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Dr. Azubi

Depression und Ausbildung

Hallo,

Ich habe leider ein großes problem. Erstmal etwas zu mir. Ich leide seit ungefähr 4 Jahren an einer Mittelschwere Depression und an einer generalierten Angststörung mit klinik Aufenthalten etc... Durch Therapie und anderen Maßnahmen ging es mir die letzten Monaten jedoch besser was mir hoffnung gemacht hat. Antidepressiva nehme ich immer noch. Ich habe 2023 meinen Realabschluss mit Q vermerkt gemacht. Abi hätte ich mental leider nicht geschafft.

Nun bin ich seit dem 01.08.2023 in der Ausbildung zum Anlagenmechaniker SHK. Ich gehe 2 mal die Woche zur Schule und die restlichen 3 Tage bin ich Betrieb. Die arbeit macht mir Spaß und meine kollegen sind alle total nett. Was mir jedoch sorgen macht ist die Schule. Leider leide ich unter schulangst (prüfungsängste, soziale phobie) in der extremen Form. Ich dachte es sei besser geworden aber als ich vor 2 Wochen wieder in die Schule ging, fühlte ich mich garnicht gut. Ich hatte unzählige panik Attacken und kann nichtmal denn Bus  nehmen ohne eine panik attacke zu bekommen. Ich habe nur noch Rückschläge(selbstverletzung etc)was meine Depression betrifft, und schlafe dementsprechend nur noch. Ich arbeite und gehe direkt schlafen. Es ist wie meine damalige Depression, nur noch  schlimmer. Ich weiß nicht was ich machen soll.

Ich könnte die Ausbildung schaffen, aber dann word es mir absolut beschissen gehen, wobei ich nicht weiß ob ich das überlebe, da mir sowiso schon alles sinnlos erscheint.

Die andere möglichleit wäre, ich breche die Ausbildung ab und lasse mich erstmal krankschreiben um mich auf mich zu konzentrieren.

Was würdet ihr tun?

Ich bin auch seit 3 Jahren in Therapie, aber ich wollte einfach mal andere Meinungen hören.

-Roslyn

RE: Depression und Ausbildung

Hallo Roslyn!

Danke für deine Anfrage! Deine Situation klingt enorm belastend und es tut mir leid, dass es dir schlecht geht. Wenn du akut Suizidgedanken hast, solltest du darüber unbedingt mit deiner Therapeutin bzw. deinem Therapeuten sprechen oder dich bei der psychiatrischen Notambulanz in deiner Nähe wenden (zum Beispiel: LWL-Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik Paderborn, in Notfällen ist rund um die Uhr ein*e Arzt/Ärztin erreichbar; Kontakt über die Pforte der Klinik unter 05251/295-0). Außerdem gibt es eine Telefonhotline, an die du dich jederzeit wenden kannst und über deine Ängste sprechen kannst: 116 123 (das ist die „Nummer gegen Kummer“).

Jede*r kann krank werden und es dürfen keine negativen Folgen daraus resultieren. Für die Dauer und den Zeitpunkt kannst du ja nichts. Deine psychische und physische Gesundheit ist dein wichtigstes Gut.Konzentriere dich erst einmal darauf, dass es dir bald wieder besser geht und mach dir keine Sorgen wegen deiner Ausbildung. Blöde Kommentare oder Druckausübungen von Seiten deines Betriebes sind nicht in Ordnung.

Eine "Ausbildungspause" oder Unterbrechung gibt es im wörtlichen Sinne zwar nicht, aber du kannst dich selbstverständlich krankschreiben lassen und so erst einmal aussetzen, denn wenn du krankgeschrieben bist, bist du krankgeschrieben. Daher hast du dich vollkommen korrekt verhalten, indem du dich erst einmal um deine Gesundheit kümmerst.

Wenn dein*e Arzt*Ärztin dich länger krankschreiben würde, damit du z. B. eine Therapie oder so machen könntest, hast du zunächst einmal Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall (§ 3 Entgeltfortzahlungsgesetz). Erst wenn du länger als 6 Wochen krank bist, bekommst du Krankengeld von deiner Krankenkasse.

Worauf du dich zudem gefasst machen solltest, wenn du sehr lange krankgeschrieben bist, ist, dass dein*e Arbeitgeber*in den medizinischen Dienst der Krankenkasse einschalten kann. Der überprüft dann die Diagnose deines Arztes oder deiner Ärztin. Das ist aber keine Schikane oder Druckausübung, sondern ganz normale Routine. Zudem unterliegt der Arzt oder die Ärztin der Krankenkasse natürlich auch der ärztlichen Schweigepflicht und darf deinem*deiner Arbeitgeber*in nur mitteilen, ob du arbeitsfähig bist oder nicht.

