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Minusstunden in der Ausbildung

Hey erstmal bevor ich meine Frage stelle, ich finde es richtig gut das es so ein Forum gibt. Man wird in der Schulzeit viel zu wenig über solche Ausbildungs bezogenen Themen aufgeklärt. Danke dafür :)

Nun zu meiner Frage/Situation 

Ich habe am 01.09.2022 meine Ausbildung begonnen, dieser Tag war ein Donnerstag. Meine normalen Arbeitszeiten sind Mo-Fr von 08:00-17:00, alle anderen Abteilungen und deren Azubis arbeiten Mo-Sa mit einem Tag frei flexibel und von 10:00-19:00. Wir haben immer Montags 8 Stunden Schule und Dienstags alle 14 Tage 6 Stunden. Bereits bei den 6 Stunden Dienstags wurde uns gesagt, dass wir dann 2 Stunden Minus bekommen. Ich habe schon eine Ausbildung abgeschlossen und da war es nie so, da waren 6 Schulstunden ein voller Arbeitstag und nur unter 6 musste man nochmal arbeiten. Und dann wurde uns heute mitgeteilt das wir jetzt 10 Minusstunden bekommen haben, weil wir in der ersten Arbeitswoche nur Donnerstag und Freitag arbeiten gekommen sind. Da uns gesagt wurde, wir müssen Samstag nicht kommen. Aber alle anderen Abteilungen/Azubis waren den Samstag arbeiten, da es ja deren normale Arbeitstage sind.

Also ich hab den Eindruck das ist nicht rechtens, vorallem weil uns gesagt wurde wir müssen nicht kommen. Denn wir wären ja gekommen wenn uns das jemand gesagt hätte. Nun wissen wir gar nicht wie wir die ganzen Minusstunden die sich anhäufen, bereits in der dritten Ausbildungswoche, überhaupt abarbeiten sollen. Uns wird gesagt wir sollen einfach jeden Tag etwas länger bleiben, aber früher kommen nicht, denn vor 08:00 zählt es nicht als Arbeitszeit. Obwohl wir jetzt auch schon öfter mal eine halbe Stunde früher gekommen sind. Wir empfinden das als unfair, aber bevor ich das anspreche möchte ich mich informieren und etwas nachweisen können.

Also vielen Dank im Vorraus 

louica: 16.09.2022 |
  • RE: Minusstunden in der Ausbildung

    Hallo lieber Azubi, 

    schön, dass du dich an das Forum wendest. Da läuft es wirklich nicht richtig, ihr könnt kein Minus haben, wenn ihr erst ab 01.09.2022 angefangen habt. 

    Auch für Azubis über 18 Jahre gibt es Beschränkungen bei der Arbeitszeit. Die tägliche Höchstarbeitszeit liegt bei acht Stunden (§ 3 Arbeitszeitgesetz). Sie kann zwar auf zehn Stunden täglich und 60 Stunden wöchentlich verlängert werden – aber nur wenn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird. Für volljährige Azubis gibt es keine gesetzliche Regelung, welche die Fünf-Tage-Woche vorschreibt, der Samstag ist im Arbeitszeitgesetz ein ganz normaler Werktag. Volljährige dürfen in bestimmten Branchen auch am Sonntag und an Feiertagen beschäftigt werden, wenn die Arbeit nicht an anderen Tagen erledigt werden kann (§§ 9,10 Arbeitszeitgesetz). Allerdings müssen mindestens 15 Sonntage im Jahr arbeitsfrei sein. Außerdem steht dir für die Beschäftigung an Sonntagen ein Ersatzruhetag zu, der innerhalb von zwei Wochen gewährt werden muss. Für die Beschäftigung an einem Feiertag, der auf einen Werktag fällt, steht dir ein Ersatzruhetag zu, der innerhalb von acht Wochen gewährt werden muss (§ 11 Arbeitszeitgesetz). 

