Deutscher Gewerkschaftsbund

Betriebswechsel

Hallo, 

derzeit befinde ich mich im 1. Ausbildugsjar der PIA zur Erzieherin. Ich arbeite Momentan in einem Kindergarten und möchte zum 2. Ausbildungsjahr in die Jugendhilfe wechseln, doch meine Schule möchte dies nicht unterstützen/ bewilligen. Wie kann ich vorgehen und wie sieht so ein Wechsel rechtlich aus?

Viele Grüße 

Joelle1207: 30.11.2022 |
  • RE: Betriebswechsel

    Hallo!

    Vielen Dank für deine Nachricht im Forum, wir freuen uns dass du dich mit deinem Anliegen an uns wendest und ich hoffe ich kann dir weiterhelfen.

    Da du schreibst dass deine Schule, die Entscheidung fällt, gehe ich davon aus, dass du eine rein schulische Ausbildung machst. In diesem Fall kann ich dir leider keine belastbare Information geben. Dieses Forum behandelt leider nur Fragen der betrieblichen Ausbildung, welcher das BBiG (Berufsbildungsgesetz) zugrunde liegt. Schulische Ausbildungen unterliegen der einzelnen unterschiedlichen Landesgesetzgebungen. In dem Fall wäre es am Besten, du wendest dich direkt an deine Gewerkschaft vor Ort, die wissen genau Bescheid.

    Hier ein Kontakt für dich:

    ver.di – Geschäftsstelle Bielefeld

    Oelmühlenstr. 57-59

    33604 Bielefeld

    Tel.: 0521 98627-0

    E-Mail: service-ost.nrw@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_einer Jugendsekretär_in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

    Sollte ich mit meiner Annahme falsch liegen und du machst eine betriebliche Ausbildung, würde das anders aussehen.

    Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten bei einem Ausbildungsplatzwechsel in der betrieblichen Ausbildung.

    Die erste wäre ein sogenannter Aufhebungsvertrag.

    Ein Aufhebungsvertrag ist keine Kündigung! Im Unterschied zur Kündigung kündigt beim Aufhebungsvertrag nicht eine Partei der anderen. Beim Aufhebungsvertrag lösen Azubi und Ausbilder das Ausbildungsverhältnis in gegenseitigem Einvernehmen auf. Im Klartext heißt das beide, Azubi und Ausbilder wollen das Ausbildungsverhältnis nicht fortsetzen. Ein Aufhebungsvertrag kann also nur zustande kommen, wenn sich Ausbilder und Azubi einig sind. Den Zeitpunkt der Vertragsauflösung können Azubi und Ausbilder dabei frei vereinbaren, es gibt also keine Fristen, die eingehalten werden müssen.

    Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§ 22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    ◦ schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz

    ◦ mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel

    ◦ eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten

    ◦ Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)

    ◦ mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung

    ◦ wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt

    ◦ angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist

    ◦ systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)

    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angabe der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten). Anschließend musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

    Ich hoffe diese Informationen helfen dir weiter und wünsche dir viel Erfolg bei deiner Ausbildung, hoffentlich bald in deinem Wunschbetrieb!

    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 01.12.2022


  • RE: Betriebswechsel

    Guten Tag, 

    derzeit befinde ich mich in meinem 2. Lehrjahr und möchte den Betriebwechseln. 

    Zu meinen Problemen:

    Seit 1,5 Jahren tue ich jeden Tag dasselbe, habe schon mehrmals andere Räume geputzt und helfe im Lager aus, wenn Leute fehlen. 

    Ich habe bereits einen neues Betrieb gefunden und werde aufgrund von familären Gegebenheiten umziehen, in ein anderes Bundesland.

    Meine Frage wäre, wenn meine Chefin mit mir keinen Aufhebungsvertrag vereinbaren möchte, wie gehe ich dann vor?

    Würde mein Ausbildungsnachweis ausreichen, das ich nicht gut ausgebildet wurde, da dort jeden Tag dasselbe drin steht?

    nora_785: 05.12.2022


  • RE: Betriebswechsel

    Hallo nora_785!

    Vielen Dank für deine Anfrage! Das tut mir leid, dass es dir in deinem jetzigen Betrieb nicht gefällt. Glückwunsch aber, dass du eine andere Stelle gefunden hast. Wenn deine Chefin keinen Aufhebungsvertrag mit dir machen will und du die gleiche Ausbildung in einem anderen Betrieb forstsetzen möchtest, dann bleibt dir wahrscheinlich nur die Möglichkeit der außerordentlichen und fristlosen Kündigung. Ich würde dir auf jeden Fall raten, zuerst das Gespräch mit deiner Chefin zu suchen und zu erklären, dass du auch wegen persönlicher Gründe wechseln willst, weil du umziehen möchtest.

    Wenn alles nicht bringt, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§ 22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz
    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremden Tätigkeiten
    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)
    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt
    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist
    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)

    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angabe der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten), musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

    Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Ob deine Gründe ausreichend sind, kann ich leider so nicht beurteilen. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Denn wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.

    Hier ist ein Kontakt für dich:

    Ver.di Halle/Saale
    Augustastraße 5
    06108 Halle/Saale
    Tel.: 0345 / 2149-761
    E-Mail: service.sat@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_einer Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

    Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße und viel Erfolg!

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 06.12.2022


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