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Dr. Azubi

Ausbildungvergütung

Hallo Dr. Azubi,

meine Azubikolleg*innen und ich haben eine FRage zur Ausbildungsvergütung, da wir befürchten, dass wir zu wenig erhalten! 

Laut IHK muss es jährlich eine Steigerung der Ausbildungsvergütung geben. Dabei wird die Mindetsausbildungsvergütung, die ja festgesetzt wurde seit 2020, mind. 550€ sein. Leider gibt die IHK keine Info darüber, ob es sich um den Brutto oder Netto handelt. 

Die Steigerung beträgt im 2. Jahr 18% und im 3. Jahr 35% von dem, was man im 1. Lehrjahr verdient hat. 

In meinem 1. Lehrjahr hatte ich mit steuerlichen Abzügen etwa 510€. In meinem 2. erhielt ich bis Dezember 581€ mit steuerlichen Abzügen. Seit Januar 2023 erhalte ich 579€ mit steuerlichen Abzügen. Wenn ich die 18% auf die 510€ verrechne, komme ich auf 601€. 

Bekommen wir zu wenig Ausbildungsvergütung oder müssen die 18% auf das Bruttogehalt verrechnet werden?

Vielen Dank für die Hilfe!!


RE: Ausbildungvergütung

Hallo lieber Azubi,

schön, dass du dich an Dr. Azubi gewendet hast. 

Die Höhe der Ausbildungsvergütung ist von Beruf zu Beruf sehr unterschiedlich. 

Leider gibt es zudem immer noch ziemliche Unterschiede zwischen Ost und West. Die Höhe deiner Ausbildungsvergütung ist in deinem Ausbildungsvertrag geregelt. Die Ausbildungsvergütung muss mit den Ausbildungsjahren ansteigen (§ 17 Berufsbildungsgesetz). Häufig sind die Ausbildungsvergütungen in einem Tarifvertrag festgelegt.

Wichtig: Bei deiner Gewerkschaft kannst du erfragen, ob es für deinen Ausbildungsberuf einen bindenden Tarifvertrag gibt. Aber auch, wenn für deinen Ausbildungsbetrieb kein Tarifvertrag gilt, muss deine Ausbildungsvergütung mindestens 80 Prozent der in deiner Branche üblichen tariflichen Vergütung betragen. Wenn du Mitglied in einer Gewerkschaft bist, klagt sie die Ausbildungsvergütung für dich ein. Kümmere dich frühzeitig darum, denn oft kann man die Vergütung nur für einen bestimmten Zeitraum rückwirkend einfordern! 

Als Orientierungshilfe bieten wir dir folgendes: https://www.bibb.de/de/12209.php


Ausbildungsverträge ab 01.01.2020

Die Höhe deiner Ausbildungsvergütung ist in deinem Ausbildungsvertrag geregelt. 

Die Ausbildungsvergütung muss mit den Ausbildungsjahren ansteigen (§ 17 Berufsbildungsgesetz). Häufig wird die Höhe der Ausbildungsvergütung in einem Tarifvertrag festgelegt. Wenn kein Tarifvertrag existiert, darf dein Betrieb die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung nicht unterschreiten. 

Am 01.01.2020 wurde die Mindestausbildungsvergütung, für alle neu abgeschlossene Ausbildungsverträge, verpflichtend eingeführt. Sie regelt die Untergrenzen an Ausbildungsvergütung, die ein Betrieb nicht unterschreiten darf. 

Sie wird bis 2023 in mehreren Stufen eingeführt. Ab 2024 wird sie jährlich nach der Entwicklung der durchschnittlichen Ausbildungsvergütungen der beiden vorausgegangenen Kalenderjahre angepasst. Konkret darf dein Betrieb folgende Vergütungen nicht unterschreiten: 

Jahr des Ausbildungs-beginns

1. Ausbildungsjahr

2. Jahr
(+18% im Vergleich zum 1. Jahr)

3. Jahr
(+35% im Vergleich zum 1. Jahr)

4. Jahr
(+40% im Vergleich zum 1. Jahr)

Jahr 2020

515,00 Euro

607,70 Euro

695,25 Euro

721,00 Euro

Jahr 2021

550,00 Euro

649,00 Euro

742.50 Euro

770,00 Euro

Jahr 2022

585,00 Euro

690,30 Euro

789,75 Euro

819,00 Euro

Jahr 2023

620,00 Euro

731,60 Euro

837,00 Euro

868,00 Euro

Jahr 2024

x = 620,00 Euro 

+ durchschnitt-

liche Steigerung 

der Vergütungen 

zwischen 2022 

und 2023 + 

Auf- und Abrun-

dungsregel

x + 18 %

x + 35 %

x + 40 %

Für die Höhe der Mindestausbildungsvergütung, ist das Datum deines Ausbildungsbeginns entscheidend für die Vergütungshöhe im zweiten und dritten Lehrjahr. Beginnst du beispielsweise, die Ausbildung am 01.09.2021 erhältst du im ersten Lehrjahr 550 €, im zweiten 649 € und im dritten Lehrjahr 742,50 €. 

Wichtig: Bei deiner Gewerkschaft kannst du erfragen, ob es für deinen Ausbildungsberuf einen bindenden Tarifvertrag gibt. Aber auch, wenn für deinen Ausbildungsbetrieb kein Tarifvertrag gilt, muss deine Ausbildungsvergütung mindestens 80 Prozent der in deiner Branche üblichen tariflichen Vergütung betragen. Dies gilt auch, wenn die Mindestausbildungsvergütung darunter liegt. Wenn du Mitglied in einer Gewerkschaft bist, klagt sie die Ausbildungsvergütung für dich ein. Kümmere dich frühzeitig darum, denn oft kann man die Vergütung nur für einen bestimmten Zeitraum rückwirkend einfordern! 

Als Orientierungshilfe bieten wir dir folgendes: https://www.bibb.de/de/12209.php

Die Mindestausbildungsvergütung darf nur in zwei Fällen unterschritten werden: 

Wenn du eine Teilzeitausbildung machst, dann kann deine Vergütung prozentual entsprechend der Kürzung deiner Arbeitszeit angepasst werden. 

Wenn es einen bindenden Tarifvertrag für dein Betrieb gibt, der niedriger ist, als die Mindestausbildungsvergütung, dann gilt dieser.

Jetzt Gewerkschaftsmitglied werden!

Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat. Solltest du kein Einkommen haben (also keinen Ausbildungsvertrag) gibt es pauschale Beiträge. Ein Kontakt in deiner Nähe ist:

Verdi Sitz des Landesbezirks Niedersachsen/Bremen
Goseriede 10
30159 Hannover

Tel.: 0511/12400-0
Fax: 0511/12400-150
E-Mail: service.nds-hb@verdi.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

 

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