Deutscher Gewerkschaftsbund

Achtung: Aktuelle Infos!


Hilfe

Hallo zusammen,

Ich habe Ende Juli meine Gesellenprüfung. Ich habe noch meinen gesamten Jahresurlaub (25 Tage), mir wurde gestern von meinem Chef gesagt das ich die noch komplett nehmen muss. Ich habe jetzt nachgerechnet, mit meinen Überstunden und einem Tag Sonderurlaub vor der Prüfung und Berufsschule heißt das das ich gar nicht mehr in die Arbeit müsste. Im gleichen Zuge hat mir mein Chef aber auch gesagt das ich keinen Urlaub mehr bekommen, da ich lange krank war (7 Wochen wegen einem Unfall) das Verhältnis zu meinem Chef und meinen Kollegen war bereits vor meinem Unfall kaum noch auszuhalten, deshalb habe ich mir bereits am 1. August eine neue Stelle gesucht.

Was würdet ihr mir raten? Den gesamten Urlaub, Überstunden und so nochmal schriftlich beantragen oder nur ein paar Wochen, z.B. 1 Woche vor der schriftlichen Prüfung und 1 Woche vor der praktischen Prüfung?

Gibt es irgendwo die Möglichkeit den Betrieb zu melden um zukünftige Lehrling vor Ausnutzung und Psychischen Belastungen zu schützen, so wie ich es leider erfahren musste möchte ich das keinem mehr zumuten.

Eli_S.: 01.06.2021 |
Tags:
  • RE: Hilfe

    Liebe Elisabeth,

    vielen Dank für deine Anfrage im Forum. Gerne möchten wir dich weiter unterstützen.

    Urlaub dient der Erholung und sollte daher auch genommen werden können. Eine Aufrechnung mit deinen Krankheitstagen ist definitiv nicht möglich und das Argument von deinem Chef absolut nicht haltbar. Du kannst ja schließlich nichts dafür wann und warum du krank wirst!!!

    Leider gibt es häufig Probleme mit dem Zeitpunkt des Urlaubs. Das Bundesurlaubsgesetz sagt dazu, dass du dich mit deinem Ausbilder auf den Urlaubszeitpunkt einigen musst (§ 7 Bundesurlaubsgesetz). In der Praxis heißt das: Du stellst einen Urlaubsantrag und dein Ausbilder darf dir den Urlaub nur dann verweigern, wenn wichtige soziale (zum Beispiel Vorrang von Mitarbeitern mit Kindern), oder betriebliche Gründe (zum Beispiel feststehender Betriebsurlaub) dagegen sprechen (§ 7 Bundesurlaubsgesetz). Wenn es also in deinem Betrieb festgelegte Betriebsferien gibt, musst auch du dich daran halten. Aber häufig wird der Urlaub aus anderen Gründen verweigert wie zum Beispiel Personalmangel. Dieser Grund ist nur in Ausnahmesituationen rechtens, denn der reibungslose Ablauf des Betriebes sollte nicht davon abhängen, ob der Azubi da ist oder nicht.

    Wenn du also deinen Urlaub planen willst, solltest du auf Nummer sicher gehen: Stelle einen schriftlichen Urlaubsantrag und bitte frühzeitig um mögliche Termine. Dein Ausbilder muss innerhalb von einem Monat auf deinen Antrag reagieren. Du solltest dir die Urlaubsgenehmigung für einen bestimmten Zeitraum unbedingt schriftlich geben lassen, so hättest du im Streitfall einen Nachweis und die Chancen stehen gut, dass du den Urlaub auch tatsächlich antreten kannst! Reagiert dein Ausbilder nicht innerhalb von einem Monat kannst du davon ausgehen, dass dein Urlaub genehmigt ist. Trotzdem musst du aufpassen, wenn sich der Ausbilder dann plötzlich quer stellt. Denn auch, wenn du dich im Recht fühlst, weil der Urlaub schon genehmigt war: Eigenmächtiger Urlaubsantritt ist Kündigungsgrund (§ 22 Berufsbildungsgesetz). In diesem Fall solltest du dich lieber an deine Gewerkschaft wenden und versuchen deinen Urlaubswunsch mit legitimen Mitteln durchzusetzen. Hier ist ein Kontakt für dich:

    IG BAU

    Am Katzenstadel 32
    86152 Augsburg

    Telefon 0821 346900

    Email augsburg@igbau.de

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_einer Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

    Solltest du deinen kompletten Urlaub und deine Überstunden nicht mehr in Natura nehmen können, dann muss er dir ausbezahlt werden. Gerade für deine Überstunden brauchst du gute Nachweise.  Sollte dein Betrieb die Auszahlung nicht freiwillig leisten, kannst du eine Geltendmachung schreiben.

    Eine Geltendmachung schreibt man während der Ausbildung oder nach Ende der Ausbildung, um Leistungen schriftlich einzufordern. Die Geltendmachung schickst du an deinen Ausbilder. Du kannst auch eine Kopie des Schreibens an die zuständige Stelle (siehe Stempel auf deinem Ausbildungsvertrag) schicken, um sie über deine Probleme in Kenntnis zu setzen.

    Im Arbeitsrecht gilt eine Verjährungsfrist von drei Jahren. Die Frist beginnt erst am Ende des Jahres, in dem die Leistung fällig wurde. Das bedeutet, dass du mindestens drei Jahre rückwirkend Leistungen geltend machen kannst. Danach verfallen die Leistungen. Allerdings enthalten viele Tarifverträge so genannte Ausschlussfristen, in denen diese Frist auf drei oder sechs Monate verkürzt ist. Ausschlussfristen können auch in deinem Ausbildungsvertrag vereinbart worden sein. Von daher gilt: Eine Geltendmachung solltest du möglichst gleich schreiben, nachdem die Leistungen fällig geworden sind. Eine schriftliche Aufforderung stoppt den Ablauf der Frist. Wenn du dir nicht sicher bist, wie viel du fordern kannst, schreibe lieber mehr auf als zu wenig.

    Es gibt auch andere Punkte zu beachten, wenn du eine Geltendmachung schreiben willst. Deshalb empfehlen wir dir, dich in diesem Fall an deine Gewerkschaft zu wenden. Meistens führt ein Brief von deiner Gewerkschaft auf Anhieb zum Erfolg, weil dein Ausbilder dann weiß, dass du Rechtsschutz hast und deine Gewerkschaft Ansprüche notfalls einklagen wird.

    Grundsätzlich ist die IHK/HWK übrigens auch dafür da, die Ausbildungsqualität in den Betrieben zu kontrollieren. Da könntest du die Missstände in deinem Betrieb also auch mal ansprechen.

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_einer Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst...

    Viel Erfolg! Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße

    Dr. Azubi

    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Hier kannst du Mitglied einer Gewerkschaft werden: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

     

     

    Dr. Azubi: 02.06.2021


Neue Antwort

Die mit '*' gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.

  
  
    

Ich habe die Datenschutzerklärung der DGB-Jugend gelesen.