Deutscher Gewerkschaftsbund

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Zählt putzen als unzulässige Aufgabe?

Hallo Dr. Azubi,

ich schreibe im Auftrag eines Freundes, da er aktuell ziemlich viel zu kämpfen hat mit seiner Firma.

Die Situation bei ihm sieht wie folgt aus:

Mein Freund macht aktuell eine Ausbildung zum technischen Modellbauer. Jetzt wird es in der Firma so geregelt, dass die Azubis am Ende des Tages dazu verpflichtet sind, die Werkstätten zu putzen. An sich überhaupt kein Problem (da das im allg ja auch dazu gehört seinen Arbeitsplatz sauber zu halten).

Das Problem ist jedoch, dass sie das fast ausschließlich alleine machen müssen. Die Firma ist nicht besonders klein und dementsprechend sind auch die Werkstätten recht groß. Nun müssen sie zu dritt ohne Unterstützung der Gesellen die Werkstatt putzen. Freitags sogar den ganzen Nachmittag, WÄHREND die Gesellen noch beim Arbeiten sind und so unweigerlich Dreck hinterlassen. 

Teilweise wird ihnen dann auch vorgeworfen, dass sie nicht gründlich genug geputzt haben, da im Laufe der Arbeit die Gesellen weiterarbeiten und so auch unvermeidbar Dreck beim Arbeiten hinterlassen, und das obwohl sie dort bereits geputzt haben. 

Da die einzelnen Azubis in unterschiedlichen Lehrjahren sind (er im 2. die anderen beiden im 3.) haben sie auch keinen gemeinsamen Blockunterricht, wodurch es Wochen gibt, in dem er die Abteilungen alleine putzen muss. Selbst wenn sie gemeinsam Unterricht hätten, die anderen beiden sind diesen Sommer fertig und aufgrund der aktuellen Coronalage hat der Betrieb nicht vor die nächste Zeit wieder Azubis einzustellen, was bedeutet, er müsste dann immer alleine putzen.

Nun war es letzte Woche auch der Fall (aufgrund von Berufsschule und Corona), dass keiner der Azubis anwesend war und er der erste der Azubis war, welcher nach der Woche wieder in den Betrieb musste. Ein Geselle hat sich dann bei ihm beschwert, dass dieser die letzte Woche putzen musste, weil keiner der Azubis da war und das "ginge gar nicht".

Der nächste Knackpunkt ist, jetzt sollen die Azubis auch noch täglich in einer Abteilung putzen, in welcher sie eigentlich gar nicht Arbeiten, außer zur Aushilfe (Exporit), weil sie dort weitere Gesellen beschwert haben, dass dort keine Azubis putzen. Jetzt müssen sie dort auch putzen "weil es vorherige Azubis auch schon mussten".

Mein Freund versucht das immer wieder in Ruhe zu klären, jedoch ist der Betrieb immer fest der Meinung, dass keiner der (ehemaligen) Azubis benachteiligt werden darf und so gilt "Das war schon immer so" als Hauptargument.

Da er nicht weiter kommt ist er aktuell drauf und dran seine Ausbildung hinzuschmeißen, da es bei uns in der Umgebung keinen Betrieb gibt, welcher diesen Beruf noch ausbildet und ihn übernehmen würde. Er hat einfach keine Lust mehr immer nur als billige Putzkraft missbraucht zu werden und auch allg werden die Azubis dort sehr herablassend behandelt.

Selbst wenn sich rechtliche Grundlagen geändert haben, gilt die Devise "die Azubis vor ihnen durften das auch nicht und das ist dann ja unfair ihnen gegenüber". Ein Beispiel wäre das schreiben von Wochenberichten, welche man ja im Betrieb schreiben darf (gesetzlich). Selbst das dürfen sie nicht machen, und das obwohl er den Gesetzestext vorgelegt hatte. Jetzt ist seit Wochen stand der Dinge, dass die Chefs (Junior und Senior) darüber erst entscheiden müssen, ob sie den Gesetzestext anerkennen und die Azubis nun ihre Berichte auf der Arbeit schreiben dürfen.

Nun ist meine Frage, zählt diese Putzerei in diesem Ausmaß noch zur Ausbildung oder ist das bereits eine unzulässige Aufgabe? Sie verbringen immerhin die Woche gut 6 Stunden, wenn nicht mehr wenn sie alleine sind, mit putzen.

Was kann er noch machen um seine Rechte einzufordern, da reden allein nichts mehr bringt und er nur vertröstet wird auf später?

Er ist wirklich drauf und dran einfach alles hin zu schmeißen, da er das auch emotional nicht mehr hin bekommt und nicht mehr hin möchte, und dann wären 3,5 Jahre für nichts (er arbeitete ein Jahr als Aushilfskraft dort bevor er die Ausbildung bekommen hat).

Sabrina: 19.02.2021 |
  • RE: Zählt putzen als unzulässige Aufgabe?

    Hallo Sabrina!

