Deutscher Gewerkschaftsbund

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Androhung von Kündigung

Hallo Dr. AZUBI,

Ich bin in meinem letzten Jahr meiner Ausbildung und würde im Sommer meinen Abschlussprüfung haben, nun hat mein Chef mir die Kündigung angedroht. Da ich vorher bereits eine Abmahnung erhalten habe will er mir nun 3 weiter rein würgen, darunter eine aufgrund von Verspätung, die meinen Meinung nach nicht rechtens ist da ich seit Monaten nicht zuspät kam und das auch so echt selten passiert ist in der gesamten Ausbildungszeit.  Dazu wegen handynutzung, wobei er meinte das ich diese nur einschränken soll und diese nie strickt komplett verboten hat, welche auch bei der ersten der Fall war. Nun ist das so, das mein Chef sehr gereist und aggressiv war, zwei Köpfe größer als ich ist und mich zum Gespräch aufgefordert hatte und mich dabei an der Schulter gedränkt hat um mich sozusagen in Bewegung zu setzten, obwohl ich geäußert habe das es weh tat, was er nur als Lüge abgestempelt hatte. Im Gespräch bei der Androhung der Kündigung und Abmahnung die er vorbereiten will hat er mich immer wieder als Lügner dargestellt und als würde ich ihn hinterlegen wollen, was natürlich nicht der Fall ist. Während des Gesprächs hat er die ganze zeit geschrien und mich nicht sprechen lassen. Zum Schluss sollte ich meinen Büroschlüssel abgeben und sofort gehen und auch in der nächsten Woche nicht wieder kommen. In der Woche soll ich mir überlegen wie ich ihn davon überzeugen kann mich doch noch weiter zu behalten, was ich als Blamage sehe, da ich in unserem kleinen Betrieb einen Termin Termin soll wie ein Kunde. Jetzt ist meine Frage, ob ich irgendwelche Möglichkeiten habe, das ,,Schubsen,, als fristlose Kündigung zu nutzen, oder ob dies nicht ausreicht. Kann mein Chef mir die Tage wo ich nicht erscheinen soll als unentschuldigt ansehen und somit nicht zahlen? Das Betriebsklima war schon immer sehr kalt, immer wieder wurde ich niedergemacht und man hat deutlich gemerkt, dass ich benachteiligt wurde auch durch die Bazahlung und sonstiges. Auch hatte er mir mehr oder weniger gedroht, dass er bereits eine auzubildene aus dem Betrieb geekelt hat weil sie nicht freiwillig gehen wollte, und meinte soweit müsse es bei mir ja nicht kommen, das war im zweiten Jahr meiner Ausbildung. Dazu verletzt er immer wieder das neuentscheiede Gesetz, dass man einen Tag nach der Berufsschule frei haben muss, wo die Kriterien bei mir zu erfüllt sind. Doch hatte er das direkt vor zwei Jahren mit der Meinung abgetan,  dass ich ja sowieso nicht auf meine Wochenstunden kommen würde und ich dadurch weiter auch jeden Tag nach der Schule kommen musste. 

Ich würde mich über eine Rückmeldung freuen.

Isha: 19.11.2021 |
  • RE: Androhung von Kündigung

    Hallo Isha,

    vielen Dank für deine Nachricht. Gerne helfe ich dir bei deiner Frage weiter. Dein Chef kann dich nicht so ohne weiteres aus der Ausbildung rauseckeln. Jetzt ist es wichtig, dass du schnell reagierst. Wenn er dich von der Arbeit freistellt, solltest du das ausdrücklich verweigern und ihn mündlich und schriftlich darauf hinweisen, dass du einen Anspruch darauf hast deine vertraglich festgelegten Arbeitszeiten zu erfüllen. Biete ihm ausdrücklich deine Arbeitskraft an. Dein Betrieb ist dazu verpflichtet dich richtig auszubilden. Eine Freistellung von der Arbeit ist nicht rechtens und verstößt gegen das BBiG. Wenn dein Betrieb das langfristig macht, dann ist das ein Kündigungsgrund. Wende dich dann umgehend an die Kammer und melde das. Du kannst eine Schlichtung beantragen, in der du eine Begleitung zur Klärung deines Ausbildungsverhältnisses beantragst. Dokumentiere genau die Verstöße deines Betriebs: Wer hat wann was gemacht? Dazu gehört auch das Schubsen. Du musst aber schauen, dass du das auch belegen kannst. Dein Betrieb muss mit dir wertschätzend umgehen, dein Chef hat dir gegenüber eine Fürsorgepflicht. Er darf dich nicht körperlich oder seelisch angreifen und muss für dein Wohl sorgen. Fall er jetzt ersthaft weiter seine Kündigung vorbereitet und dir Abmahnungen aufdrückt, hier ein paar Infos wie du vorgehst:

