© DGB-Jugend

Dr. Azubi

Kündigung im 3. Lehrjahr

Guten Tag liebes Team,

und zwar hab ich eine Frage ich sehe mich absolut nicht mehr in dem Beruf in dem ich gerade eine Ausbildung tätige, heißt als Maler.

Daher will ich kündigen und dem Chef sagen das ich diesen Weg nicht mehr gehen möchte, nun weis ich aber nicht ob ich einfach so kündigen kann oder nicht und ob mir irgendwelche Zahlungen dann im Nacken stecken.

dazu habe ich morgen meine erste zwischenprüdung ( Theorie) und darauffolgende Woche die praktische, jetzt ist die Frage lohnt es sich überhaupt da rein zu gehen obwohl man sowieso kündigen will und wie erkläre ich das meinem Chef ohne das ich am Ende was zahlen muss oder der gleichen?

 Bitte um schnell Antwort vielen Dank 

mit freundlichen Grüßen 

RE: Kündigung im 3. Lehrjahr

Hallo Tolga!

Vielen Dank für deine Anfrage! Das tut mir leid, dass dir deine Ausbildung nicht gefällt. Auch wenn du kündigen möchtest, kannst du nicht einfach wegbleiben von deiner Ausbildung. Es ist so: Jede*r hat ein Grundrecht auf freie Berufswahl - das steht in der deutschen Verfassung. Deshalb hast du immer die Möglichkeit, mit einer Frist von vier Wochen zu kündigen, wenn du die Berufsausbildung aufgeben und/oder den Ausbildungsberuf wechseln willst (§ 22 Berufsbildungsgesetz). Es genügt, wenn zum Zeitpunkt der Kündigung der ernsthafte Wille zur Berufsaufgabe oder zum Berufswechsel vorliegt. Das bedeutet aber nicht, dass du die Ausbildung in diesem Beruf nie wieder fortsetzen kannst. Du kannst deine Meinung auch wieder ändern, dich erneut bewerben und die Berufsausbildung in demselben oder in einem anderen Betrieb fortsetzen. Zum Zeitpunkt der Kündigung muss aber der ernsthafte Wille zur Berufsaufgabe vorliegen und du solltest diese Kündigung nicht verwenden, wenn du nur den Ausbildungsplatz wechseln willst. Wenn du ordentlich kündigst aber nur den Ausbildungsplatz wechseln willst und dein ehemaliger Betrieb dahinterkommt, kann er dich unter Umständen auf Schadensersatz verklagen. Zudem kann es zu Problemen mit der zuständigen Kammer beim Eintragen deines neuen Ausbildungsverhältnisses kommen.

Unabhängig von der Kündigungsart stehen dir nach der Kündigung alle Leistungen zu, auf die du dir einen Anspruch erworben hast, zum Beispiel Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen, Arbeitszeugnis. Überlege dir die Kündigung gut. Kündige nie in Situationen, in denen du unter Druck gesetzt wirst! Hier findest du eine Vorlage für eine ordentliche Kündigung:

[Adresse Azubi]

[Adresse Betrieb]

[Ort/Datum]

 

Betreff: Ordentliche Kündigung

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit kündige ich mein Ausbildungsverhältnis nach § 22 Abs. 2 Nr. 2 Berufsbildungsgesetz mit vier Wochen Frist zum…[Datum eintragen, das in vier Wochen sein wird], weil ich meine Berufsausbildung aufgeben will.

 

Mit freundlichen Grüßen

[Unterschrift Auszubildende*r]

[Unterschrift der Sorgeberechtigen bei minderjährigen Auszubildenden]

Gerade bei Kündigungen bekommen Auszubildende oft nicht, was ihnen noch zusteht, zum Beispiel Urlaubstage oder ein Arbeitszeugnis. Du solltest dir deswegen auf jeden Fall Hilfe bei deiner Gewerkschaft vor Ort suchen. Hier ist ein Kontakt für dich:

IG BAU
Lückstraße 72/73
10317 Berlin 
Tel.: 030 206206 - 0
E-Mail: berlin@igbau.de

Da kannst du anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüße

Dr. Azubi          

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

RE: Krankschreibung trotz Kündigung ( Aufhebungsvertrag )

Guten Tag liebes Team

meine frage wäre wenn ich am Prüfungstag mich krankschreibe, mich daraufhin am folgetag heißt der Mittwoch mich mit dem Chef treffe und ich in der Ausbildung Kündige ( einen Aufhebungsvertrag) abschließe bin ich dann eine Woche später noch verpflichtet eine Krankschreibung nachzureichen?

wenn ja welche Möglichkeiten gebe es ?

wenn nein was können für "Strafen" auf mich zu kommen?

mit freundlichen Grüßen 

RE: Kündigung im 3. Lehrjahr

Hallo Tolga!

