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Dr. Azubi

Berufsschule - Freistellung aus persönlichen Gründen

Hallo zusammen, 

ich habe folgende Frage:

Meine Eltern sind beide schwer krank. Derzeit geht es meiner Mutter leider nicht besser, da sie erst vor kurzem die Diagnose Gehirn Tumor erhalten hat. Auch an anderen Organen hat sich der Krebs ausgebteitet. Ihr Wunsch ist es mit meinem Vater und mir im Februar in ihr Heimatland zu fliegen um ihre Familie zu besuchen. Im Februar habe ich wegen der Berufsschule nur die Möglichkeit, 1 Woche frei zu nehmen. Innerhalb 1 Woche können meine Eltern aus Überanstrengungen nicht 12 Stunden hin und zurück fliegen. Dazu muss ich auch hier meinen Eltern pflegen, da beide ohne meine Unterstützung nicht fliegen können. Aus diesem Grund benötige ich 2 Wochen Urlaub für diese Reise... Ist es hier möglich, dass ich mich dafür für 2 Berufsschultage freistellen kann? Entscheidet das der Betrieb/ die Berufsschule, oder geht das rein vom Gesetzt her nicht?

Danke für eure Hilfe!

RE: Berufsschule - Freistellung aus persönlichen Gründen

Hallo lieber Azubi, 

schön, dass du dich an Dr. Azubi gewendet hast. Dies musst du individuell mit deinem Ausbilder*innen abklären. 

Erst einmal vorweg: es ist nicht in Ordnung, dass du in deinem Betrieb so unter Druck gesetzt wirst und du dir Sorgen um die Reaktionen deines Chefs oder deiner Chefin machen musst, denn wenn du krank bist, bist du krank! Jede*r kann krank werden und es dürfen keine negativen Folgen daraus resultieren. Für die Dauer und den Zeitpunkt kannst du ja nichts. Blöde Kommentare darüber oder versuchte Druckausübung seitens deines Chefs oder deiner Chefin sind nicht in Ordnung, aber es ist natürlich schwierig das abzustellen. Letztendlich zahlt dein*e Chef*in selbst drauf, weil es nachgewiesenermaßen die Fehlzeiten erhöht, wenn kranke Mitarbeiter*innen nicht positiv begrüßt werden, wenn sie an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

Wenn du die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen hast, wenn du krankgeschrieben wirst, kannst du dich nicht erholen und dein gesundheitlicher Zustand wird immer schlimmer. Ich kann gut verstehen, dass das für dich die Hölle ist. Du darfst dich aber auf keinen Fall unter Druck setzen lassen – es gibt nichts, was dir vorgeworfen werden kann.

Nun aber ein paar Infos zu deiner Krankschreibung:

Wenn du krank bist, hast du Anspruch auf Vergütungsfortzahlung im Krankheitsfall (§ 3 Entgeltfortzahlungsgesetz). Erst wenn du länger als 6 Wochen krank bist, bekommst du Krankengeld von deiner Krankenkasse. Die Krankenkasse zahlt 70 Prozent der regelmäßig erzielten Bruttoausbildungsvergütung (das ist der Betrag ohne Abzüge), jedoch nicht mehr als 90 Prozent der letzten Nettoausbildungsvergütung (das ist der Betrag, der auf deinem Konto eingeht). Das Krankengeld ist einschließlich Vergütungsfortzahlung auf 78 Wochen innerhalb von drei Jahren beschränkt.

Wenn du sehr lange krankgeschrieben bist, kann dein*e Arbeitgeber*in den medizinischen Dienst der Krankenkasse einschalten. Der überprüft dann die Diagnose deines Arztes oder deiner Ärztin.

Wenn du durch zu hohe Fehl- und Krankheitszeiten bis zur Anmeldung der Abschlussprüfung die vorgeschriebene Ausbildungszeit nicht abgeleistet hast, solltest du Kontakt zu deiner zuständigen Stelle (IHK / HK) aufnehmen und fragen, ob eine Zulassung nicht trotzdem möglich ist. Wenn dir nicht mehr als zehn Prozent (12-15 Wochen) an  ganzen Ausbildungszeit fehlen hast du gute Chancen zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden und nicht verlängern zu müssen. Das mit den zehn Prozent ist eine Faustregel - kein Gesetz. Dabei sind auch immer Ausnahmeregelungen möglich.

Bitte wende dich an deine Gewerkschaft und lass dich dort beraten. Dann bist du in guten Händen, falls wirklich etwas passiert.

Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch jederzeit an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

Verdi Sitz des Landesbezirks Baden-Württemberg
Theodor-Heuss-Straße 2 / Haus 1
70174 Stuttgart

Tel.: 0711 - 88788-7
Fax: 01805 - 83734329920
E-Mail: lbz.bawue@verdi.de

Da kannst du anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

 

Liebe Grüße

Dr. Azubi               

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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