    Vielen Dank für deine Anfrage im Forum. Es ist toll, dass du deinen Freund so unterstützt. Gerne helfen wir euch. Du könntest ihm folgendes raten:

    Für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz hier: http://www.bibb.de/de/berufesuche.php). Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein grober Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Für jeden Beruf gibt es einen allgemeinen Ausbildungsrahmenplan, in dem genau steht, was du wann in deiner Ausbildung lernen sollst (Ausbildungsordnungen und Rahmenpläne findest du im Netz hier: http://www.bibb.de/de/berufesuche.php). Außerdem muss deinem Ausbildungsvertrag ein grober Ausbildungsplan angefügt werden, in dem der Verlauf deiner Ausbildung in deinem Betrieb aufgezeigt wird. Der Ausbilder darf dir nur Arbeiten auftragen, die dem Ausbildungszweck dienen (§14 Berufsbildungsgesetz). Alle Verstöße gegen diese Ausbilderpflicht sind eine Ordnungswidrigkeit und können nach §102 Berufsbildungsgesetz mit einem Bußgeld geahndet werden!

     Hier sind ein paar Tipps für dich, was du unternehmen könntest:

     

    1. Sprich die Situation bei deinem Chef an. Wenn kein Ausbildungsplan erstellt wurde, solltest du verlangen, dass dies so schnell wie möglich nachgeholt wird. Nenne deinem Ausbilder konkrete Inhalte, die bis jetzt fehlen und die du laut Ausbildungsrahmenplan schon können müsstest. Gehe positiv in das Gespräch und sage gleich zu Anfang, dass es dir nicht darum geht zu kritisieren, sondern vielmehr darum, deinen Beruf richtig zu lernen. Schalte außerdem (falls vorhanden) den Betriebsrat ein. Wenn das Argument kommt, dass putzen usw. auch zur Ausbildung gehört, könntest du entgegen, dass es auch hier darauf ankommt in welchem Umfang geputzt wird und ob es eine Tätigkeit ist die für alle zum Beruf gehört. Sie also auch alle einmal machen müssen oder ob sie dem Azubi übertragen wird, weil er Azubis ist. Zu der Aussage, dass es sonst ungerecht den alten Azubis gegenüber wäre, könntest du antworten, dass etwas was unrecht ist nicht recht wird, weil man es schon immer so gemacht hat. Es bleibt einfach ein Verstoß gegen den Ausbildungsrahmenplan und im Zweifel macht sich der Betrieb dir gegenüber schadensersatzpflichtig, da er dich nicht vertragsgemäß ausgebildet hat.  

     

    2. Wenn das Gespräch nichts bringt, solltest du den Ausbilder schriftlich auffordern. Hebe eine Kopie des Schreibens auf.

     

    Sehr geehrter Herr/Frau ____________,

     

    laut § 14 Berufsbildungsgesetz darf der Ausbildungsbetrieb den Azubi nur mit Arbeiten beauftragen, die dem Ausbildungszweck dienen. Als Ausbilder/Meister sind Sie verantwortlich dafür, dass die Berufsausbildung entsprechend des Ausbildungsrahmenplans durchgeführt wird. Ich muss allerdings häufig auf Ihre Weisung hin ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten. Einige Beispiele:
(Hier müssen mit genauer Datums- und Zeitangeben die ausbildungsfremden Tätigkeiten aufgeführt werden)
Ich fordere Sie hiermit noch einmal schriftlich auf, solche Weisungen zu unterlassen und mache Sie darauf aufmerksam, dass Ihnen ein Bußgeld droht und Sie schadensersatzpflichtig werden können, wenn Sie sich als Ausbilder nicht an Ihre gesetzlichen Pflichten halten.

     

    Mit freundlichen Grüßen


    Unterschrift Azubi ____________

     

    3. Wenn auch das nichts bringt und sich deine Ausbildungssituation nicht verbessert, solltest du dich an deine Gewerkschaft vor Ort wenden und dir rechtliche Unterstützung holen. Hier ist ein Kontakt in deiner Nähe:


     

    Ver.di Sitz des Landesbezirks Baden-Württemberg
    Theodor-Heuss-Straße 2 / Haus 1
    70174 Stuttgart

    Tel.: 0711 - 88788-7
    E-Mail: lbz.bawue@verdi.de

     

    Da kannst du einfach anrufen, nach einem_r Jugendsekretär_in fragen und auch ruhig sagen, dass du von Dr. Azubi kommst.... Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monate.

     

    Wenn du mehr über unsere Arbeit erfahren willst, dann folge diesem Link: https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/wer-wir-sind

     

     

     

    Außerdem könntest du dich an eine_n Ausbildungsberater_in der Kammer/Innung wenden und mit ihm ein persönliches Gespräch vereinbaren, denn die sind dafür da, die Ausbildung in den Betrieben zu kontrollieren.

     

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

     

    Liebe Grüße

     

    Dr. Azubi


    P. S. Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Hier kannst du Mitglied werden

    https://jugend.dgb.de/dgb_jugend/ueber-uns/mitglied-werden

    Dr. Azubi: 20.02.2021


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