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Dr. Azubi

Kündigungsfrist nach Ausbildung

Hallo liebe/r Dr. Azubi,

Wie ist es, wenn man seine Ausbildung in einem Betrieb erfolgreich abgeschlossen und übernommen wurde, seit ca 4 1/2 Jahren dort arbeitet und dann kündigen möchte? Beträgt die Kündigungsfrist dann trotzdem 1 Monat? Oder zählt die Ausbildungszeit dazu, weil man ja im selben Betrieb geblieben ist...

Ich hoffe sehr, dass du mir helfen kannst :( Brauche dringend eine Antwort....Dankeschön schonmal!!

Liebe Grüße Maria

RE: Kündigungsfrist nach Ausbildung

Hallo lieber Azubi, 

schön, dass du dich an Dr. Azubi gewendet hast. Das Ausbildungsverhältnis kann während der Probezeit ohne Angabe von Gründen und ohne Kündigungsfrist jederzeit gekündigt werden (§ 22 Berufsbildungsgesetz). Die Kündigung muss schriftlich erfolgen. Da es keine Frist einzuhalten gilt, endet das Ausbildungsverhältnis zu dem Zeitpunkt, der in der Kündigung angegeben ist, in der Regel sofort. Unabhängig von der Kündigungsart stehen dir nach der Kündigung alle Leistungen zu, die du dir bis zum Kündigungszeitpunkt erworben hast - insbesondere Restgehalt und Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen und ein Arbeitszeugnis. Falls du minderjährig bist, müssen auch deine gesetzlichen Vertreter, in der Regel deine Eltern, die Kündigung unterschreiben.

Wenn du deine Ausbildung nicht antreten willst, kannst du also gleich am ersten Tag kündigen. Da die Betriebe das wissen, reicht es in der Regel, wenn du schon vor Beginn der Ausbildung Bescheid gibst, dass du die Ausbildung nicht antreten wirst. Dann kann ein anderer Azubi deinen Platz einnehmen. Die Kündigung vor Ausbildungsbeginn ist im Berufsbildungsgesetz nicht gesetzlich geregelt, es ist aber in der Rechtsprechung anerkannt, dass du auch vor Ausbildungsbeginn kündigen kannst. Dies solltest du auf jeden Fall schriftlich machen.

Und so sieht eine Kündigung in der Probezeit aus:

 

[Adresse Azubi]

[Adresse Betrieb]

[Ort/Datum]

 

Betreff: Kündigung in der Probezeit

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit kündige ich mein Ausbildungsverhältnis nach § 22 Abs. 1 Berufsbildungsgesetz in der Probezeit zum…

 

Mit freundlichen Grüßen

[Unterschrift Auszubildende_r]

[Unterschrift der Sorgeberechtigen bei minderjährigem Auszubildenden]

 

Außerordentliche und fristlose Kündigung

Du kannst außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§ 22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel

eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

mehrmalige ausbleibende Ausbildungsvergütung

wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, entzogen wird oder er gar keine besitzt

angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

Systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)

Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war.  Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B. : Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B.  sexuelle Belästigung) dann kannst du sofort unter Angaben der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B.  ausbildungsfremde Tätigkeiten), dann musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein, die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

Falls du minderjährig bist, müssen auch deine gesetzlichen Vertreter - in der Regel deine Eltern - die Kündigung unterschreiben. Überlege dir die Kündigung gut. Kündige nicht in einer Situation, in der du unter Druck gesetzt wirst!

Achtung: Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich und deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Wenn deine Gründe für die fristlose Kündigung nicht ausreichen, hat dein Betrieb auch die Möglichkeit Schadensersatzansprüche innerhalb von drei Monaten nach Beendigung gegen dich geltend zu machen.

Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen: Wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder leicht verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht, zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen. Dein Ausbilder kann grundsätzlich innerhalb von drei Wochen Widerspruch gegen die Kündigung einlegen, das kommt aber sehr selten vor: Wer will schon einen Azubi, der ganz offensichtlich keine Lust mehr hat, in dem Betrieb zu arbeiten und nicht besonders motiviert ist?

Jetzt Gewerkschaftsmitglied werden!

Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat. Solltest du kein Einkommen haben (also keinen Ausbildungsvertrag) gibt es pauschale Beiträge. Ein Kontakt in deiner Nähe ist:

Verdi Sitz des Landesbezirks Berlin-Brandenburg

Köpenicker Straße 30
10179 Berlin

Tel.: 030 / 8866-6
Fax: 01805 837343 - 14007
E-Mail: service.bb@verdi.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

 

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

 

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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