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Unwohlsein in Ausbildung

Hallo,

wir haben mindestens einmal die Woche eine Woche lang ein Weiterbildungsseminar. Leider fühle ich mich bei diesen ziemlich unwohl/ sie gehen mir mittlerweile auf die Psyche.

Ich habe den Ausbildungsplatz mit dem Wissen, dass ich sehr introvertiert und ruhig bin bekommen. Auch die 4 monatige Probezeit hatte ich überstanden. Im Betrieb und der Berufsschule habe ich damit auch keine großen Probleme. Allerdings fühle ich mich bei den Weiterbildungsseminaren sehr schlecht. Ich bin durchgehend nervös und ängstlich, ich bekomme mittlerweile schweißausbrüche und weine oft. Von den Inhalten bekomme ich dadurch sehr wenig mit. Ständig macht sich der Seminarleiter über mich lustig und ich werde von den anderen Auszubildenden ausgelacht. Ich werde als schwacher Auszubildender bezeichnet, mit anderen vor allen verglichen und bloßgestellt. Vor kurzen habe ich den Seminarleiter darauf angesprochen und er meinte, dass es alles nur Spaß ist. Geänderst hat sich nach dem Gespräch nichts. 

Mittlerweile denke ich darüber nach für einige Zeit in eine Psychiatrie zu gehen. Ich habe allerdings Sorge, dass die Ausbildungszeit nicht verlängert wird oder diese nicht erneut verlängert wird, falls ich beispielsweise die Zwischenprüfung/Prüfung nicht schaffen sollte. Am liebsten wäre es mir, wenn sich das Problem mit dem Seminarleiter lösen lässt und ich die Ausbildung normal fortsetzen kann. 

Kira: 11.05.2022 |
  • RE: Unwohlsein in Ausbildung

    Hallo!

    Vielen Dank für deine Nachricht im Forum, ich freue mich dass du dich mit deinem Anliegen an uns wendest, auch wenn der Grund dafür nicht zum freuen ist.

    Du hast dich vollkommen korrekt verhalten. Es war gut, dass du in deinem Seminar den Dialog gesucht hast und ich finde, dein Seminarleiter hat nicht sehr besonnen reagiert. Ich kann aber auch sehr gut verstehen, dass es eine extreme Belastung ist, ständig mit dem Seminarleiter konfrontiert zu sein. Da kommt man einfach nicht zu Ruhe und muss doch ständig befürchten, dass das wieder losgehen könnte.

    Es ist auf jeden Fall sehr wichtig, dass du dich gegen den psychischen Druck wehrst, denn dadurch verlierst du ja nicht nur alle Freude an deiner Ausbildung, sondern diese schlechte Behandlung macht auf Dauer auch krank! Hier sind ein paar Tipps für dich:

    • Es ist wichtig, dass du mit Menschen deines Vertrauens über deine Probleme am Ausbildungsplatz sprichst. Wenn du es nur runterschluckst, werden sich die Erfahrungen bald auf deine Seele oder deinen Körper auswirken, z. B. Schlafstörungen, Depressionen, Magen-Darmprobleme.

    • Du solltest sofort anfangen, ein Tagebuch über die Vorkommnisse zu führen. Wer hat was, wann zu wem gesagt und wer war noch dabei? Oder wer hat wann was getan und wer war noch dabei? Schreib dir alles möglichst genau auf. Auf dieses Tagebuch kannst du dann später zurückgreifen, es kann sehr nützlich sein, wenn du dich wehren willst.

    • Du solltest möglichst früh Stellung beziehen, wenn du mit dem Verhalten von Kollegen oder Vorgesetzten dir gegenüber oder auch gegenüber anderen nicht einverstanden bist. Sage klar und deutlich, wenn du etwas nicht in Ordnung findest und benenne genau, was es ist! Denn so verschaffst Du Dir Respekt.

    • Bitte die Person zu einem Gespräch. Überlege dir vor dem Gespräch einige Situationen und Beispiele, in denen das Verhalten der Person besonders verletzend und offensichtlich war. Beginne in dem Gespräch deine Sätze mit „Ich“. Sage also nicht: „Sie kritisieren mich ständig!“ sondern „Ich fühle mich ständig von Ihnen kritisiert und oft empfinde ich die Kritik als nicht gerechtfertigt!“. Versuche sachlich und selbstkritisch zu bleiben. Das Gespräch solltest du nicht alleine führen. Es ist sehr empfehlenswert, eine Person deines Vertrauens oder bestenfalls ein Betriebsratsmitglied mitzunehmen. Es ist auch empfehlenswert, das Gespräch zu protokollieren.

    • Dein Ausbilder hat dir gegenüber eine Fürsorgepflicht; d.h. er hat die Pflicht dich vor seelischer und körperlicher Gefährdung zu schützen. Er muss deine Anliegen ernst nehmen und du kannst ihn um Hilfe bitten. Diese Möglichkeit solltest du unbedingt auch in Anspruch nehmen. Falls dein Ausbilder dein Anliegen nicht ernst nimmt, kann das für dich auch ein Kündigungsgrund darstellen.

    • Mobbing macht krank. Von daher ist es nicht verwunderlich, falls du unter psychosomatischen Problemen wie Schlafstörungen, Magen-/Darmprobleme, Herz-/Kreislaufprobleme oder unter psychischen Problemen wie Weinkrämpfe, depressive Verstimmungen, Angstsymptome leidest. Wenn die Belastung zu groß wird, solltest du einen Arzt aufsuchen und dich krankschreiben lassen.

    • Falls dein Betrieb dich loshaben will und dir grundlose Abmahnungen erteilt oder dich kündigt, solltest du schnell reagieren und dich zur Wehr setzen. Hole dir hierbei auf jeden Fall Hilfe bei deiner zuständigen Gewerkschaft. Hier ist ein Kontakt für dich:

    ver.di – Bezirk Frankfurt/Main

    60329 Frankfurt/Main – Wilhelm-Leuschner-Straße 69 - 77

    Tel.: 069/2569-0

    E-Mail: service.hessen@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_einer Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

    • Wenn du deinen Ausbildungsplatzwechseln musst, weil du gemobbt wirst, hast du eventuell Anspruch auf Schadensersatz gegenüber deinem Betrieb. Hier solltest du dich auch unbedingt an deine zuständige Gewerkschaft wenden.
    • Solltest du weitergehende Hilfe in Anspruch nehmen wollen, gibt es eine Übersicht für Mobbingberatungsstellen unter folgendem Link: http://www.work-watch.de/2012/10/hilfestellung-bei-mobbing/

    Ich hoffe ich konnte dir ein wenig weiterhelfen und wünsche dir ganz viel Kraft die Schwierigkeiten durchzustehen. Alles Gute für dich!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 13.05.2022


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