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Dr. Azubi

Zu wenig ausbezahlt, zu wenige Urlaubstage, Fahrlässige Gesundheitsgefährdung

Hallo,

ich wurde am 07.12.2022 mit einer Frist von 2 Wochen gekündigt. Ich hab daraufhin am nächsten Tag fristlos gekündigt. Heute bekam ich mein Lohn in höhe von 164,11€ (netto) ausgezahlt was niemals hinhauen kann. Normalerweise bekomm ich einen Monatslohn in höhe von 615,42€ (netto). Ich hatte noch 9 Urlaubstage.

In meinem Arbeitsvertrag wurden mir 24Tage nächstes Jahr gegeben jedoch bin ich erst 16 und sollte doch 27 bekommen.

In meiner Ausbildung hab ich täglich Teppiche die mehr als 20kg gewogen haben, auf den Tisch heben müssen am Tag hab ich das ca  100mal machen müssen Weshalb ich jetzt auch dauerhafte Rückenschmerzen habe (Atest liegt vor). Ich wurde auch teilweise aufgefordert schneller zu Arbeiten obwohl ich schon so schnell gemacht habe wie ich konnte.

Welche rechtlichen Schritte kann ich nun Einleiten?

mfg Emma

RE: Zu wenig ausbezahlt, zu wenige Urlaubstage, Fahrlässige Gesundheitsgefährdung

Hallo Emma!

Vielen Dank für deine Nachricht im Forum! Wir freuen uns, dass du dich mit deinem Anliegen an uns wendest und ich hoffe ich kann dir weiterhelfen.

Grundsätzlich ist dein Ausbilder durch seine Fürsorgepflicht dazu verpflichtet, die körperliche Unversehrtheit der Beschäftigten im Kontext der Arbeit im Betrieb, zu überwachen. Dein Ausbilder muss dafür sorgen, dass du weder körperlich noch psychisch geschädigt wirst (§14 Berufsbildungsgesetz). Er muss dich vor Gewalt, Mobbing oder sexueller Belästigung am Arbeitsplatz in Schutz nehmen. Er darf dir keine Aufgaben übertragen, die über deine körperlichen Kräfte gehen.

Dein Ausbilder muss dir alle Regeln der Arbeitssicherheit genau erklären und der Betrieb muss sich an die Arbeitsstättenverordnung und die Gefahrenstoffverordnung halten.

Die Auszahlung des Urlaubsanspruches an dich ist nicht erlaubt. Ausnahme: Falls du am Ende der Ausbildung noch Urlaub offen hast, muss dein Ausbilder den Urlaub auszahlen. Dasselbe gilt, wenn dein Ausbildungsvertrag durch eine Kündigung frühzeitig endet, zum Beispiel nach drei Monaten. Dann hast du Anspruch darauf, dass dir dein Urlaubsanspruch für diese drei Monate ausgezahlt wird. Um deinen Anspruch zu ermitteln, musst du den Jahresurlaub durch zwölf teilen. Dann weißt du wie viele Urlaubstage dir pro Monat zustehen. Diese Zahl multiplizierst du dann mit den vollen Monaten, die du gearbeitet hast (§ 5 Bundesurlaubsgesetz).

Wenn dein Gehalt ausbleibt oder nur unregelmäßig kommt, solltest du es möglichst bald geltend machen. Wenn du Gewerkschaftsmitglied bist, hilft sie dir dabei, ohne dass Kosten für dich entstehen. Sollten Dir durch die verspätete Zahlung Mahnkosten oder Überziehungszinsen entstanden sein, dann kannst Du diese Deinem Betrieb in Rechnung stellen.

Eine Geltendmachung schreibt man während der Ausbildung oder nach Ende der Ausbildung, um Leistungen schriftlich einzufordern. Wenn du eine Geltendmachung schreibst, musst du die Höhe deiner Forderung darin angeben und deinen Arbeitgeber am besten mit einer Fristsetzung (also einem genauem Datum) zur Zahlung auffordern. Außerdem solltest du sie so bald wie möglich formulieren und per Einschreiben (mit Rückschein) abschicken, damit du einen Nachweis über deine Geltendmachung hast.

Du solltest mit der Geltendmachung nicht lange warten. Denn in deinem Ausbildungsvertrag oder im Tarifvertrag können unter Umständen sogenannte Ausschlussfristen geregelt sein. Diese Fristen müssen zwingend eingehalten werden, damit die Gehaltsansprüche nicht verfallen. Nur innerhalb der genannten Frist kannst du gegenüber deinem Ausbildungsbetrieb deine Vergütungsansprüche geltend machen. Oftmals betragen die Ausschlussfristen 3 oder 6 Monate.

Du kannst auch eine Kopie des Schreibens an die zuständige Stelle (in der Regel die Kammer) schicken (hier reicht ein ganz normaler Brief), um sie über deine Probleme in Kenntnis zu setzen. Hier hast du eine grobe Vorlage für eine Gehaltsgeltendmachung:

Sehr geehrter Herr/Frau…,

laut § 18 Berufsbildungsgesetz muss meine Vergütung bis zum letzten Arbeitstag des Monats auf meinem Girokonto eingehen. Ich habe mein Gehalt für den Monat allerdings bis heute nicht erhalten. Bitte überweisen Sie mir den ausstehenden Betrag von xxx Euro umgehend auf mein Konto.

Mit freundlichen Grüßen

[Unterschrift Auszubildende_r]

[Unterschrift der Sorgeberechtigen bei minderjährigem Auszubildenden]

Es gibt aber noch andere Punkte zu beachten, wenn du eine Geltendmachung schreiben willst. Deshalb empfehle ich dir, dich in diesem Fall an deine Gewerkschaft zu wenden. Meistens hat ein Brief von deiner Gewerkschaft einschlagenden Erfolg, weil dein Ausbilder dann weiß, dass du Rechtsschutz hast und deine Gewerkschaft Ansprüche notfalls einklagen wird. Hier ein Kontakt für dich:

ver.di – Mainz

Münsterplatz 2-6

55116 Mainz

Tel.: 06131/9726-0

Fax: 06131/9726-288

E-Mail: lbz.rlpsaar@verdi.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem_einer Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

Viel Erfolg! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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