Ich verstehe, dass das in der Probezeit nochmal schwieriger ist, weil du leicht deinen Ausbildungsplatz verlieren kannst. Andererseits hast du noch nicht so viel Zeit „verloren“ und kannst nochmal anfangen mit deiner Ausbildung, wenn du dich besser fühlst. Ich kann dir diese Entscheidung leider nicht abnehmen, aber möchte dir raten, auf dich zu achten. Was eventuell auch eine Möglichkeit sein könnte, wäre deine Ausbildung in Teilzeit zu machen. Das würde allerdings nicht dein Problem mit der Angst vor der Berufsschule lösen.

Hier ein paar Infos zur Teilzeitberufsausbildung:

Das Berufsbildungsgesetz (§ 7a BBiG) sieht die Möglichkeit vor, eine Berufsausbildung in Teilzeit zu absolvieren. Dafür braucht es seit Anfang 2020 keinen gesonderten Grund mehr.

Bei der Teilzeitberufsausbildung kannst du deine wöchentliche betriebliche Ausbildungszeit auf bis zu 50 % reduzieren. Die Gesamtdauer deiner Teilzeitausbildung verlängert sich entsprechend, maximal um das Eineinhalbfache der „regulären“ Ausbildungsdauer.

Wenn du gute Leistungen erbringst oder aufgrund deiner Vorbildung, kannst du mit Einverständnis deines Betriebes, die Ausbildung verkürzen (§ 8 Abs.1 BBIG). So kannst du in Absprache mit deinem Betrieb versuchen, die automatische Verlängerung wegen Teilzeitausbildung einzuschränken.

Ein bis zwei Berufsschultage in Vollzeit würden zu der betrieblichen Ausbildungszeit noch hinzukommen. Das entspricht dann in etwa einer täglichen Arbeitszeit von bis zu 6 Stunden. Zu welchen Zeiten du in den Betrieb kommst, musst du mit deinem Betrieb absprechen.

Den Antrag auf die Teilzeitberufsausbildung müsstest du gemeinsam mit deinem Betrieb bei der zuständigen Stelle (siehe Stempel auf deinem Ausbildungsvertrag) stellen. Du hast also keinen Rechtsanspruch auf eine Teilzeitausbildung, sondern musst einen Betrieb finden, der dich in Teilzeit ausbilden möchte.

Als Teilzeit-Azubi erhältst du ganz normal eine Ausbildungsvergütung, welche jedoch entsprechend der wöchentlichen Arbeitszeit gekürzt wird (§ 17 Abs. 5 BBIG). Beim Arbeitsamt kannst du dich über ergänzende Leistungen informieren. Du hast eventuell Anspruch auf Berufsausbildungsbeihilfe.

Wie bereits gesagt, müsstest du aber dennoch zur Berufsschule gehen, wenn du dich für diesen Weg entscheidest.

So wie es dir geht mit deiner Angst, geht es mehr Menschen, als du denkst. Die Ursachen dafür sind sehr vielfältig. Es ist verständlich, dass du dich hilflos und überfordert fühlst. Es ist trotzdem toll, dass du trotz deiner schwierigen Situation, den Weg bis hierher gegangen bist! Darauf kannst du stolz sein.

Schulangst kannst duin den Griff bekommen. Wichtig ist, dass du deine Gefühle ernst nimmst. Den ersten Schritt zu einer Verbesserung hast du eh schon damit getan, dass du das Problem erkannt hast. Wichtig ist, dass du dir professionelle Hilfe suchst. Wende dich z.B. an deine Berufsschulsozialarbeit oder deine Beratungslehrer*innen. Sie können dir Stellen nennen, an die du dich wenden kannst, um dir helfen zu lassen.

Sprich mit Menschen, denen du vertraust, über deine Angst. Das können auch Lehrer*innen und Klassenkameraden*innen sein. Oft merkt man dann, dass man nicht alleine ist und bekommt gute Tipps. Vielleicht könnt ihr euch gegenseitig Mut machen.

Ich hoffe, ein paar der Ideen helfen dir für die Entscheidungsfindung. Wenn du noch Fragen zu deiner Ausbildung und deinen Möglichkeiten dafür hast, dann kannst du dich auch an deine Gewerkschaft vor Ort wenden. Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:

IG Metall
Bahnhofstr. 16
33102 Paderborn
Telefon: +49 5251 2016 0
E-Mail: paderborn@igmetall.de

Da kannst du anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

Ich wünsche dir alles Gute für deine Gesundheit und deine weitere Ausbildung - dass du dich bald wieder besser fühlst.

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

Hier kannst du Mitglied einer Gewerkschaft werden: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

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