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Dr. Azubi

Betriebswechsel oder bleiben?..

Hallo Herr Azubi,

ich befinde mich derzeit im 2. Halbjahr meiner Erzieher Ausbildung (Teilzeit).

Zum Ende des 1. Lehrjahres musste ich mich gegen Corona Impfen lassen weil ich sonst die Ausbildung verloren hätte, danach hatte ich Corona und war schwer krank. Seit dem kamen schleichend Symptome wie Dauer Kopfschmerzen, durchgehende Müdigkeit, Lustlosigkeit, bei allem sehr nah am Wasser gebaut. Vor 4 Wochen bin dann mehrfach ohnmächtig geworden und war 2 Wochen im Krankenhaus und 2 zuhause. Bei den Untersuchungen kam nichts raus. Mein Arzt vermutet das es Long Covid ist bzw Spätfolgen durch corona oder der Impfung sind. Ich habe von Anfang des 2. Lehrjahres bis jetzt über 50% gefehlt weil ich so viel krank war. Außerdem gab es schon einige Vorfälle in der Kita, die auch geklärt wurden, jedoch ist seit dem mein Gefühl hier nicht mehr das beste. Ich komme nicht mehr gerne her und weine Abend wenn ich daran denke das es morgen wieder los geht. 
mich hatte gestern ein Gespräch mit meiner Chefin deswegen und sie legt mir sehr ans Herz, jetzt auszusetzen und das 2. Lehrjahr im Sommer nochmal zu machen.., weil ich dann zb das 200h Praktikum machen kann und Zeit hätte alle nachzuholen was ich jetzt schon auf dem Kasten haben müsste. Es ist jedes Mal ein Anfang dann bin ich krank und dann fängt es wieder von vorn an..

ich weiß mittlerweile nicht mehr was ich tuen soll. Ich habe schon oft überlegt in eine andere Einrichtung zu wechseln aber ich habe Angst das meine Chefin denkt das ich der Kita etwas Böses möchte oder so. Dieser Schritt fällt mir so schwer, weil ich auch einen vernünftigen Grund brauche und der wäre nur das ich mich hier nicht mehr wohl fühle und nicht mehr aufgeweckt und glücklich bin. Ich bin eigentlich nur noch anwesend wenn etwas ist. Früher war ich viel offener und habe viel mit den Kindern gemacht und jetzt beobachte ich mehr oder weniger nur noch und bin froh wenn der Tag wieder vorbei ist..

noch dazu denke ich wenn ich mich dazu entscheide jetzt auszusetzen das ich bis jetzt nichts erreicht habe und habe Angst das wenn ich es tue dann weiter so geht wie jetzt und ich am Ende dann die Ausbildung abbrechen muss.. 

ich bin mir sicher das ich Erzieherin werden möchte aber es fällt mir zur Zeit alles so schwer, schule Arbeit privat ich selber. Was soll ich tuen? 

Brauche ich ein komplett neues Umfeld?
Schaffe ich die Ausbildung?
Brauche ich erstmal eine Auszeit und breche die Ausbildung ab?

fange ich entwand anderes an, obwohl ich das hier unbedingt machen wollte?

was kann ich tuen?

diese Entscheidung muss ich Freitag (3.3.23) mehr oder weniger treffen.. 

RE: Betriebswechsel oder bleiben?..

