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Dr. Azubi

7 Tage Woche & Feiertag

Sehr geehrtes Team,

ich arbeite seit nun 3 Jahren in der Floristik, 2 Jahre davon als Azubine, habe eine 5 Tage woche mit 40 Stunden Arbeitszeit, die durch zu kurzen Öffnungszeiten nicht eingehalten werden können.

Schon vor dem ersten Lehrjahr arbeitet ich selbstständig und alleine in einem Nebengeschäft und machte von Bestellungen, Kundenberatung bis hin zur Buchführung alles was dazu gehört. Der Umgang mit meiner Chefin ist freundschaftlich und angenehm aber vermehrt fühle ich mich ungerecht behandelt. Während sie immer früher geht, wegen ihrem grade eingeschulten Kind, bin ich die erste im Laden und die letzte die geht. Arztbesuche in der Arbeitszeit werden ungerne gesehen und mit Druck auf Arbeit bestraft.

Durch Crorona & Insolvenz vieler Blumenläden stehen ich und meine Chefin seit nun 5 Wochen unter Strom. Es gibt wenig Erholung, die Nerven liegen von Tag zu Tag mehr blank und der Druck nimmt nicht ab. Nun steht der Muttertag vor der Tür, einer der stressigsten Feiertage in unserer Branche. Ich wurde eingeteilt die komplette Woche (7 Tage am Stück) mit durch zu arbeiten und bekomme lediglich 2 Tage davon in der nächsten Woche frei, obwohl ich 2 Tage mehr arbeite als in meinem Vertrag steht, einer der Tage auch noch ein Feiertag ist und somit die Stunden doppelt angerechnet werden.

Seit den 5 Wochen im Dauerstress leide ich unter Schlafstörungen, schmerzendem Rücken, Knien und Füßen und Stimmungsschwankungen im privaten Leben. Trotz mehrfachem Versuch an ihr Gewissen zu appellieren auf unsere seelische und körperliche Gesundheit zu achten findet keine Besserung statt.

Was für Rechte und Möglichkeiten habe ich meine Gesundheit nicht weiter auf's Spiel zu setzen und was steht mir zu, wenn ich 7 Tage am Stück arbeite und einer davon ein Feiertag ist?

RE: 7 Tage Woche & Feiertag

Hallo lieber Azubi, 

schön, dass du dich an Dr. Azubi gewendet habe. 

Jeder kann krank werden und es dürfen keine negativen Folgen daraus resultieren. Für die Dauer und den Zeitpunkt kannst du ja nichts. Deine psychische und physische Gesundheit ist dein wichtigstes Gut. Die Ursachen von psychischem Stress können sehr unterschiedlich sein: zu hohe Arbeitsbelastung, Druck am Arbeitsplatz, Unterforderung bis hin zu fehlender Anerkennung von Vorgesetzten oder private Probleme. Aber auch Mobbing, Gewalt oder sexuelle Belästigung am Ausbildungsplatz können Auslöser psychischer Belastung sein.

Nicht selten sind Bauchschmerzen, Schlafstörungen oder Energieverlust bis hin zu Depressionen und Burnout Folgen von psychischem Stress. Aber nicht jedes Unwohlsein ist gleich ein Indiz für eine psychische Belastung. 

Wenn die Symptome über einen längeren Zeitraum auftreten, solltest du die Warnsignale ernst nehmen und dir Hilfe von einem fachlich qualifizierten Arzt holen. Konzentriere dich erst einmal darauf, dass es dir bald wieder besser geht und mach dir keine Sorgen wegen deiner Ausbildung. Blöde Kommentare oder Druckausübungen von Seiten deines Betriebes sind nicht in Ordnung.

Erst einmal vorweg: es ist nicht in Ordnung, dass du in deinem Betrieb so unter Druck gesetzt wirst und du dir Sorgen um die Reaktionen deines Chefs machen musst, denn wenn du krank bist, bist du krank! Jeder kann krank werden und es dürfen keine negativen Folgen daraus resultieren. Für die Dauer und den Zeitpunkt kannst du ja nichts. Blöde Kommentare darüber oder versuchte Druckausübung seitens deines Chefs sind nicht in Ordnung, aber es ist natürlich schwierig das abzustellen. Letztendlich zahlt dein Chef selbst drauf, weil es nachgewiesenermaßen die Fehlzeiten erhöht wenn kranke Mitarbeiter nicht positiv begrüßt werden, wenn sie an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

Wenn du die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen hast, wenn du krankgeschrieben wirst, kannst du dich nicht erholen und dein gesundheitlicher Zustand wird immer schlimmer. Ich kann gut verstehen, dass das für dich die Hölle ist. Du darfst dich aber auf keinen Fall unter Druck setzen lassen – es gibt nichts, was dir vorgeworfen werden kann.

Nun aber ein paar Infos zu deiner Krankschreibung:

Wenn du krank bist, hast du Anspruch auf Vergütungsfortzahlung im Krankheitsfall (§ 3 Entgeltfortzahlungsgesetz). Erst wenn du länger als 6 Wochen krank bist, bekommst du Krankengeld von deiner Krankenkasse. Die Krankenkasse zahlt 70 Prozent der regelmäßig erzielten Bruttoausbildungsvergütung (das ist der Betrag ohne Abzüge), jedoch nicht mehr als 90 Prozent der letzten Nettoausbildungsvergütung (das ist der Betrag, der auf deinem Konto eingeht). Das Krankengeld ist einschließlich Vergütungsfortzahlung auf 78 Wochen innerhalb von drei Jahren beschränkt.

Wenn du sehr lange krankgeschrieben bist, kann dein Arbeitgeber den medizinischen Dienst der Krankenkasse einschalten. Der überprüft dann die Diagnose deines Arztes.

Wenn du durch zu hohe Fehl- und Krankheitszeiten bis zur Anmeldung der Abschlussprüfung die vorgeschriebene Ausbildungszeit nicht abgeleistet hast, solltest du Kontakt zu deiner zuständigen Stelle (IHK / HK) aufnehmen und fragen, ob eine Zulassung nicht trotzdem möglich ist. Wenn dir nicht mehr als zehn Prozent (12-15 Wochen) an Ausbildungszeit fehlen hast du gute Chancen zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden und nicht verlängern zu müssen. Das mit den zehn Prozent ist übrigens eine Faustregel - kein Gesetz. Dabei sind auch immer Ausnahmeregelungen möglich.

Bitte wende dich an deine Gewerkschaft und lass dich dort beraten. Dann bist du in guten Händen falls wirklich etwas passiert:

Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch jederzeit an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

Verdi Sitz des Landesbezirks Nord
Hüxstraße 1
23552 Lübeck

Tel.: 0451 8100-6
Fax: 0451 8100-888
E-Mail: service.nord-hh@verdi.de

Da kannst du anrufen, nach einem_einer Jugendsekretär_in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monate.

Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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