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Dr. Azubi

Übernahme nach Ende Ausbildung

Hallo,

und zwar will mich mein Betrieb nach Ende der Ausbildung übernehmen für 1 Jahr befristet.

Ich habe jedoch ein besseres Angebot von einem anderen Betrieb bekommen, wovon die nichts wissen. Ich hatte mir zum Bewerbungsgespräch und Probearbeiten dort frei genommen.

Kann ich bei beiden unterschreiben und bei meinem Betrieb einfach rechtzeitig kündigen? Gilt da nicht dann schon die Kündigungsfrist oder ist das ein Vertragsbruch wenn ich unterschreibe und kurz danach absage?

Mich plagt nämlich die Angst, wenn ich die Prüfung nicht bestehe und schon beim anderen Unternehmen zu einem gewissen Zeitpunkt unterschrieben habe? Oder kann man vereinbaren, dass die mich auch so übernehmen (auch bei nicht-bestehen der Ausbildung). Wenn ich nicht bestehe, bin ich ja  gezwungen  ein halbes Jahr in meinem alten Betrieb zu bleiben bis zur nächsten Prüfung.

Sorry, das sind viele Fragen auf einmal.. HILFE

RE: Übernahme nach Ende Ausbildung

Hallo lieber Azubi,

schön, dass du dich an Dr. Azubi gewendet hast. Da du meistens Probezeit hast kannst du auch ohne Gründe kündigen. 

Das Ausbildungsverhältnis kann während der Probezeit ohne Angabe von Gründen und ohne Kündigungsfrist jederzeit gekündigt werden (§ 22 Berufsbildungsgesetz). Die Kündigung muss schriftlich erfolgen. Da es keine Frist einzuhalten gilt, endet das Ausbildungsverhältnis zu dem Zeitpunkt, der in der Kündigung angegeben ist, in der Regel sofort. Unabhängig von der Kündigungsart stehen dir nach der Kündigung alle Leistungen zu, die du dir bis zum Kündigungszeitpunkt erworben hast - insbesondere Restgehalt und Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen und ein Arbeitszeugnis. Falls du minderjährig bist, müssen auch deine gesetzlichen Vertreter, in der Regel deine Eltern, die Kündigung unterschreiben.

Wenn du deine Ausbildung nicht antreten willst, kannst du also gleich am ersten Tag kündigen. Da die Betriebe das wissen, reicht es in der Regel, wenn du schon vor Beginn der Ausbildung Bescheid gibst, dass du die Ausbildung nicht antreten wirst. Dann kann ein anderer Azubi deinen Platz einnehmen. Die Kündigung vor Ausbildungsbeginn ist im Berufsbildungsgesetz nicht gesetzlich geregelt, es ist aber in der Rechtsprechung anerkannt, dass du auch vor Ausbildungsbeginn kündigen kannst. Dies solltest du auf jeden Fall schriftlich machen.

Und so sieht eine Kündigung in der Probezeit aus:

[Adresse Azubi] 

[Adresse Betrieb] 

[Ort/Datum] 

Betreff: Kündigung in der Probezeit 

Sehr geehrte Damen und Herren, 

hiermit kündige ich mein Ausbildungsverhältnis nach § 22 Abs. 1 Berufsbildungsgesetz in der Probezeit zum… 

Mit freundlichen Grüßen

[Unterschrift Auszubildende_r]

[Unterschrift der Sorgeberechtigen bei minderjährigem Auszubildenden]


Außerordentliche und fristlose Kündigung

Du kannst außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§ 22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel: 

  • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

  • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel

  • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

  • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

  • mehrmalige ausbleibende Ausbildungsvergütung

  • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, entzogen wird oder er gar keine besitzt

  • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

  • Systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)

Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war.  Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B. : Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B.  sexuelle Belästigung) dann kannst du sofort unter Angaben der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B.  ausbildungsfremde Tätigkeiten), dann musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein, die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen. 

Falls du minderjährig bist, müssen auch deine gesetzlichen Vertreter - in der Regel deine Eltern - die Kündigung unterschreiben. Überlege dir die Kündigung gut. Kündige nicht in einer Situation, in der du unter Druck gesetzt wirst! 

Achtung: Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich und deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Wenn deine Gründe für die fristlose Kündigung nicht ausreichen, hat dein Betrieb auch die Möglichkeit Schadensersatzansprüche innerhalb von drei Monaten nach Beendigung gegen dich geltend zu machen. 

Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen: Wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder leicht verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht, zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen. Dein Ausbilder kann grundsätzlich innerhalb von drei Wochen Widerspruch gegen die Kündigung einlegen, das kommt aber sehr selten vor: Wer will schon einen Azubi, der ganz offensichtlich keine Lust mehr hat, in dem Betrieb zu arbeiten und nicht besonders motiviert ist? 

Bitte wende dich an deine Gewerkschaft und lass dich dort beraten. Dann bist du in guten Händen falls wirklich etwas passiert:

Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch jederzeit an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

Verdi Sitz des Landesbezirks Nordrhein-Westfalen
Karlstraße 123-127
40210 Düsseldorf

Tel.: 0211/61824-0
Fax: 0211/61824-466
E-Mail: lbz.nrw@verdi.de

Da kannst du anrufen, nach einem_einer Jugendsekretär_in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monate.

Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

   

Liebe Grüße

Dr. Azubi   

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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