    Eine Abmahnung ist erst mal ein Schock und das soll sie auch sein! Eine Abmahnung soll dir deutlich zu verstehen geben, dass dein Ausbilder mit deiner Leistung oder deinem Verhalten nicht zufrieden ist. Damit die Abmahnung formal richtig ist, muss ganz genau drin stehen, welche Pflichtverletzung dir zum Vorwurf gemacht wird. Außerdem muss dir eine Abmahnung auch immer die Kündigung androhen, falls du deine Leistung oder dein Verhalten nicht änderst. Es gibt eine Faustregel, die besagt, dass der Kündigung eines Azubis mindestens zwei Abmahnungen vorausgehen müssen (Ausnahme: Bei groben Vergehen wie zum Beispiel Diebstahl kann auch ohne Abmahnung gekündigt werden). Per Gesetz hat der Ausbilder nämlich „erzieherische Pflichten“, was im Klartext bedeutet, dass du erst mal durch die Abmahnung die Chance bekommst, dazuzulernen. Deshalb muss die Abmahnung auch relativ bald nach deiner Pflichtverletzung ausgesprochen werden, also nicht zum Beispiel ein Jahr später, denn dann kannst du ja nichts mehr ändern! Bei minderjährigen Auszubildenden muss die Abmahnung auch dem gesetzlichen Vertreter (in der Regel deine Eltern) zur Kenntnis gebracht werden.

    Du solltest eine Abmahnung auf jeden Fall ernst nehmen und versuchen, deine Leistung oder dein Verhalten im angesprochenen Bereich zu verändern.


    Wann ist eine Abmahnung nicht gerechtfertigt? Zunächst mal dann, wenn sie inhaltlich falsch ist und du die Sache ganz anders siehst. Eine Abmahnung kann aber auch rechtlich ungerechtfertigt sein. Eine Abmahnung wegen schlechter Noten ist zum Beispiel in der Regel ungerechtfertigt, weil du nichts dafür kannst, wenn du in der Schule nicht gut bist, obwohl du den Unterricht besuchst und lernst. Auch ist es normal, dass Auszubildende (vor allem im ersten Ausbildungsjahr) Fehler machen, denn schließlich sind sie ja im Betrieb um zu lernen.

    Was kannst du tun, wenn die Abmahnung deiner Meinung nach ungerechtfertigt ausgesprochen ist? Dann kannst du eine Gegendarstellung schreiben.  Falls es plötzlich Abmahnungen hagelt, ist das dann das Zeichen dafür, dass dein Ausbilder dich loswerden will und deine Kündigung vorbereitet. Dann solltest du dich umgehend bei deiner Gewerkschaft beraten lassen. Du schreibst aber auch, dass du selber über eine Kündigung nachdenkst. Mach das nicht überstürzt, auch wenn du nur noch weg von dem Betrieb willst. Schau erstmal, dass du weisst wie es weiter geht und suche dir zunächst einen neuen Betrieb. Denn es ist einfacher zu wechseln, wenn du noch  im Ausbildungsverhätnis stehst. Hier ein paar Infos zum Wechsel:

    1. Bewirb dich ab sofort, denn solange du noch einen Ausbildungsplatz hast, sind deine Bewerbungschancen besser. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de, oder www.ihk.de. Schau auch in den Stellenportalen im Internet nach sowie in der Zeitung und oder frag im Bekanntenkreis. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.                 

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist.

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz


    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel

    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten


    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)


    • mehrmalig ausbleibende Ausbildungsvergütung

    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, sie entzogen wird oder er gar keine besitzt


    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist


    • systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)


    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B. bei sexueller Belästigung), dann kannst du sofort unter Angabe der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B. bei ausbildungsfremden Tätigkeiten). Anschließend musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Die Schlichtung ist eine Besonderheit in der Berufsausbildung, die zum Ziel hat Streitigkeiten zwischen Azubi und Ausbilder bereits vor einem Gerichtsprozess zu klären. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

    Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen. Denn wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder oftmals verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht. Zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.


    Hier ist ein Kontakt für dich:

    ver.di

    Gelsenkirchen
    Weberstr. 18
    45879 Gelsenkirchen

    Tel.: 0234 96408-0
    Fax: 01805 837343 - 23105
    E-Mail: service-mitte.nrw@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst....

    4. Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi


    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 23.11.2021


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