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Dr. Azubi

Abschlussprüfung/ Ende Arbeitsverhältnis

Sehr geehrte Damen und Herren, 

Ich habe eine Frage bezüglich der Beendigung meines Arbeitsvertrages. Ich weiß das wenn ich die Prüfungen bestehe, dass an dem Tag, an dem ich die mündliche bestehe, dass ich dann nicht mehr arbeiten kommen muss.

Was ist allerdings, wenn ich die Prüfungen nicht bestehe muss ich dann bis zum 31.07.23 weiter in der Firma arbeiten oder darf ich auch dann eher aufhören. 

Ich würde das Arbeitsverhältnis auf keinen Fall verlängern, selbst wenn ich nicht bestehe. 

Gäbe ich die Möglichkeit auch früher aus dem Arbeitsvertrag auszutreten in dem Fall? 

Danke schon Mal im voraus.

LG Hannah 

RE: Abschlussprüfung/ Ende Arbeitsverhältnis

Hallo Hannah!

Vielen Dank für deine Anfrage! Das tut mir leid, dass du in deinem Betrieb so unglücklich bist. Ich finde es super, dass du die Ausbildung dennoch erfolgreich beenden möchtest. Ich hoffe, dass mit deiner Prüfung alles klappt und du bestehst. Du hast recht, was das Ende deiner Ausbildung angeht: Wenn du die Abschlussprüfung oder den zweiten Teil der Abschlussprüfung bestehst, endet dein Ausbildungsverhältnis, sobald die Ergebnisse vom Prüfungsausschuss bekannt gegeben wurden (§ 21 Berufsbildungsgesetz). Wenn du die Abschlussprüfung nicht bestehst, endet deine Ausbildung an dem Datum, das in deinem Ausbildungsvertrag als Ausbildungsende angegeben ist, es sei denn, du stellst einen Antrag auf Verlängerung (§ 21 Berufsbildungsgesetz).

Unter Umständen ist es auch möglich, die Prüfung als externer Prüfling abzulegen. Wie das bei dir konkret ist, solltest du aber unbedingt bei der zuständigen Kammer/Innung (siehe Stempel auf deinem Ausbildungsvertrag) erfragen. Es hängt auch davon ab, was in deiner Prüfungsordnung steht. Falls es möglich wäre, die Prüfung auch so zu wiederholen, könntest du deinen Arbeitsvertrag vielleicht beenden. Aber auch gibt es einiges zu beachten!

Auch mit der Kündigung solltest du vorsichtig sein und dich vorher am besten mit deiner Gewerkschaft beraten. Zwar hast du immer die Möglichkeit, mit einer Frist von vier Wochen zu kündigen, aber nur wenn du die Berufsausbildung aufgeben und/oder den Ausbildungsberuf wechseln willst (§ 22 Berufsbildungsgesetz). Das heißt, es muss zum Zeitpunkt der Kündigung der ernsthafte Wille zur Berufsaufgabe oder zum Berufswechsel vorliegen. Dies ist aber bei dir nicht der Fall, da du ja bald deine Abschlussprüfung machen möchtest.

Eine Alternative ist die fristlose Kündigung: Du kannst außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§ 22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe, die eine außerordentliche und fristlose Kündigung rechtfertigen, sind zum Beispiel:

  • Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz
  • Ausbildungsfremde Tätigkeiten
  • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)
  • Ausbleibende Ausbildungsvergütung
  • Überstunden, die nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden
  • Systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)

Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war.

Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen, denn wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder leicht verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht, zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen. Dein Ausbilder kann grundsätzlich innerhalb von drei Wochen Widerspruch gegen die Kündigung einlegen, das kommt aber sehr selten vor: Wer will schon einen Azubi, der ganz offensichtlich keine Lust mehr hat, in dem Betrieb zu arbeiten und nicht besonders motiviert ist?

Eine andere Alternative könnte ein Aufhebungsvertrag sein. Ein Aufhebungsvertrag ist keine Kündigung! Im Unterschied zur Kündigung kündigt beim Aufhebungsvertrag nicht eine Partei der anderen. Beim Aufhebungsvertrag lösen Azubi und Ausbilder das Ausbildungsverhältnis in gegenseitigem Einvernehmen auf. Ein Aufhebungsvertrag kann also nur zustande kommen, wenn sich Ausbilder und Azubi einig sind. Den Zeitpunkt der Vertragsauflösung können Azubi und Ausbilder dabei frei vereinbaren, es gibt also keine Fristen, die eingehalten werden müssen.

Du solltest bedenken, dass wenn du das Ausbildungsverhältnis beendest, also kündigst oder einen Aufhebungsvertrag unterschreibst, du mitschuldig am Verlust deines Ausbildungsplatzes bist. In diesem Fall kann dir bei einer folgenden Arbeitslosigkeit dein Arbeitslosengeld eine Zeitlang gesperrt werden!

Wie du siehst, ist bei einer Kündigung leider einiges zu beachten und die Sache ist nicht ganz so einfach. Deswegen wende dich Bitte auch an deine Gewerkschaft und lass dich da beraten. Die unterstützt dich auch, wenn es Probleme gibt. hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:

Ver.di Krefeld
Virchowstr. 130a
47805 Krefeld
Tel.: 02151 8167-0
E-Mail:
service-mitte.nrw@verdi.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem_einer Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

Viel Erfolg! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

Hier kannst du Mitglied einer Gewerkschaft werden: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

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