    Du darfst also nach dem Arbeitszeitgesetz an sechs Tagen pro Woche durchschnittlich 48 Stunden arbeiten. Trotzdem gilt für fast alle volljährigen Azubis ebenfalls die Fünf-Tage-Woche, weil sie in Tarifverträgen festgelegt ist. Und auch die Arbeitszeit ist oft in Tarifverträgen deutlich niedriger festgelegt. Bei deiner Gewerkschaft kannst du erfragen, ob es für deinen Ausbildungsberuf einen bindenden Tarifvertrag gibt.

    Auch bei Azubis über 18 Jahren muss die Arbeitszeit durch im Voraus feststehende Pausen unterbrochen werden. Arbeitspausen sind einerseits aus biologischen Gründen notwendig, andererseits dienen sie dazu, Überlastung und Unfallrisiken zu vermeiden. Die Pause muss bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden mindestens 30 Minuten lang sein und bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden mindestens 45 Minuten. Du darfst nicht länger als sechs Stunden ohne Ruhepause beschäftigt werden (§ 4 Arbeitszeitgesetz). 

    Falls dein Betrieb sich nicht an das Arbeitszeitgesetz hält, kannst du ihn bei der Gewerbeaufsicht anzeigen.

    Seit dem 01.01.2020 wird die Berufsschulzeit unabhängig vom Alter angerechnet. Damit ist auch die Anrechnung für volljährige Auszubildende gesichert. Sie dürfen nach einem langen Berufsschultag nicht mehr zurück in die Arbeit. 

    Ein Berufsschultag, der mehr als fünf Unterrichtsstunden von min. 45 Minuten umfasst, muss mit der durchschnittlichen täglichen Ausbildungszeit angerechnet werden (§ 15 Berufsbildungsgesetz, § 9 Jugendarbeitsschutzgesetz). Allerdings nur einmal die Woche. Wenn es zwei Berufsschultage gibt, wird beim zweiten Tag nur noch die Unterrichtszeit einschließlich der Pausen angerechnet. Unter Umständen kann es sein, dass du an diesem Tag noch in die Arbeit musst. In diesem Fall wird der Weg von der Berufsschule in den Betrieb ebenfalls auf die Arbeitszeit angerechnet. Ist die Zeit, die der Azubi nach der Berufsschule noch im Ausbildungsbetrieb verbringen kann zu kurz, um dem Ausbildungszweck zu dienen – nämlich weniger als 30 Minuten - kann der Ausbilder die Rückkehr des Azubis nicht verlangen. Etwas anderes gilt bei Blockunterricht: Beträgt der Unterricht in der Blockwoche mindestens 25 Stunden und sind diese auf fünf Tage verteilt, wird die Blockwoche mit der durchschnittlichen wöchentlichen Ausbildungszeit angerechnet. Während der Blockwoche sind allerdings betriebliche Ausbildungsveranstaltungen bis zu zwei Stunden in der Woche zulässig. Grundsätzlich gilt immer: An einem vor 9 Uhr beginnenden Berufsschultag dürfen Auszubildende nicht beschäftigt werden. Falls dein Betrieb sich nicht an das Arbeitszeitgesetz hält, kannst du ihn bei der Gewerbeaufsicht anzeigen.

    Bitte wende dich an deine Gewerkschaft und lass dich dort beraten. Dann bist du in guten Händen falls wirklich etwas passiert:

    Wenn du weitere Unterstützung oder Rückendeckung brauchst, kannst du dich auch jederzeit an deine örtliche Gewerkschaft wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

    Verdi Sitz des Landesbezirks Hessen
    Wilhelm-Leuschner-Straße 69-77
    60329 Frankfurt/Main

    Tel.: 069/2569-0
    Fax: 069/2569-2099
    E-Mail: lbz.hessen@verdi.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_einer Jugendsekretär_in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monate.

    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

       

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi   

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 19.09.2022


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