Deutscher Gewerkschaftsbund

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Schlechte Ausbildungsbedinungen

Guten Tag,

ich habe mehrere Probleme in meinem Betrieb. Und dazu natürlich auch einige Fragen.

Ich fange mal an.

Ich habe von meinem Betrieb mehrere Klamotten für die Arbeit bekommen, allerdings musste ich selbst für die Sicherheitsschuhe aufkommen. Ist das so normal? Und wie sieht es mit den Büchern für die Schule aus?

Dazu kommt, dass ich sicherlich 15 Samstage im Jahr für Reifenwechsel arbeiten muss. Diese eindeutigen Überstunden bekomme ich weder Ausgezahlt noch in Freizeit ersetzt.

Erst war die Regelung, dass ich dafür nicht nach der Schule in den Betrieb muss. Ich habe anfangs jeden Montag 8 Stunden und jede zweite Woche Dienstags 6 Schulstunden. Seit dieser Woche habe ich nun Dienstags auch 8 Stunden. Und es soll keine Änderung der Überstunden stattfinden obwohl ich ja nun auch Dienstags die 8 Stunden Schule habe.

Gibt es eine gesetzliche Regelung zu den Schulstunden?

Ich habe in dem Betrieb 30 Tage Urlaub. Nach deren Aussage habe ich ja mehr Tage als gesetzlich vorgeschrieben und das soll zudem auch die Samstage ausgleichen. Da es nur ein kleiner Familienbetrieb ist gehe ich davon aus, dass es dort keinen Tarifvertrag gibt. Kann ich das irgendwo nachprüfen?

Dazu kommen Aussagen mit den Stunden, dass sie mir ja auch die Zeit abziehen könnten in der ich rauche, wobei ich zu 95% mit meinem Meister zusammen rauche und dennoch währendessen gearbeitet wird. Auch kam die Aussage, dass die Zeit in der ich auf Toilette bin abgezogen werden könnte. Ist das auch alles so rechtens?

Justin: 18.11.2020 |
  • RE: Schlechte Ausbildungsbedinungen

    Hallo Justin,

    vielen Dank für deine Nachricht! Bei dir in der Arbeit scheint einiges nicht ganz gut zu laufen. Vorab: du befindest dich noch in der Probezeit. Von daher würde ich vorsichtig mit der Kritik umgehen. Dennoch solltest du nicht alles hinnehmen und versuchen deine Rechte durchzusetzen. Schreb dir alles ganz genau auf und schau,was sich jetzt klären lässt und was zu besser erst nach Ablauf der Probezeit ansprichst.

    Nun zu deinen Fragen:

    Für Arbeits- und Schutzkleidung muss dein Chef sorge tragen und dir diese kostenlos zur Verfügung stellen.

    Paragraf 14 regelt die Pflichten der Ausbilder. Neu ist hier, dass die Betriebe die Kosten für Fachliteratur zu tragen haben. Laut ZDH bezieht sich dies auf Literatur für die betriebliche Ausbildung und nicht auf Schulbücher.

    Die Aufwendungen dafür, die der Ausbildung dienen und in einem klaren Zusammenhang mit der ausgeübten Tätigkeit stehen, können als Werbungskosten (und nicht als Sonderausgaben) steuerlich berücksichtigt werden, heißt es von Seiten des Verbandes. Dafür sei es wichtig, dass die Quittungen für gekaufte Fachliteratur den Titel und den Autor des gekauften Buches enthalten. Die alleinige Angabe Fachliteratur oder Ähnliches reiche nicht.

    Arbeitszeit und Überstunden:

    tägliche Höchstarbeitszeit liegt bei acht Stunden (§3 Arbeitszeitgesetz). Sie kann zwar auf zehn Stunden täglich und 60 Stunden wöchentlich verlängert werden – aber nur wenn innerhalb von sechs Monaten im Schnitt nicht mehr als acht Stunden gearbeitet wird. Für volljährige Azubis gibt es keine gesetzliche Regelung, welche die Fünf-Tage-Woche vorschreibt, der Samstag ist im Arbeitszeitgesetz ein ganz normaler Werktag. Volljährige dürfen in bestimmten Branchen auch am Sonntag und an Feiertagen beschäftigt werden, wenn die Arbeit nicht an anderen Tagen erledigt werden kann (§9,10 Arbeitszeitgesetz). Allerdings müssen mindestens 15 Sonntage im Jahr arbeitsfrei sein. Außerdem steht dir für die Beschäftigung an Sonntagen ein Ersatzruhetag zu, der innerhalb von zwei Wochen gewährt werden muss. Für die Beschäftigung an einem Feiertag, der auf einen Werktag fällt, steht dir ein Ersatzruhetag zu, der innerhalb von acht Wochen gewährt werden muss (§11 Arbeitszeitgesetz).

