Deutscher Gewerkschaftsbund

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Kündigung

Hallo,

Ich bin im 2. Lehrjahr in einer Zahnarztpraxis.

Anfang 1. Lehrjahr war alles noch i. O. Dann kamen neue Lehrlinge für dich ich zuständig war....

Wenn da was schief läuft war ich es..."du bist so dumm um nach links und rechts zu schauen". .... das ist noch harmlos.

Da sich alle in der Praxis gegen Corona Impfen ließen, habe ich mich auch Impfen lassen und war danach richtig Krank, das sogar der Notarzt von meiner Mutter gerufen wurde. Da wurde schon stress von allen seiten gemacht, wie ich es wagen kann krank zu sein. Dann kam die 2. Impfung und da ging es mir richtig dreckig...war auch krank geschrieben. In der Praxis wurde über mich hergezogen ...vor mir. 

Nach einem Sturz ging ich an Krücken und bin mit starken Schmerzen und Schwellung weiter arbeiten gegangen, weil ich wieder so angst vor der Reaktion meines Chefes hatte. Am Ende vom Arbeitstag war mein Fuss auf das doppelte angeschwollen und selbst da hiess es ich habe das nicht Absicht gemacht..

Mittlerweile MUSS ich meine Chefs mit meinem Auto und auf meine Kosten durch die Stadt fahren..

Da ich immer beldeigt werde sage ich nichts mehr...da ich dann nur am Putzen bin.

Mir ist jeden Tag schlecht, das ich erst kurz vor Feierabend eine Kleinigkeit essen kann, ich habe Herzrasen und oft das Gefühl ich bin kurz vorm umfallen....ich kann nicht mehr.

Ich möchte die Ausbildungsstätte wechseln aber mein Chef wird nie einem Aufhebungsvertrag zustimmen.

Ich habe mich versucht in der Praxis (meiner Ansicht nach) einer Vertrauensperson zu wenden....am nächsten Tag wußte es die ganze Praxis.

Kann ich den Betrieb wechseln ohne Aufhebungsvertrag?

Danke und Grüsse Nica

Nica: 05.10.2021 |
  • RE: Kündigung

    Liebe Nica,

    vielen Dank für deine Anfrage im Forum. Sehr gut, dass du dich an uns wendest und den ersten Schritt gehst.

    Bei dir in der Praxis scheint einiges schief zu laufen und daher ist es dein GUTES RECHT dich zu wehren und zu wechseln. Du musst dort nicht bleiben, wenn es deiner Gesundheit schadet und deiner Rechte als Auszubildende mit Füßen getreten werden.

    Noch kurz ein paar allgemeine Infos für dich:

    Erst einmal vorweg: es ist nicht in Ordnung, dass du in deinem Betrieb so unter Druck gesetzt wirst und du dir Sorgen um die Reaktionen deines Chefs machen musst, denn wenn du krank bist, bist du krank! Jeder kann krank werden und es dürfen keine negativen Folgen daraus resultieren. Für die Dauer und den Zeitpunkt kannst du ja nichts. Blöde Kommentare darüber oder versuchte Druckausübung seitens deines Chefs sind nicht in Ordnung, aber es ist natürlich schwierig das abzustellen. Letztendlich zahlt dein Chef selbst drauf, weil es nachgewiesenermaßen die Fehlzeiten erhöht, wenn kranke Mitarbeiter nicht positiv begrüßt werden, wenn sie an ihren Arbeitsplatz zurückkehren.

    Wenn du die ganze Zeit ein schlechtes Gewissen hast, wenn du krankgeschrieben wirst, kannst du dich nicht erholen und dein gesundheitlicher Zustand wird immer schlimmer. Ich kann gut verstehen, dass das für dich die Hölle ist. Du darfst dich aber auf keinen Fall unter Druck setzen lassen – es gibt nichts, was dir vorgeworfen werden kann.

    Ausbildungsfremde Tätigkeiten (Putzen, Taxifahrten…) sind in der Ausbildung verboten. Du bist in der Ausbildung, um den Beruf zu erlernen!

    Dein Ausbilder hat dir gegenüber eine Fürsorgepflicht; d.h. er hat die Pflicht dich vor seelischer und körperlicher Gefährdung zu schützen. Er muss deine Anliegen ernst nehmen und du kannst ihn um Hilfe bitten. Diese Möglichkeit solltest du unbedingt auch in Anspruch nehmen. Falls dein Ausbilder dein Anliegen nicht ernst nimmt, kann das für dich auch ein Kündigungsgrund darstellen.

    Ich kann aber auch sehr gut verstehen, dass du am liebsten deinen Betrieb überhaupt nicht mehr aufsuchen und den Ausbildungsplatz wechseln möchtest. Bei einem Ausbildungsplatzwechsel gehst du wie folgt vor:

    1. Bewirb dich ab sofort, denn solange du noch einen Ausbildungsplatz hast, sind deine Bewerbungschancen viel besser. Ausbildungsplätze, die sofort zu besetzen sind, findest du unter www.arbeitsagentur.de oder www.meinestadt.de oder www.ihk.de. Schau auch in der Zeitung und in den Stellenportalen im Internet nach oder frag im Bekanntenkreis. Auch einen Versuch wert: Suche eines Ausbildungsplatzes über soziale Netzwerke wie XING oder LinkedIn.

