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Dr. Azubi

Erhöhung der Ausbildungsvergütung

Guten Tag,

Ich habe nach dem ersten Halbjahr meinen Ausbildungsbetrieb gewechselt. Meine Ausbildung begann am 01.08.2021 & ich habe zum 01.02.2022 den Betrieb gewechselt. Mittlerweile bin ich im 2. Ausbildungsjahr. In meinem Vertrag wurde die Vergütung pro Ausbildungsjahr festgelegt. Allerdings werde ich immernoch für das erste bezahlt. Laut meinem Chef zählt erst das 2. Jahr in dem ich in dem aktuellen Unternehmen bin.  Wer ist hier im Recht. 

RE: Erhöhung der Ausbildungsvergütung

Hallo!

Vielen Dank für deine Nachricht im Forum, wir freuen uns dass du dich mit deinem Anliegen an uns wendest und ich hoffe ich kann dir weiterhelfen.

Grundsätzlich bemisst sich die Ausbildungsvergütung nach dem Fortschritt der Ausbildung (§ 17 BBiG). Das heißt es kommt grundsätzlich nicht auf die Dauer der Betriebsangehörigkeit, sondern darauf wie fortgeschritten man als Auszubildende*r ist.

Die Höhe deiner Ausbildungsvergütung ist in deinem Ausbildungsvertrag geregelt. Das weißt du ja bereits. Trotzdem hier ein paar Informationen zur Ausbildungsvergütung, damit du auch in Zukunft im Auge haben kannst, ob du genug gezahlt bekommst.

Die Ausbildungsvergütung muss mit den Ausbildungsjahren ansteigen (§ 17 Berufsbildungsgesetz). Häufig wird die Höhe der Ausbildungsvergütung in einem Tarifvertrag festgelegt. Wenn kein Tarifvertrag existiert, darf dein Betrieb die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung nicht unterschreiten.

Am 01.01.2020 wurde die Mindestausbildungsvergütung, für alle neu abgeschlossene Ausbildungsverträge, verpflichtend eingeführt. Sie regelt die Untergrenzen an Ausbildungsvergütung, die ein Betrieb nicht unterschreiten darf.

Sie wird bis 2023 in mehreren Stufen eingeführt. Ab 2024 wird sie jährlich nach der Entwicklung der durchschnittlichen Ausbildungsvergütungen der beiden vorausgegangenen Kalenderjahre angepasst. Konkret darf dein Betrieb folgende Vergütungen nicht unterschreiten:

550,00 Euro - 1. Jahr (wenn 2021, Jahr des Ausbildungsbeginns)

649,00 Euro - 2. Jahr (+18% im Vergleich zum 1. Jahr)

742.50 Euro - 3. Jahr (+35% im Vergleich zum 1. Jahr)

770,00 Euro - 4. Jahr (+40% im Vergleich zum 1. Jahr)

Für die Höhe der Mindestausbildungsvergütung, ist das Datum deines Ausbildungsbeginns entscheidend für die Vergütungshöhe im zweiten und dritten Lehrjahr. Beginnst du beispielsweise, die Ausbildung am 01.09.2021 erhältst du im ersten Lehrjahr 550 €, im zweiten 649 € und im dritten Lehrjahr 742,50 €.

Wichtig: Bei deiner Gewerkschaft kannst du erfragen, ob es für deinen Ausbildungsberuf einen bindenden Tarifvertrag gibt. Aber auch, wenn für deinen Ausbildungsbetrieb kein Tarifvertrag gilt, muss deine Ausbildungsvergütung mindestens 80 Prozent der in deiner Branche üblichen tariflichen Vergütung betragen. Dies gilt auch, wenn die Mindestausbildungsvergütung darunter liegt. Wenn du Mitglied in einer Gewerkschaft bist, klagt sie die Ausbildungsvergütung für dich ein. Kümmere dich frühzeitig darum, denn oft kann man die Vergütung nur für einen bestimmten Zeitraum rückwirkend einfordern!

Als Orientierungshilfe bieten wir dir folgendes: https://www.bibb.de/de/12209.php

Die Mindestausbildungsvergütung darf nur in zwei Fällen unterschritten werden:

Wenn du eine Teilzeitausbildung machst, dann kann deine Vergütung prozentual entsprechend der Kürzung deiner Arbeitszeit angepasst werden.

Wenn es einen bindenden Tarifvertrag für dein Betrieb gibt, der niedriger ist, als die Mindestausbildungsvergütung, dann gilt dieser.

Sollte dein Ausbildungsbetrieb sich weiter weigern, dir deine Ausbildungsvergütung zahlen, solltest du auf jeden Fall handeln! Schließlich steht dir das Geld zu!

In der Regel, ist der erste Schritt die korrekte Ausbildungsvergütung und die Differenz zu der bisher gezahlten Vergütung geltend zu machen gegenüber deiner/deinem Ausbilder*in.

Wenn du Gewerkschaftsmitglied bist, hilft sie dir dabei, ohne dass Kosten für dich entstehen. Sollten Dir durch die verspätete Zahlung Mahnkosten oder Überziehungszinsen entstanden sein, dann kannst Du diese Deinem Betrieb in Rechnung stellen.

