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Dr. Azubi

Ausbildungsabbruch

Hallo Dr. Azubi, 

ich habe momentan ein riesiges Problem. Ich habe mir durch meine Arbeit beide Knie kaputt gemacht (Meniskusriss durch Verschleiß links, welcher genäht wurde. Auf der rechten Seite besteht der selbe Verdacht) . Es geht auch jetzt schon in die Prüfung wegen einer Berufskrankheit. Ich habe jetzt noch ein halbes Jahr Ausbildung, allerdings würden meine Knie dadurch nicht besser werden. Lohnt sich dieses halbe Jahr Ausbildung noch, wo ich mir dann mein Knie weiter kaputt machen würde? Da es ja klar ist, dass ich in diesem Beruf nie wieder arbeiten kann..

LG 

Hanka 

RE: Ausbildungsabbruch

Liebe Hanni,

vielen Dank für deine Anfrage im Forum.

Ich wünsche dir auf jeden Fall im ersten Schritt gute Besserung und hoffe du findest einen guten Weg für dich.

Das lässt sich aus der Ferne schwer beurteilen. Auf jeden Fall sollte deine Gesundheit an erster Stelle stehen und ich rate dir mit deinem behandelnden Arzt zu sprechen und ihn nach seiner Meinung zu fragen ob du noch ein halbes Jahr weiter in deinem Beruf arbeiten kannst oder ob das nicht möglich ist.

Wenn dir nicht mehr als 10-15 % deiner Ausbildungszeit fehlen (durch Krankheit) kannst du auch noch an deiner Prüfung teilnehmen.

Eine abgeschlossene Ausbildung ist auf jeden Fall eine gute Grundlage für dich, auch wenn du in dem Beruf nicht mehr weiter arbeiten kannst. So hast du schon einmal einen Abschluss auf dem du dann aufbauen kannst. Vielleicht kannst du deine Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzen und jetzt schon an der Prüfung teilnehmen.

Dein Ausbildungsverhältnis kann aufgrund von Vorbildung verkürzt werden (§ 7, 8 Berufsbildungsgesetz). Die Bundesländer können dabei unterschiedliche Regelungen erlassen. In der Regel kannst du aber aus folgenden Gründen verkürzen:

1. Falls du in demselben Beruf bereits Ausbildungszeit zurückgelegt hast wird dir diese Zeit voll anerkannt. Auch Ausbildungszeiten in einem ähnlichen Beruf können teilweise anerkannt werden.

2. Wenn du vor der Ausbildung eine Berufsfachschule besucht hast, kann dir das ganz oder teilweise auf deine Ausbildungszeit angerechnet werden.

3. Auch aufgrund von allgemeinbildenden Schulabschlüssen kannst du die Ausbildung verkürzen.

 

  • Bei Realschülern kann die Ausbildung um ein halbes Jahr verkürzt werden.
  • Bei Abiturienten kann die Ausbildung um maximal 1 Jahr gekürzt werden
  • Bei Fachhochschulreife in der entsprechenden Fachrichtung ist eine Kürzung bis zu 2 Jahren möglich.


Es ist auch möglich, einen Antrag auf Verkürzung zu stellen, wenn zu erwarten ist, dass du das Ausbildungsziel in der gekürzten Dauer erreichen wirst (beispielsweise bei einer Teilzeitberufsausbildung). Die Verkürzung aufgrund von Vorbildung soll möglichst gleich beim Vertragsabschluss erfolgen. Sie muss aber spätestens so rechtzeitig beantragt werden, dass mindestens noch ein Jahr an Ausbildungszeit verbleibt.

Eine Verkürzung aufgrund von Punkt 1 erfolgt in der Regel automatisch durch die zuständige Stelle, trotzdem solltest du darauf achten. Eine Verkürzung nach Punkt 2 & 3 musst du gemeinsam mit deinem Ausbilder bei der zuständigen Stelle beantragen: Du brauchst also das Einverständnis deines Ausbilders. Ihr solltet den Antrag gleich zu Beginn der Ausbildung stellen. Es ist aber auch möglich, den Antrag noch im Verlauf der Ausbildung zu stellen. Die verkürzte Ausbildungszeit wird dann in deinen Ausbildungsvertrag eingetragen. Bei Fragen wende dich an die zuständige Stelle (siehe Stempel auf deinem Ausbildungsvertrag zum Beispiel IHK, oder Innung).

Achtung: Wenn dir aufgrund von Punkt 1 oder Punkt 2 deine Vorbildung auf die Ausbildungszeit angerechnet wird, wird die gekürzte Zeit in Bezug auf deine Ausbildungsvergütung als Ausbildungszeit gewertet, die du bereits verbracht hast. Im Klartext: Wenn du um ein Jahr verkürzt, beginnst du deine Ausbildung bereits im 2. Ausbildungsjahr und hast Anspruch auf die Vergütung des 2. Ausbildungsjahres! Wenn du nach Punkt 3 verkürzt, hast du keinen Anspruch auf die höhere Vergütung.

Wenn du überdurchschnittliche Leistungen während der Ausbildung - insbesondere in der Zwischenprüfung - erbringst, kannst du bei der zuständigen Stelle einen Antrag auf Ausbildungszeitverkürzung stellen (§ 45 Berufsbildungsgesetz). Für den Antrag reicht in der Regel die Note „gut“ (im Durchschnitt min. 2,49) in allen prüfungsrelevanten Fächern. Die zuständige Stelle befragt dann deinen Ausbilder und die Berufsschule, ob sie dem Antrag zustimmen. Dann entscheidet die zuständige Stelle, und du erhältst einen Bescheid. Leider richten sich die Entscheidungen über eine Ausbildungszeitverkürzung oft nach der Meinung deines Ausbilders und dummerweise wollen Betriebe ihre besten Azubis selten früher ziehen lassen. Trotzdem: Falls du in der Zwischenprüfung überdurchschnittliche Ergebnisse hast, solltest du sofort den Antrag stellen! Gegen einen ablehnenden Bescheid kannst du gemeinsam mit deiner Gewerkschaft Widerspruch einlegen.

Die Abkürzungsmöglichkeiten können auch nebeneinander berücksichtigt werden. Du kannst also zum Beispiel zunächst aufgrund deiner Vorbildung verkürzen und dann noch einmal aufgrund überdurchschnittlicher Leistungen in der Zwischenprüfung. Allerdings sollten bestimmte Mindestzeiten einer Ausbildung nicht unterschritten werden.

  • Bei einer Regelausbildungszeit von 3,5 Jahren sollte die Ausbildung mindestens 24 Monate dauern.
  • Bei einer Regelausbildungszeit von 3 Jahren sollte die Ausbildung mindestens 18 Monate dauern.
  • Bei einer Regelausbildungszeit von 2 Jahren sollte die Ausbildung mindestens 12 Monate dauern.

Wenn du noch weitere Unterstützung brauchst, dann kannst du dich auch an deine zuständige Gewerkschaft vor Ort wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

ver.di Köln
Hans-Böckler-Platz 9
50672 Köln

Tel.: 0221 48558-0
Fax: 01805 837343 - 23103
E-Mail: service-west.nrw@verdi.de

Viel Erfolg! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

Liebe Grüße

Dr. Azubi

P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

 

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