Hallo lieber Azubi, 

schön, dass du dich an Dr. Azubi gewendet hast. Ich kann dir die Entscheidung nicht nehmen. Je nachdem wie du es kommunizieren möchtest kannst du es ihr im guten sagen. Sonst kann ich dir empfehlen bei der Gewerkschaft eine individuelle Beratung zu machen.  <![if !supportLists]>1.1.1   <![endif]>Eingangstext - Krankheit

Erst einmal vorweg: es ist nicht in Ordnung, dass du in deinem Betrieb so unter Druck gesetzt wirst und du dir Sorgen um die Reaktionen deines Chefs machen musst, denn wenn du krank bist, bist du krank! Jeder kann krank werden und es dürfen keine negativen Folgen daraus resultieren. Für die Dauer und den Zeitpunkt kannst du ja nichts. Blöde Kommentare darüber oder versuchte Druckausübung seitens deines Chefs sind nicht in Ordnung, aber es ist natürlich schwierig das abzustellen. Letztendlich zahlt dein Chef selbst drauf, weil es nachgewiesenermaßen die Fehlzeiten erhöht wenn kranke Mitarbeiter nicht positiv begrüßt werden, wenn sie an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

Wenn du die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen hast, wenn du krankgeschrieben wirst, kannst du dich nicht erholen und dein gesundheitlicher Zustand wird immer schlimmer. Ich kann gut verstehen, dass das für dich die Hölle ist. Du darfst dich aber auf keinen Fall unter Druck setzen lassen – es gibt nichts, was dir vorgeworfen werden kann.

Nun aber ein paar Infos zu deiner Krankschreibung:

Wenn du krank bist, hast du Anspruch auf Vergütungsfortzahlung im Krankheitsfall (§ 3 Entgeltfortzahlungsgesetz). Erst wenn du länger als 6 Wochen krank bist, bekommst du Krankengeld von deiner Krankenkasse. Die Krankenkasse zahlt 70 Prozent der regelmäßig erzielten Bruttoausbildungsvergütung (das ist der Betrag ohne Abzüge), jedoch nicht mehr als 90 Prozent der letzten Nettoausbildungsvergütung (das ist der Betrag, der auf deinem Konto eingeht). Das Krankengeld ist einschließlich Vergütungsfortzahlung auf 78 Wochen innerhalb von drei Jahren beschränkt.

Wenn du sehr lange krankgeschrieben bist, kann dein Arbeitgeber den medizinischen Dienst der Krankenkasse einschalten. Der überprüft dann die Diagnose deines Arztes.

Wenn du durch zu hohe Fehl- und Krankheitszeiten bis zur Anmeldung der Abschlussprüfung die vorgeschriebene Ausbildungszeit nicht abgeleistet hast, solltest du Kontakt zu deiner zuständigen Stelle (IHK / HK) aufnehmen und fragen, ob eine Zulassung nicht trotzdem möglich ist. Wenn dir nicht mehr als zehn Prozent (12-15 Wochen) an Ausbildungszeit fehlen hast du gute Chancen zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden und nicht verlängern zu müssen. Das mit den zehn Prozent ist übrigens eine Faustregel - kein Gesetz. Dabei sind auch immer Ausnahmeregelungen möglich.

Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am besten folgendermaßen vor:
1. Bewirb dich ab sofort, denn solange du noch einen Ausbildungsplatz hast, sind deine Be-werbungschancen besser. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in den Stellenportalen im Internet nach sowie in der Zeitung und oder frag im Bekanntenkreis. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.
2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist.
3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§ 22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nach-dem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Bei-spiel:
• schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz
• mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufli-che Mängel
• eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten
• Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)
• mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
• wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt
• angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Frei-zeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist
• systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigun-gen, Benachteiligungen, Diskriminierung)
Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündi-gen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entzie-hen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter An-gabe der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhal-ten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten). Anschließend musst du den Be-trieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Be-sonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Aus-bilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.
Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe ge-gen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Denn wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verär-gert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.
Hier ist ein Kontakt für dich:

Verdi Sitz des Landesbezirks Berlin-Brandenburg
Köpenicker Straße 30
10179 Berlin

Tel.: 030 / 8866-6
Fax: 01805 837343 - 14007
E-Mail: service.bb@verdi.de


Da kannst du einfach anrufen, nach einem_einer Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...
4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbil-dung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probe-zeit.

Viel Erfolg! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüße


Dr. Azubi


P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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