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Dr. Azubi

Kündigung

Hallo,

ich habe gestern frislos gekündigt, weil mein Betrieb zum wiederholten Mal meine Vergütung nicht bezahlt hat. Kann ich mich, obwohl ich gekündigt habe meine Ausbildung an einem anderen Betrieb fortsetzen.

Vielen Dank

Peter

RE: Kündigung

Hallo Peter!

Vielen Dank für deine Anfrage! Ich kann verstehen, dass du deswegen ganz schön wütend warst und du bist ja auch auf das Geld angewiesen. Das geht nicht, dass dein Betrieb dich nicht ordentlich bezahlt. Ich möchte dir gerne ein paar allgemeine Infos zur fristlosen Kündigung mitgeben. Es gibt nämlich einiges zu beachten und so kannst du schauen, ob deine Kündigung wirksam ist und als fristlose Kündigung zählt. Das macht nämlich einen Unterschied für deinen Wunsch, die Ausbildung in einem anderen Betrieb weiter zu führen. Dazu aber später noch ein paar Infos.

Außerordentliche und fristlose Kündigung:

Du kannst außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§ 22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

  • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz
  • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
  • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremden Tätigkeiten
  • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)
  • mehrmalige ausbleibende Ausbildungsvergütung
  • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, entzogen wird oder er gar keine besitzt
  • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist
  • Systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)

Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbilder*inneneignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. sexuelle Belästigung) dann kannst du sofort unter Angaben der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. ausbildungsfremde Tätigkeiten), dann musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern.

Achtung: Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich und deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Wenn deine Gründe für die fristlose Kündigung nicht ausreichen, hat dein Betrieb auch die Möglichkeit Schadensersatzansprüche innerhalb von drei Monaten nach Beendigung gegen dich geltend zu machen.

Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen: Wenn der*die Azubi kündigt, ist der*die Ausbilder*in leicht verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht, zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen. Dein*e Ausbilder*in kann grundsätzlich innerhalb von drei Wochen Widerspruch gegen die Kündigung einlegen, das kommt aber sehr selten vor: Wer will schon eine*n Azubi, der ganz offensichtlich keine Lust mehr hat, in dem Betrieb zu arbeiten und nicht besonders motiviert ist?

Nun zu deiner Frage wegen der Forstsetzung deiner Ausbildung:

Bei einer außerordentlichen Kündigung kannst du deine Ausbildung im neuen Betrieb fortsetzen. Wenn du allerdings (aus versehen) ordentlich gekündigt hast, weil zum Beispiel die Gründe nicht ausreichen oder du sie nicht Beweisen kannst oder ein Fehler in deiner Kündigung war etc. dann geht das eigentlich nur, wenn du deinen Beruf aufgeben möchtest.

Ich würde dir ganz dringend raten, dir Hilfe bei deiner Gewerkschaft zu holen. Die können sich das alles nochmal mit dir gemeinsam Anschauen und dir auch Helfen, alles zu bekommen was dir zusteht, zum Beispiel die Vergütung, die dir nicht bezahlt wurde. Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:

Ver.di Kaiserslautern
Richard-Wagner-Str. 1
67655 Kaiserslautern
Tel.: 0631 - 35 77 60-0
E-Mail:
bz.pfalz@verdi.de

Da kannst du anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

 

Liebe Grüße

Dr. Azubi          

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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