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Dr. Azubi

Übernahme nach der Ausbildung - Zwischenlösung?

Hallo Dr. Azubi,

ich stehe vor einem kleinen Dilemma.

Ich werde meine Ausbildung voraussichtlich im Juni/Juli beenden. Mir war von vornherein klar, dass ich es nicht auf der Ausbildung beruhen lassen will und habe mich dementsprechend nach einem dualen Studienplatz umgeschaut - und auch einen bei einem anderen Unternehmen gefunden. Das Studium beginnt aber erst ab Oktober 2022.

Mein jetziges Unternehmen möchte mich auf jeden Fall übernehmen. Jetzt stellt sich für mich nur die Frage - soll ich 'frech' sein, das Angebot von denen annehmen und gem. gesetzlicher Kündigungsfrist im Sommer wieder kündigen? Oder kann dem etwas im Wege stehen?

Eigentlich möchte ich nicht so gemein sein, aber ich habe auch keine Lust, für diese kurze Zwischenphase arbeitslos zu sein oder mir was anderes suchen zu müssen...

Liebe Grüße

RE: Übernahme nach der Ausbildung - Zwischenlösung?

Hallo!

Vielen Dank für deine Nachricht im Forum, ich freue mich dass du dich mit deinem Anliegen an uns wendest und hoffe ich kann dir weiterhelfen.

Das hast du gut durchdacht, es ist wichtig sich über so etwas Gedanken zu machen und sich für seine Schritte gut zu informieren.

Es gibt einige Sachen die du beachten musst, ich versuche mal alles zusammenzufassen.

Falls in dem dir angebotenen Vertrag eine Probezeit vereinbart ist, kannst du ohne Angabe von Gründen mit 2 Wochen Frist jederzeit kündigen, innerhalb der Probezeit (max. 6 Monate).

Regelmäßig wird auf eine Probezeit aber verzichtet, wenn man einen neuen Vertrag innerhalb des Betriebs bekommt, in dem man schon arbeitet. Vor allem deshalb, weil man in der Probezeit auch vom Arbeitgeber ohne Angabe von Gründen gekündigt werden kann. Die Funktion der Probezeit ist, dass sich beide Parteien in den ersten 6 Monaten „kennenlernen“ können und problemlos aus dem Vertragsverhältnis austreten können, wenn es nicht gefällt. Wenn man sich aber schon jahrelang kennt, ist diese einfache Kündigung durchaus ein Risiko für Arbeitnehmer:innen. Da du aber hier die bist, der kündigen möchte, ist eine Probezeit für dich von Vorteil.

Falls keine Probezeit vorgesehen ist, kann es aber sein, dass du trotzdem „ordentlich“ kündigen kannst (§ 622 BGB).

Ob du „ordentlich“ (also mit 4 Wochen-Frist) kündigen kannst, richtet sich vor Allem danach, ob es sich bei dem dir angebotenen Arbeitsvertrag um einen befristeten oder unbefristeten Vertrag handelt.

Wenn du einen unbefristeten Vertrag angeboten bekommst, hast du das gesetzliche „ordentliche“ Kündigungsrecht. Sollte jedoch ein befristeter Vertrag im Raum stehen, kann es sein dass die ordentliche Kündigung nicht möglich ist. Das liegt vor allem an dem zeitlich begrenzten Charakter eines befristeten Vertrags und das damit gegenseitige Vertrauen auf die vereinbarte Vertragslaufzeit.

Eine vorzeitige ordentliche Kündigung – sei es durch den Arbeitgeber oder den Arbeitnehmer – ist gemäß § 15 Absatz 3 TzBfG nur dann möglich, wenn ein solches Kündigungsrecht entweder in einem gültigen Tarifvertrag oder in dem befristeten Arbeitsvertrag selbst ausdrücklich vorgesehen ist. Fehlt eine entsprechende tarifliche oder individuelle Vereinbarung, so ist eine ordentliche Kündigung ausgeschlossen.

Auch an dieser Stelle gilt also: Genau nachschauen, was in deinem Vertrag steht.

Falls du nicht genau weißt, welcher Tarifvertrag für dich gilt, in dem du nachschauen könntest oder du genereller mehr Auskünfte zu dem Thema haben möchtest, empfehle ich dir bei deiner Gewerkschaft vor Ort nachzufragen. Die wissen nämlich bestens Bescheid und können dir eine belastbare Info geben. Hier ein Kontakt für dich:

ver.di – Bezirk Würzburg

97080 Würzburg – Berliner Platz 9

Tel.: 0931/32106-0

E-Mail: bz.wue-ab@verdi.de

Da kannst du anrufen, nach einem_einer Jugendsekretär_in fragen und sagen, dass du von Dr. Azubi kommst. Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monate.

Um auch kurz auf deine Bedenken einzugehen: Mach dir da mal keinen Kopf! Es kann natürlich sein, dass du zu deinem Ausbilder ein so gutes Verhältnis hast, dass du es ihm erzählen kannst und man mit Blick auf deine persönliche Entwicklung Verständnis für den Schritt hat. Falls du da aber Zweifel hast, solltest du es vielleicht nicht erwähnen. Schließlich ist es ein Unternehmen das wirtschaftlich denkt und im Zweifel sicherlich auch so strategisch gegen dich oder andere Arbeitnehmer:innen vorgehen würde.

Deinen persönlichen Werdegang solltest du da nicht zurückstellen. Das ist ein starker Schritt und ich wünsche dir viel Erfolg!

Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

Dies war ein Service deiner Gewerkschaft.

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

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