Eine Geltendmachung schreibt man während der Ausbildung oder nach Ende der Ausbildung, um Leistungen schriftlich einzufordern. Wenn du eine Geltendmachung schreibst, musst du die Höhe deiner Forderung darin angeben und deinen Arbeitgeber am besten mit einer Fristsetzung (also einem genauem Datum) zur Zahlung auffordern. Außerdem solltest du sie so bald wie möglich formulieren und per Einschreiben (mit Rückschein) abschicken, damit du einen Nachweis über deine Geltendmachung hast.

Du solltest mit der Geltendmachung nicht lange warten. Denn in deinem Ausbildungsvertrag oder im Tarifvertrag können unter Umständen sogenannte Ausschlussfristen geregelt sein. Diese Fristen müssen zwingend eingehalten werden, damit die Gehaltsansprüche nicht verfallen. Nur innerhalb der genannten Frist kannst du gegenüber deinem Ausbildungsbetrieb deine Vergütungsansprüche geltend machen. Oftmals betragen die Ausschlussfristen 3 oder 6 Monate.

Du kannst auch eine Kopie des Schreibens an die zuständige Stelle (in der Regel die Kammer) schicken (hier reicht ein ganz normaler Brief), um sie über deine Probleme in Kenntnis zu setzen. Hier hast du eine grobe Vorlage für eine Gehaltsgeltendmachung:

Sehr geehrter Herr/Frau…,

laut § 18 Berufsbildungsgesetz muss meine korrekte Vergütung bis zum letzten Arbeitstag des Monats auf meinem Girokonto eingehen. Ich habe mein korrektes Gehalt für den Monat allerdings bis heute nicht erhalten. Bitte überweisen Sie mir den ausstehenden Betrag von xxx Euro umgehend auf mein Konto.

Mit freundlichen Grüßen

[Unterschrift Auszubildende_r]

Es gibt aber noch andere Punkte zu beachten, wenn du eine Geltendmachung schreiben willst. Deshalb empfehle ich dir, dich in diesem Fall an deine Gewerkschaft zu wenden. Meistens hat ein Brief von deiner Gewerkschaft einschlagenden Erfolg, weil dein Ausbilder dann weiß, dass du Rechtsschutz hast und deine Gewerkschaft Ansprüche notfalls einklagen wird. Hier ein Kontakt für dich:

ver.di – Bezirk Hamburg

Besenbinderhof 60

20097 Hamburg

Tel.: 040/890615-0

E-Mail: service.nord-hh@verdi.de

Da kannst du einfach anrufen, nach einem_einer Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

Außerdem könntest du dich an eine_einer Ausbildungsberater_in der Kammer/Innung wenden und mit ihm_ihr ein persönliches Gespräch vereinbaren, denn die sind dafür da, die Ausbildung in den Betrieben zu kontrollieren.

Viel Erfolg! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

Wiederrufsanspruch der Auflösungsvertrag

Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich bin eine Azubi in ihrem ersten Ausbildungsjahr, dass aufgrund eines Konflikts aufgrund der Diskriminierung gegen mich und der Machtausübung in der Einsatzstelle, der Träger, in dem ich beschäftigt war, einen Auflösungsvertrag unterzeichnet hat. Da ich die Regeln nicht gut kannte und vom Ansprechspartner gedrängt wurde, habe ich auch den Auflösungsvertrag unterschrieben. Da ich Ausländerin bin und mein Aufenthaltstitel befristet ist und auf der PiA-Ausbildung basiert, habe ich nicht viel Zeit, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Ich wollte fragen, ob ein Wiederruf vom Unterschrift des Auflösungsvertrages rechtlich noch möglich wäre.
Mit freundlichen Grüßen 
Altea

RE: Erhöhung der Ausbildungsvergütung

Hallo Altea!

Vielen Dank für deine Anfrage! Das tut mir leid, dass du in deiner Ausbildung schlecht behandelt und so unter Druck gesetzt wurdest. Ich drücke dir die Daumen, dass du bald eine neue Ausbildlungsstelle findest!

Wenn eine Kündigung durch den*die Ausbilder*in nicht möglich ist, missbrauchen Ausbilder*innen manchmal leider den Aufhebungsvertrag, um eine*n Azubi loszuwerden. Dann heißt es plötzlich: "Entweder du unterschreibst den Aufhebungsvertrag oder ich kündige dir." Im Unterschied zur Kündigung kündigt beim Aufhebungsvertrag nicht eine Partei der anderen. Beim Aufhebungsvertrag lösen Azubi und Ausbilder*in das Ausbildungsverhältnis in gegenseitigem Einvernehmen auf. Wenn du den Aufhebungsvertrag bereits unter Druck unterschrieben hast, solltest du dich unbedingt ganz schnell bei deiner Gewerkschaft beraten lassen! Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:

Ver.di
Kölnische Straße 81
34117 Kassel
Tel.: 0561/9706-0
E-Mail: service.hessen@verdi.de

Da kannst du anrufen, nach einem*einer Jugendsekretär*in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft. Als Gewerkschaftsjugend kämpfen wir Tag für Tag für gute Ausbildung, höhere Löhne, Umverteilung und Bildungsgerechtigkeit. Kurz: Für eine solidarische und antifaschistische Gesellschaft. Zusammen sind wir stärker – werde Mitglied!

 

Liebe Grüße

Dr. Azubi          

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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