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Dr. Azubi

Personalgespräch

Sehr geehrte Damen und Herren,

Heute erhielt ich überraschend eine E-Mail vom Arbeitgeber. Ich solle in 3 Wochen zum Personalgespräch kommen. An diesem Gespräch nimmt mein Ausbilder eine JAV Vertretung und die Abteilungsleiterin teil. Ich fragte natürlich im gleichen Moment, ob es nicht möglich ist, diesen Termin vorzuschieben. Man antworte mir, dass es terminlich leider nicht anders geht. Jetzt macht man sich natürlich 3 Wochen Gedanken, was der Grund ist. Mit diesem Zug kann ich mich nicht vollständig auf die Berufsschule konzentrieren oder man läuft an den Kollegen vorbei und fragt sich, was ist hier los?

Ich lerne seit dem Jahr 2021 den Ausbildungsberuf Kaufmann für Büromanagement. Im ersten Ausbildungsjahr erlebte ich leider einen Arbeitgeber, der mich trotz anerkannten gesundheitlichen Problemen im Bereich Produktion (Metallbranche) arbeiten lassen hat und darauf folgten natürlich viele Krankschreibungen. Nach vielen Personalgesprächen bei diesen Arbeitgebern ging dieses Thema sogar bis zum Anwalt. Der alte Arbeitgeber konnte mich nicht kündigen und versuchte es an dieser Stelle mit Mobbing. Am Ende der ganzen Geschichte fand ich pünktlich zum 2. Ausbildungsjahr einen neuen Ausbildungsbetrieb, wo ich seit September 2022 angestellt bin.Der neue Ausbildungsbetrieb ist eigentlich das völlige Gegenteil zum alten Betrieb. Ich war richtig glücklich, dass ich einen neuen Ausbildungsbetrieb gefunden hatte. Hatte nie Probleme und kam auch super mit meinen Kollegen klar.

Leider finde ich allerdings auch paar Dinge seltsam. Es gibt oft Tage, da sitze ich einfach nur da und weiß nicht, was ich ins Ausbildungsheft schreiben soll. Anfangs bin ich durch die komplette Firma gelaufen und habe regelrecht Aufgaben gesucht. Nach einem Zeitpunkt war mir das irgendwie auch nicht mehr geheuer. Meine Mitschüler hatten nun auch schon ihre Zwischenprüfung und ich schreibe sie als Einziger Ende September. Da es angeblich Probleme mit der Anmeldung gab. Leider wird das Prüfungsthema nun nicht mehr in der Schule unterrichtet und ich muss mir die Sachen selbstbeibringen. Im Ausbildungsbetrieb hatte ich leider noch keine großen Berührungspunkte mit Excel.
Mein Ausbilder braucht auch sehr oft fast 4, 5 Wochen, um 2 Monate im Ausbildungsheft zu unterschreiben. Es gibt bei uns keine Abgabefrist. Ich habe es gleich wieder abgegeben, wo ich mein Heft zurückerhielt. In der Zwischenzeit hatte ich alles auf einen Block notiert oder fragte Mitschüler, um die nötigen Notizen zu bekommen. Habe mich aber durch meine Vorgeschichte nie beschwert. Es gab aber auch keine Kritik an mir. Die einzigen Punkte, der mir hier einfällt, ist, dass ich leider im neuen Betrieb bis zum heutigen Zeitpunkt 4 Wochen Krankheit gesammelt habe durch Grippe, eine OP und Genessungszeit. Die Krankheitstage lagen aber nicht hintereinander. Dies wusste der Arbeitgeber allerdings. Leider ist ebenfalls die Kommunikation in der Firma ein Problem. Ich fragte sehr oft nach, ob ich noch die Krankenscheine abgeben muss oder der Abruf online erfolgt, wie es meine Ärtzin sagte. Darauf erfolgte ebenfalls keine Antwort.

Zum schulischen Aspekt muss ich sagen, dass es mir nicht gerade einfach fällt. Zu diesem Punkt hatte ich allerdings schon ein Gespräch.

Ich kann mir echt nicht vorstellen, was hier los. Was könnte hier auf mich zu kommen? Durch meine Vergangenheit schlagen beim Wort Personalgespräch natürlich alle Glocken.

RE: Personalgespräch

Hallo lieber Azubi, 

schön, dass du dich an Dr. Azubi gewendet hast. 

Erst einmal vorweg: es ist nicht in Ordnung, dass du in deinem Betrieb so unter Druck gesetzt wirst und du dir Sorgen um die Reaktionen deines Chefs machen musst, denn wenn du krank bist, bist du krank! Jeder kann krank werden und es dürfen keine negativen Folgen daraus resultieren. Für die Dauer und den Zeitpunkt kannst du ja nichts. Blöde Kommentare darüber oder versuchte Druckausübung seitens deines Chefs sind nicht in Ordnung, aber es ist natürlich schwierig das abzustellen. Letztendlich zahlt dein Chef selbst drauf, weil es nachgewiesenermaßen die Fehlzeiten erhöht wenn kranke Mitarbeiter nicht positiv begrüßt werden, wenn sie an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

Wenn du die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen hast, wenn du krankgeschrieben wirst, kannst du dich nicht erholen und dein gesundheitlicher Zustand wird immer schlimmer. Ich kann gut verstehen, dass das für dich die Hölle ist. Du darfst dich aber auf keinen Fall unter Druck setzen lassen – es gibt nichts, was dir vorgeworfen werden kann.

Nun aber ein paar Infos zu deiner Krankschreibung:

Wenn du krank bist, hast du Anspruch auf Vergütungsfortzahlung im Krankheitsfall (§ 3 Entgeltfortzahlungsgesetz). Erst wenn du länger als 6 Wochen krank bist, bekommst du Krankengeld von deiner Krankenkasse. Die Krankenkasse zahlt 70 Prozent der regelmäßig erzielten Bruttoausbildungsvergütung (das ist der Betrag ohne Abzüge), jedoch nicht mehr als 90 Prozent der letzten Nettoausbildungsvergütung (das ist der Betrag, der auf deinem Konto eingeht). Das Krankengeld ist einschließlich Vergütungsfortzahlung auf 78 Wochen innerhalb von drei Jahren beschränkt.

Wenn du sehr lange krankgeschrieben bist, kann dein Arbeitgeber den medizinischen Dienst der Krankenkasse einschalten. Der überprüft dann die Diagnose deines Arztes.

Wenn du durch zu hohe Fehl- und Krankheitszeiten bis zur Anmeldung der Abschlussprüfung die vorgeschriebene Ausbildungszeit nicht abgeleistet hast, solltest du Kontakt zu deiner zuständigen Stelle (IHK / HK) aufnehmen und fragen, ob eine Zulassung nicht trotzdem möglich ist. Wenn dir nicht mehr als zehn Prozent (12-15 Wochen) an Ausbildungszeit fehlen hast du gute Chancen zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden und nicht verlängern zu müssen. Das mit den zehn Prozent ist übrigens eine Faustregel - kein Gesetz. Dabei sind auch immer Ausnahmeregelungen möglich.

Jetzt Gewerkschaftsmitglied werden!

Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat. Solltest du kein Einkommen haben (also keinen Ausbildungsvertrag) gibt es pauschale Beiträge. Ein Kontakt in deiner Nähe ist:

Verdi Sitz des Landesbezirks Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen
Karl-Liebknecht-Straße 30-32
04107 Leipzig

Tel.: 0341/52901-0
Fax: 0341/52901-500
E-Mail: service.sat@verdi.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

 

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

 

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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