Deutscher Gewerkschaftsbund

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Ausbildung ohne Betrieb beenden

hallöchen 😆

ich habe eine Frage und zwar habe ich seit einiger Zeit immer wieder kleinere Probleme mit dem betrieb ich bin im Mai mit der Ausbildung fertig aber möchte diese Ausbildung bis dort hin ohne Betrieb beenden oder mit einem anderen Betrieb Beenden 

Auf uns mit arbeiter wird keine Rücksicht gegeben man kann keine Arzt Termine festlegen wir Arbeiten viel zu lange und werden dafür nicht rechtens bezahlt 

ich arbeite auf Montage jeden Tag 12 Stunden und dass 2 oder 3 Wochen am Stück auf Montage gibt es kein Wochenende Feiertag oder der gleichen wir arbeiten komplett durch ohne Zuschläge oder sonstigem und wir bekommen dass zum Teil erst 2 3 Tage davor mit dass es auf Montage geht 

ich habe zudem skoliose und die langen arbeits Tage wirken sich darauf nicht gerade gut aus vor kurzem mussten wir Möbel zwischen dem 1. und 5. Stock verteilen alles von Hand tragen etc. ohne jegliche Rücksicht 

Zum Teil sind wir mehr im Ausland wie zuhause und dass für den mickrigen Lohn find ich ein bisschen scheiße 

Zb wir fragen nach der Corona Prämie die jeder in einem normalen Betrieb bekommen hat da der Chef durch die Prämie ja nichts zu verlieren hat unser Chef hingegen sagt er wüsste nicht wie man die Prämie beantragt obwohl er das ganz genau weis Save hat er die ein kassiert oder sonst was ich habe absolut keine Lust mehr auf diesen betrieb da ich meiner Meinung nach nur noch ausgenutzt werde und alles schnell schnell und perfekt gemacht werden muss und wenn man krank ist Termine hat keiner Rücksicht nimmt und eben viele Dinge nicht richtig laufen

es gibt leider noch viel mehr Dinge die es zu bemängeln gibt 😐

aber ja kann ich diese Ausbildung ohne Betrieb beenden wer würde die Ausbildungs Vergütung übernehmen etc 

Küche123: 10.01.2022 |
  • RE: Ausbildung ohne Betrieb beenden

    Hallo Küche123!

    vielen Dank für deine Anfrage im Forum.

    Deine Arbeitszeiten klingen wirklich sehr belastend.
    Grundsätzlich gibt es auch für Azubis über 18 Jahre Beschränkungen bei der Arbeitszeit. Die tägliche Höchstarbeitszeit liegt bei acht Stunden (§ 3 Arbeitszeitgesetz). Sie kann zwar auf zehn Stunden täglich und 60 Stunden wöchentlich verlängert werden – aber nur wenn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird. Für volljährige Azubis gibt es keine gesetzliche Regelung, welche die Fünf-Tage-Woche vorschreibt, der Samstag ist im Arbeitszeitgesetz ein ganz normaler Werktag. Volljährige dürfen in bestimmten Branchen auch am Sonntag und an Feiertagen beschäftigt werden, wenn die Arbeit nicht an anderen Tagen erledigt werden kann (§§ 9,10 Arbeitszeitgesetz). Allerdings müssen mindestens 15 Sonntage im Jahr arbeitsfrei sein. Außerdem steht dir für die Beschäftigung an Sonntagen ein Ersatzruhetag zu, der innerhalb von zwei Wochen gewährt werden muss. Für die Beschäftigung an einem Feiertag, der auf einen Werktag fällt, steht dir ein Ersatzruhetag zu, der innerhalb von acht Wochen gewährt werden muss (§ 11 Arbeitszeitgesetz).

    Wenn du es in deinem Betrieb überhaupt nicht mehr aushalten solltest, könntest du dich mal erkundigen, ob du als externer Prüfling zur Abschlussprüfung zugelassen werden könntest.

    Ob deine bisher verbrachte Ausbildungszeit dazu ausreicht (sprich: du in deinem jetzigen Betrieb kündigen oder einen Aufhebungsvertrag unterzeichnen könntest, weil du es dort nicht mehr aushältst), müsstest du bei der zuständigen Kammer (IHK oder HWK) erfragen - das ist die entscheidungstragende Instanz. Grundsätzlich ist es so, dass man in seiner Ausbildung etwa 10% Fehlzeiten (12-15 Wochen) haben darf, um zur Abschlussprüfung zugelassen zu werden. Aber das mit den 10% ist eine Faustregel - kein Gesetz. Dabei sind auch immer Ausnahmeregelungen möglich.

    Der Nachteil, die Abschlussprüfung als externer Prüfling abzulegen ist übrigens, dass du die Prüfungsgebühren selbst tragen musst und dich selbstständig frühzeitig zur Abschlussprüfung anmelden musst.

    Außerdem ist es natürlich nicht ideal als externer Prüfling in die Prüfung zu gehen, wenn du noch wichtige Dinge für das Bestehen der Abschlussprüfung lernen müsstest. Und: Wenn du kündigst giltst du unter Umständen als mitschuldig am Verlust deines Arbeitsplatzes und riskierst eine Sperre des Arbeitslosengeldes. Ausbildungsgehalt bekommst du dann auch nicht mehr weiter.

    Vielleicht kannst du auch nochmal über einen Ausbildungsplatzwechsel nachdenken. Das kann eine gute Möglichkeit für dich sein, wenn du einen Betrieb findest, der dich unterstützt und eventuell auf der Suche nach einer ausgelernten Fachkraft ist und deine noch verbleibende Ausbildungszeit als „verlängerte“ Probezeit sieht oder du verlängerst deine Ausbildung bis zur Winterprüfung.

    Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du am Besten folgendermaßen vor:

    1. Bewirb dich ab sofort, denn solange du noch einen Ausbildungsplatz hast, sind deine Bewerbungschancen besser.

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist.

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz
    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremden Tätigkeiten
    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)
    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt
    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist
    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)

    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angabe der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten), dann musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern.

    Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Denn wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.

    Hier ist ein Kontakt für dich:

    ver.di Bezirk Südbaden Schwarzwald
    Friedrichstraße 41-43
    79098 Freiburg
    Tel.: 0761 / 2855 0
    E-Mail: service.bawue@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P.S.: Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 12.01.2022


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