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Dr. Azubi

Meine Firma will mich loswerden

Erst mal guten tag 

ich bin jetzt im 3 lehrjahr und gleich am anfang dieses lehrjahres drück meine firma mir eine abmahnung rein wegen meiner meinung nach dummen gründen mir wurde ein ultimatum gesetzt wenn ich bis dahin keine nachhilfe habe werde ich fristlos gekündigt ich habe schonmal den betrieb gewechselt und momentan weiß ich nicht ob ich für die firma noch arbeiten möchte nur weiß ich nicht weiter und bitte aufmerksam um hilfe hier.

Grüße

RE: Meine Firma will mich loswerden

Hallo!

Vielen Dank für deine Nachricht im Forum, wir freuen uns dass du dich mit deinem Anliegen an uns wendest, auch wenn der Grund dafür sicherlich nicht zum freuen ist.

Zuerst mal zur Abmahnung, die war sicherlich ein Schock.

Eine Abmahnung soll dir deutlich zu verstehen geben, dass dein Ausbilder mit deiner Leistung oder deinem Verhalten nicht zufrieden ist. Damit die Abmahnung formal richtig ist, muss ganz genau drin stehen, welche Pflichtverletzung dir zum Vorwurf gemacht wird. Außerdem muss dir eine Abmahnung auch immer die Kündigung androhen, falls du deine Leistung oder dein Verhalten nicht änderst. Es gibt eine Faustregel, die besagt, dass der Kündigung eines Azubis mindestens zwei Abmahnungen vorausgehen müssen (Ausnahme: Bei groben Vergehen wie zum Beispiel Diebstahl kann auch ohne Abmahnung gekündigt werden).

Per Gesetz hat der Ausbilder nämlich „erzieherische Pflichten“, was im Klartext bedeutet, dass du erst mal durch die Abmahnung die Chance bekommst, dazuzulernen. Deshalb muss die Abmahnung auch relativ bald nach deiner Pflichtverletzung ausgesprochen werden, also nicht zum Beispiel ein Jahr später, denn dann kannst du ja nichts mehr ändern! Bei minderjährigen Auszubildenden muss die Abmahnung auch dem gesetzlichen Vertreter (in der Regel deine Eltern) zur Kenntnis gebracht werden.

Wann ist eine Abmahnung nicht gerechtfertigt? Zunächst mal dann, wenn sie inhaltlich falsch ist und du die Sache ganz anders siehst. Eine Abmahnung kann aber auch rechtlich ungerechtfertigt sein. Eine Abmahnung wegen schlechter Noten ist zum Beispiel in der Regel ungerechtfertigt, weil du nichts dafür kannst, wenn du in der Schule nicht gut bist, obwohl du den Unterricht besuchst und lernst. Auch ist es normal, dass Auszubildende Fehler machen, denn schließlich sind sie ja im Betrieb um zu lernen.

Was kannst du tun, wenn die Abmahnung deiner Meinung nach ungerechtfertigt ausgesprochen ist? Dann kannst du eine Gegendarstellung schreiben. Man Abmahnungen auch gerichtlich anfechten.

Manchmal kann es aber auch klug sein, die Abmahnung einfach hinzunehmen und Gras über die Sache wachsen zu lassen, vor allem dann, wenn du dich grundsätzlich gut mit deinem Ausbilder verstehst. Nach frühestens eineinhalb Jahren verliert die Abmahnung dann ihre Gültigkeit, sie verjährt sozusagen.

Achtung: Falls es plötzlich Abmahnungen hagelt, kann das ein Zeichen dafür sein, dass dein Ausbilder dich loswerden will und deine Kündigung vorbereitet. Dann solltest du dich umgehend bei deiner Gewerkschaft beraten lassen.

Nun zur fristlosen Kündigung die dir angedroht wurde. Das ist schon eine gewagte Drohung, denn einen Azubi kann man immer nur aus ganz bestimmten und wichtigen Gründen kündigen.

Solltest du also eine Kündigung bekommen, aus diesem oder einem anderen Grund, gilt es die Gründe genau zu durchleuchten!

Wir empfehlen dir, dringend, gegen die Kündigung vorzugehen. Auch dann, wenn du nicht mehr in den Betrieb zurück gehen möchtest. Handle schnell, denn du hast nur drei Wochen Zeit, etwas gegen die Kündigung zu unternehmen. Danach ist sie wirksam.

Deshalb empfehlen wir dringend in so einem Fall im Wege der Kündigungsschutzklage zu wehren, idealerweise durch den gewerkschaftlichen Rechtsschutz.

