur dann BAB, wenn du nicht mehr bei deinen Eltern wohnst

  • die finanzielle Situation deiner Eltern, die deines*deiner eventuellen Lebenspartners*Lebenspartnerin und dein Einkommen, sowie geltende Freibeträge werden bei der Berechnung von BAB berücksichtigt.

Um Berufsausbildungsbeihilfe zu bekommen, stellst du einen Antrag bei der Agentur für Arbeit. Diese verlangt dann eine ganze Reihe von Bescheinigungen – unter anderem deinen Mietvertrag. Antragsformulare erhältst du direkt bei der Agentur für Arbeit oder telefonisch unter 0800 4555500. Stelle deinen Antrag möglichst bald, denn BAB wird nicht rückwirkend gezahlt. Je später du den Antrag stellst, umso später gibt es auch Geld. Hier gibt es auch einen BAB-Rechner, wo du schon mal grob errechnen lassen kannst, ob und wie viel BAB dir zustehen würde: http://babrechner.arbeitsagentur.de/

Achtung: Es kann passieren, dass du kein BAB erhältst, weil deine Eltern die erforderlichen Auskünfte nicht geben. Oder du erhältst kein BAB, weil das Einkommen deiner Eltern zu hoch ist, aber sie zahlen dir keinen Unterhalt. In diesen Fällen kannst du trotzdem BAB erhalten. Wende dich in diesem Fall an deine Gewerkschaft. Hier ein Kontakt:

ver.di – Bezirk Köln

Hans-Böckler-Platz 9

50672 Köln

Tel.: 0221 48558-0

E-Mail: service-west.nrw@verdi.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst…

  • Wohngeld: Zunächst musst du BAB beantragen, denn einen Antrag auf Wohngeld kannst du nur dann stellen, wenn dir BAB „dem Grunde nach“ nicht zusteht, also z. B., wenn du deine zweite Ausbildung machst oder dein Ausbildungsberuf nicht staatlich anerkannt ist.

    Nur in diesem Fall haben volljährige Azubis, die am Ausbildungsort eine Wohnung gemietet haben und die Kosten für diese Wohnung selbst aufbringen müssen, gute Chancen Wohngeld zu erhalten. Den Wohngeldantrag musst du bei der zuständigen Wohngeldstelle der Gemeinde stellen, in welcher sich deine Wohnung befindet.

    Unter https://wohngeldantrag.de findest du alle wichtigen Informationen. Außerdem kannst Du dich bei der dazugehörigen kostenlosen Wohngeldberatung telefonisch informieren (die Telefonnummer findest du unter: https://www.online-beratungsstellen.de/soziales.html).

  • Arbeitslosengeld II: Auszubildende können bei ihrer zuständigen Agentur für Arbeit Arbeitslosengeld II (ALG II) bzw. Bürgergeld beantragen, wenn sie Probleme haben mit ihrer Vergütung über die Runden zu kommen.

  • Anspruch auf diese Leistungen haben generell Auszubildende oder Teilnehmer*innen an berufsvorbereitenden Maßnahmen, die nicht in Wohnheimen, oder in einem Internat bei voller Verpflegung untergebracht sind. Gleiches gilt für Auszubildende mit Behinderung, die für eine Berufsausbildung oder berufsvorbereitende Maßnahme SGB III – Leistungen zur Teilnahme am Arbeitsleben erhalten.

    Bitte beachte, dass der Auszug aus dem Elternhaus vom zuständigen Jobcenter genehmigt werden muss, wenn du nicht schon vor Antragstellung ausgezogen bist, eigene Kinder hast, verheiratet bist, oder vorher deinen Lebensunterhalt selbst decken konntest, damit du Leistungen bekommen kannst.

Viel Erfolg! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

Hier kannst du Mitglied einer Gewerkschaft werden: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

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