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Dr. Azubi

Minusstunden wenn man wegen Krankheit früher geht.

Hallo! 

Also es geht um folgendes. Ich bin Azubine im 1. Lehrjahr zur Kauffrau für Speditions-und Logistikdienstleistungen und habe sehr oft Migräne mit Übelkeit, das Gesicht fühlt teilweise taub an, und ich sehe dann auch schlecht. Leider Chronisch also kommt das echt oft vor. Wenn ich aber versuche mich auf die Arbeit zu zwingen mit starker Migräne und meine Kollegen mich wieder nach Hause schicken wollen, bekomme ich Minusstunden die ich aufgrund dadurch dass ich minderjährig bin nicht nacharbeiten kann. Diese Minusstunden bekomme ich nur dann nicht wenn ich eine AU besorge, weshalb ich aber schon ein Gespräch mit dem Chef führen musste da ich schon so viele (9 Stück davon 5 Stück von als ich während der Arbeitszeit gehen sollte aufgrund von unerträglicher Migräne) davon habe. Darf der Arbeitgeber mir wirklich wegen Krankheit Minusstunden geben und brauche ich wirklich immer eine AU wenn ich früher Heim geschickt werde?

RE: Minusstunden wenn man wegen Krankheit früher geht.

Hallo lieber Azubi, 

schön, dass du dich an Dr. Azubi gewendet hast. Du musst wenn du dich nicht Arbeitsfähig fühlst zum Arzt gehen und dir eine AU geben lassen, wenn dies der AG wünscht. 

Erst einmal vorweg: es ist nicht in Ordnung, dass du in deinem Betrieb so unter Druck gesetzt wirst und du dir Sorgen um die Reaktionen deines Chefs machen musst, denn wenn du krank bist, bist du krank! Jeder kann krank werden und es dürfen keine negativen Folgen daraus resultieren. Für die Dauer und den Zeitpunkt kannst du ja nichts. Blöde Kommentare darüber oder versuchte Druckausübung seitens deines Chefs sind nicht in Ordnung, aber es ist natürlich schwierig das abzustellen. Letztendlich zahlt dein Chef selbst drauf, weil es nachgewiesenermaßen die Fehlzeiten erhöht wenn kranke Mitarbeiter nicht positiv begrüßt werden, wenn sie an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

Wenn du die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen hast, wenn du krankgeschrieben wirst, kannst du dich nicht erholen und dein gesundheitlicher Zustand wird immer schlimmer. Ich kann gut verstehen, dass das für dich die Hölle ist. Du darfst dich aber auf keinen Fall unter Druck setzen lassen – es gibt nichts, was dir vorgeworfen werden kann.

Nun aber ein paar Infos zu deiner Krankschreibung:

Wenn du krank bist, hast du Anspruch auf Vergütungsfortzahlung im Krankheitsfall (§ 3 Entgeltfortzahlungsgesetz). Erst wenn du länger als 6 Wochen krank bist, bekommst du Krankengeld von deiner Krankenkasse. Die Krankenkasse zahlt 70 Prozent der regelmäßig erzielten Bruttoausbildungsvergütung (das ist der Betrag ohne Abzüge), jedoch nicht mehr als 90 Prozent der letzten Nettoausbildungsvergütung (das ist der Betrag, der auf deinem Konto eingeht). Das Krankengeld ist einschließlich Vergütungsfortzahlung auf 78 Wochen innerhalb von drei Jahren beschränkt.

Wenn du sehr lange krankgeschrieben bist, kann dein Arbeitgeber den medizinischen Dienst der Krankenkasse einschalten. Der überprüft dann die Diagnose deines Arztes.

Wenn du durch zu hohe Fehl- und Krankheitszeiten bis zur Anmeldung der Abschlussprüfung die vorgeschriebene Ausbildungszeit nicht abgeleistet hast, solltest du Kontakt zu deiner zuständigen Stelle (IHK / HK) aufnehmen und fragen, ob eine Zulassung nicht trotzdem möglich ist. Wenn dir nicht mehr als zehn Prozent (12-15 Wochen) an Ausbildungszeit fehlen hast du gute Chancen zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden und nicht verlängern zu müssen. Das mit den zehn Prozent ist übrigens eine Faustregel - kein Gesetz. Dabei sind auch immer Ausnahmeregelungen möglich.

Bitte wende dich an deine Gewerkschaft und lass dich dort beraten. Dann bist du in guten Händen falls wirklich etwas passiert:

Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch jederzeit an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

Verdi Sitz des Landesbezirks Rheinland-Pfalz-Saarland
Münsterplatz 2-6
55116 Mainz

Tel.: 06131/9726-0
Fax: 06131/9726-288
E-Mail: lbz.rlpsaar@verdi.de

Da kannst du anrufen, nach einem_einer Jugendsekretär_in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monate.

Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

                   

Liebe Grüße

Dr. Azubi               

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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