Vielen Dank für deine Anfrage! Zunächst mal vorweg: Ein Aufhebungsvertrag ist keine Kündigung! Im Unterschied zur Kündigung kündigt beim Aufhebungsvertrag nicht eine Partei der anderen. Beim Aufhebungsvertrag lösen Azubi und Ausbilder*in das Ausbildungsverhältnis in gegenseitigem Einvernehmen auf. Im Klartext heißt das beide, Azubi und Ausbilder*in wollen das Ausbildungsverhältnis nicht fortsetzen. Ein Aufhebungsvertrag kann also nur zustande kommen, wenn sich Ausbilder*in und Azubi einig sind. Den Zeitpunkt der Vertragsauflösung können Azubi und Ausbilder*in dabei frei vereinbaren, es gibt also keine Fristen, die eingehalten werden müssen.

Das heißt also, den Endpunkt deiner Ausbildung legen du und dein*e Arbeitgeber*in gemeinsam fest. Bis zur Beendigung deiner Ausbildung musst du dich ganz regulär krank melden. Das bedeutet:

Wenn du wegen Krankheit nicht in der Lage bist zur Ausbildung zu erscheinen, musst du das deinem Betrieb noch am gleichen Tag vor Arbeitsbeginn mitteilen. Du musst ihm auch mitteilen, wie lange du voraussichtlich arbeitsunfähig sein wirst. Den Grund deiner Erkrankung musst du nicht angeben. An Berufsschulen werden unterschiedliche Regelungen angewendet. Dein*e Klassenlehrer*in sagt dir, wie und wann du dich krank zu melden hast. Wenn du davon nichts weißt, gilt auch hier: Vor Beginn des Schultages im Sekretariat anrufen und Bescheid sagen. Achtung: Auch wenn du in der Berufsschule fehlst, musst du dich im Betrieb krankmelden!

Wenn du länger krank bist, musst du deinem*deiner Ausbilder*in ab dem vierten Tag eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen. Dein*e Ausbilder*in hat das Recht, die ärztliche Bescheinigung immer schon ab dem ersten Tag zu verlangen. Das kann er*sie dir entweder mündlich mitteilen oder schriftlich mit dir vereinbaren.

Beim Arzt oder bei der Ärztin erhältst du dann zwei Zettel. Einer ist für den*die Arbeitgeber*in bestimmt, den zweiten Zettel schickst du an deine Krankenkasse.

Bei Arbeitsunfähigkeit gilt also der Grundsatz: Dein*e Ausbilder*in muss immer wissen, wo du steckst. Also: Vor Arbeitsbeginn anrufen und Atteste frühzeitig abschicken. Falls es am Ausbildungsplatz kriselt und dir deine Arbeitsunfähigkeit zum Vorwurf gemacht wird, kannst du das Attest auch per Einschreiben schicken oder von jemandem persönlich bringen lassen. Dann hast du im Zweifelsfall einen Nachweis über deine fristgerechte Krankmeldung.

Ich bin mir nicht sicher, warum ihr einen Aufhebungsvertrag abschließt. Bitte unterschreibe einen Aufhebungsvertrag nur, wenn du bereits einen neuen Ausbildungsvertrag hast oder ganz sicher bist, dass du in dem Betrieb nicht bleiben willst, denn wenn der Aufhebungsvertrag einmal freiwillig unterschrieben ist, kann man nichts mehr machen! Wenn du die Berufsausbildung aufgeben willst, ist in der Regel eine ordentliche Kündigung mit vier Wochen Frist wegen Berufsaufgabe besser. Da du bereits am Ende der Ausbildung ist und dir nur die Prüfung zu fehlen scheint, beachte bitte, dass du deine Ausbildung verlängern könntest, wenn du die Prüfung nicht bestehst. Dazu findest du ihr im Forum auch ein paar Infos oder du lässt dich am besten bei deiner Gewerkschaft beraten.

Wenn eine Kündigung durch den*die Ausbilder*in nicht möglich ist, missbrauchen Ausbilder*innen manchmal leider den Aufhebungsvertrag, um eine*n Azubi loszuwerden. Dann heißt es plötzlich: "Entweder du unterschreibst den Aufhebungsvertrag oder ich kündige dir." In diesem Fall solltest du auf keinen Fall unterschreiben und dich schleunigst bei deiner Gewerkschaft beraten lassen. Dasselbe gilt, wenn du den Aufhebungsvertrag bereits unter Druck unterschrieben hast. Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:

IG BAU Bezirksverband Berlin
Lückstraße 72/73
10317 Berlin
Tel.: 030 206206 – 0
E-Mail: berlin@igbau.de

Da kannst du anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüße

Dr. Azubi          

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

Neue Antwort

Die mit '*' gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.

Bist du in der Probezeit?*
Bist du Gewerkschaftsmitglied?*
Darf deine Telefonnummer oder deine E-Mail-Adresse an interessierte Journalist*innen für Hintergrundgespräche, Zitate oder Interviewanfragen weitergegeben werden?*
Über Antworten und Kommentare zu meiner Anfrage im Forum möchte ich per E-Mail informiert werden.*