    2. Sobald du was Neues hast -und erst dann!- kannst du einen Aufhebungsvertrag machen, wenn dein Betrieb mit deinem Weggang einverstanden ist. Wichtig bei einem Aufhebungsvertrag ist, dass es sich um eine vorzeitige Lösung des Ausbildungsverhältnisses im Einverständnis mit deinem Ausbilder handelt. Bei einem Aufhebungsvertrag gibt es keine Frist, im Klartext heißt das du und dein Ausbilder könnt das Beendigungsdatum auf einen beliebigen Zeitpunkt setzen. Falls du noch Minderjährig bist, müssen deine Eltern den Aufhebungsvertrag auch unterschreiben. Du solltest im Vorfeld deinen Ausbilder auf einen Aufhebungsvertrag „vorbereiten“, damit dein Weggang nicht aus heiterem Himmel kommt. Erkläre ihm auch die Gründe für deinen Wechselwunsch und unterschreibe den Aufhebungsvertrag nur, wenn du schon sicher eine neue Ausbildungsstelle in der Tasche hast. Ein einmal unterschriebener Aufhebungsvertrag kann nicht mehr rückgängig gemacht werden.

    3. Falls der Betrieb nicht einverstanden ist, kannst du unter Umständen außerordentlich und fristlos kündigen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt (§ 22 Berufsbildungsgesetz). Fristlos bedeutet: Du kannst sofort gehen, nachdem du die Kündigung übergeben hast oder nachdem die Kündigung per Post im Betrieb angekommen ist. Wichtige Gründe sind zum Beispiel:

    • schwere und andauernde Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz oder das Arbeitszeitgesetz
    • mangelhafte Ausbildung durch Verstöße gegen die Ausbildungspflicht und berufliche Mängel
    • eine andauernde Beschäftigung mit ausbildungsfremde Tätigkeiten
    • Sexuelle Belästigung oder Züchtigung (körperliche Gewalt)
    • mehrmalige ausbleibende Ausbildungsvergütung
    • wenn deinem Betrieb die Ausbildereignung fehlt, entzogen wird oder er gar keine besitzt
    • angeordnete Überstunden, die auch nach Aufforderung nicht bezahlt oder in Freizeit ausgeglichen wurden und durch die das Ausbildungsziel gefährdet ist
    • Systematisch schlechte Behandlung (immer wieder Beschimpfungen, Beleidigungen, Benachteiligungen, Diskriminierung)

    Du musst schriftlich und unter genauer Angabe der Gründe (wer, was, wann, wo) kündigen. Sonst ist die Kündigung unwirksam. Sie ist auch unwirksam, wenn dir der auslösende Kündigungsgrund bereits länger als zwei Wochen bekannt war. Wenn du aufgrund von Pflichtverletzungen kündigst, die der Betrieb langfristig nicht beheben kann (z. B.: Entziehen der Ausbildereignung) oder es dir absolut unzumutbar ist weiter in dem Betrieb deine Ausbildung fortzusetzen (z. B.  sexuelle Belästigung) dann kannst du sofort unter Angaben der Gründe fristlos kündigen. Wenn dein Betrieb aber die Möglichkeit hat sein Verhalten zu ändern (z. B.  ausbildungsfremde Tätigkeiten), dann musst du den Betrieb zunächst auf die Pflichtverletzung in Form einer schriftlichen Abmahnung hinweisen und ihn dazu auffordern die Situation zu ändern. Es kann auch sinnvoll sein, die zuständige Kammer mit einzubeziehen und die Schlichtung einzuberufen. Falls sich daraufhin nichts ändern sollte, dann hast du die Möglichkeit fristlos zu kündigen.

    Eine außerordentliche Kündigung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich und deshalb gibt es keine allgemeine Vorlage. Du musst in der fristlosen Kündigung schwere Vorwürfe gegen deinen Ausbildungsbetrieb erheben. Damit die Sache auch wasserdicht ist, solltest du dir unbedingt Hilfe bei deiner Gewerkschaft holen. Wenn deine Gründe für die fristlose Kündigung nicht ausreichen, hat dein Betrieb auch die Möglichkeit Schadensersatzansprüche innerhalb von drei Monaten nach Beendigung gegen dich geltend zu machen.

    Als Vorbereitung einer fristlosen Kündigung ist es wichtig für dich Nachweise zu sammeln. Wenn du beispielsweise aufgrund von einer andauernden Beschäftigung mit ausbildungsfremden Tätigkeiten fristlos kündigen möchtest, dann ist dein Berichtsheft mit der Aufzeichnung der ausbildungsfremden Tätigkeiten ein guter Nachweis. Wenn du aufgrund schwerer Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz kündigen möchtest, dann ist ein Dienstplan/Arbeitszeitnachweis für dich wichtig.

    Rückendeckung kannst du oft auch nach der Kündigung gebrauchen: Wenn der Azubi kündigt, ist der Ausbilder leicht verärgert und gibt dir nicht immer freiwillig, was dir noch zusteht, zum Beispiel Arbeitszeugnis, Arbeitspapiere, Restgehalt, Urlaubsansprüche, die ausbezahlt werden müssen.

    4.Nachdem deine Kündigung oder der Aufhebungsvertrag durch sind, setzt du deine Ausbildung nahtlos im neuen Betrieb fort. Aber Vorsicht: Du hast wieder bis zu 4 Monate Probezeit...

    Da du aber auch schon im dritten Ausbildungsjahr bist, kannst du dich auch bei der für dich zuständigen Stelle informieren, ob du auch als externer Prüfling zu den Abschlussprüfungen zugelassen werden kannst.

    Wenn du noch weitere Unterstützung brauchst, dann kannst du dich auch an deine zuständige Gewerkschaft vor Ort wenden. Hier ist ein Kontakt für dich:

    ver.di Freiburg
    Friedrichstraße 41-43
    79098 Freiburg

    Tel.: 0761/2855-0
    Fax: 0761/2855-109
    E-Mail: service.bawue@verdi.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_einer Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

    Ich hoffe, ich konnte dir damit weiterhelfen! Ich wünsche dir viel Kraft, um die anstehenden Schwierigkeiten erfolgreich zu meistern!

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 07.10.2021


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