Hier die rechtlichen Grundlagen dazu:

Nach der Probezeit ist eine Kündigung nur in absoluten Ausnahmefällen möglich. Das Berufsausbildungsverhältniskann von deinem_r Ausbilder_in nur außerordentlich und fristlos (das heißt von heute auf morgen) gekündigt werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§ 22 Berufsbildungsgesetz).

Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

  • Häufiges Zu-Spät-Kommen in der Arbeit/Berufsschule

  • Urlaubsantritt ohne Genehmigung

  • Mehrmaliges unentschuldigtes Fehlen in der Arbeit/Berufsschule

  • Trotz Aufforderung nicht geführte schriftliche Ausbildungsnachweise (Berichtsheft)

  • nachgewiesener Diebstahl

  • Anwendungen von Gewalt und krasse Beleidigungen in Betrieb/Berufsschule

Selbst wenn diese Gründe vorliegen, muss man in deinem Fall noch genau prüfen, ob sie für eine fristlose Kündigung ausreichen. Unsere Erfahrung zeigt, dass fristlose Kündigungen oft nicht rechtens sind.

Bei leichten Pflichtverletzungen oder Vergehen ist eine fristlose Kündigung erst dann erlaubt, wenn du dein Verhalten nicht änderst, obwohl du von deinem Betrieb schon öfter eine Abmahnung dafür bekommen hast. Du musst deshalb normalerweise mindestens zwei Abmahnungen für das gleiche Vergehen (!) bekommen haben, bevor du gekündigt werden kannst. Es gibt hier aber keine generelle Regelung. Je nach Schwere des Pflichtverstoßes kann auch eine Abmahnung ausreichen.

Keine Kündigungsgründe sind:

  • Fehlerhafte oder schlechte Leistungen in Betrieb/Berufsschule

  • Krankheit

Eine Kündigung muss immer schriftlich sein. Die Gründe müssen dabei genau angegeben werden, sonst ist die Kündigung nicht wirksam.

Wie du siehst sind die Gründe sehr streng und es ist nicht einfach einen Azubi zu kündigen. Falls dein Ausbilder also weiter Druck auf dich ausübt, lass dich nicht unterkriegen. Gerade weil du ja schon im 3. Jahr bist.

Falls man dir einen Aufhebungsvertrag anbietet, unter dem Vorwand dass man dich sonst eh kündigen würde, weißt du ja jetzt Bescheid, dass das nicht so leicht geht. Ein Aufhebungsvertrag wird nämlich nur wirksam, wenn beide Parteien zustimmen.

Du hast auch angesprochen, dass dein Betrieb von dir verlangt Nachhilfe zu nehmen. Dazu habe ich auch ein paar Informationen, falls du es in Betracht ziehst.

Es gibt ein staatliches Nachhilfeangebot, die „Ausbildungsbegleitende Hilfen“.Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) haben das Ziel, deinen Ausbildungserfolg zu sichern. Sie können dir bei Bedarf zu Beginn und jederzeit während der Ausbildung oder Einstiegsqualifizierung gewährt werden. Ein spezieller Unterricht und gegebenenfalls begleitende sozialpädagogische Betreuung tragen zum Abbau von Sprach- und Bildungsdefiziten bei und/oder fördern das Erlernen fachtheoretischer Kenntnisse und fachpraktischer Fertigkeiten. Das Gute dabei, es entstehen dir keinerlei Kosten. Der Zeitaufwand für abH beträgt 3–8 Stunden pro Woche. Wende dich also am besten einmal an deine Berufsschule und die örtliche Agentur für Arbeit, wenn du merkst, dass du Probleme in deiner Ausbildung hast.

Ich hoffe die Informationen haben die ein wenig weitergeholfen. Ich hoffe das Verhältnis zu deinem Ausbilder verbessert sich und du kannst deine Ausbildung in Frieden abschließen!

Falls nicht, scheu nicht davor deine örtliche Gewerkschaft zu kontaktieren. Wir helfen dir gerne bei jedem Anliegen weiter und wollen mit dir deine Rechte durchsetzen.

Hier ein Kontakt für dich:

IG Metall - Darmstadt

Strasse / Nr. Rheinstr. 50/I

PLZ / Ort: 64283 Darmstadt

Telefon: +49 6151 36670

E-Mail: darmstadt@igmetall.de

Homepage: www.igmetall-darmstadt.de

Da kannst du anrufen, nach einem_einer Jugendsekretär_in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat.

Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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