    Du darfst also nach dem Arbeitszeitgesetz an sechs Tagen pro Woche durchschnittlich 48 Stunden arbeiten. Trotzdem gilt für fast alle volljährigen Azubis ebenfalls die Fünf-Tage-Woche, weil sie in Tarifverträgen festgelegt ist. Und auch die Arbeitszeit ist oft in Tarifverträgen deutlich niedriger festgelegt. Bei deiner Gewerkschaft kannst du erfragen, ob es für deinen Ausbildungsberuf einen bindenden Tarifvertrag gibt.


    Auch bei Azubis über 18 Jahren muss die Arbeitszeit durch im Voraus feststehende Pausen unterbrochen werden. Arbeitspausen sind einerseits aus biologischen Gründen notwendig, andererseits dienen sie dazu, Überlastung und Unfallrisiken zu vermeiden. Die Pause muss bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden mindestens 30 Minuten lang sein und bei einer Arbeitszeit von mehr als neun Stunden mindestens 45 Minuten. Du darfst nicht länger als sechs Stunden ohne Ruhepause beschäftigt werden (§4 Arbeitszeitgesetz). Von der Arbeitszeit darf nicht der Gang zur Toilette abgezogen werden. Das ist keine Pause. Anders ist das bei den sogenannten Raucherpausen. Dein Chef darf dir diese von der Pause abziehen. Wenn ihr im Betrieb während der Arbeitszeit raucht und dabei weiterarbeitet, ist das eigentlich keine Pause. Allerdings ist das wohl Ansichtssache. Hier sollte eben schon klar sein, dass dann auch wirklich dabei gearbeitet wird. Falls es da weiterhin Unstimmigkeiten zwischen dir und deinen Chef gibt, würde ich dir einfach dazu raten während der Arbeit nicht zu Rauchen.

     Dein Chef muss dir die Überstunden für deine Samstagsschichten ausgleichen. Außerdem, das mag sich jetzt für viele Azubis seltsam anhören aber: Überstunden musst du als Azubi – im Gegensatz zu normalen Mitarbeitern - nur freiwillig machen. Warum? Du machst keine Ausbildung, um zu arbeiten, sondern um zu lernen, und die normale vereinbarte Arbeitszeit reicht aus, um die Lerninhalte zu vermitteln. Daraus ergibt sich auch folgender Grundsatz: Auch die Überstunden müssen immer dem Zweck der Ausbildung dienen, das heißt dein Ausbilder oder eine ausbildungsbeauftragte Person müssen anwesend sein, wenn du Überstunden leistest! Du kannst dich weigern und darauf bestehen nicht mehr als in deinem Ausbildungsvertrag vorgesehen zu arbeiten. Dein Chef muss das akzeptieren und darf dich deshalb nicht abmahnen und auch nicht kündigen.

    Dr. Azubi: 19.11.2020


  • RE: Schlechte Ausbildungsbedinungen

    Anrechnung der Berufschule:

    Nach § 15 BBiG sind Auszubildende für den Berufsschulunterricht freizustellen. Der Berufsschulbesuch ersetzt dann insoweit die betriebliche Ausbildungszeit. Die bisher geltende Unterscheidung zwischen minderjährigen und volljährigen Auszubildenden bei der Freistellung für den Berufsschulunterricht besteht seit dem 1.1.2020 nicht mehr. Für beide Gruppen gilt die gleichlautende Regelung, die sich für Minderjährige aus § 9 JArbSchG, für Erwachsene aus dem neu geschaffenen § 15 BBiG ergibt.Beschäftigung vor BerufsschulbeginnAuszubildende dürfen vor einem vor 9 Uhr beginnenden Berufsschulunterricht nicht beschäftigt werden.Beschäftigung nach BerufsschulendeErwachsene und Jugendliche sind an Berufsschultagen mit mehr als fünf Unterrichtsstunden von mindestens je 45 Minuten, einmal in der Woche freizustellen. Der Berufsschulbesuch ist mit der durchschnittlichen täglichen Ausbildungszeit anzurechnen.Beispiel 1:
    Die betriebliche Ausbildungszeit beträgt Montag bis Donnerstag jeweils 7 h 30, freitags nur 6 Stunden. Die durchschnittliche tägliche Ausbildungszeit beträgt daher 7 h 12 min. Der Auszubildende muss freitags zur Berufsschule, diese dauert 6 Unterrichtsstunden à 45 Minuten. Der Berufsschulbesuch ist mit 7 h 12 anzurechnen, auch wenn die betriebliche Ausbildungszeit am Freitag “nur” 6 Stunden beträgt. Der Auszubildende hat an den anderen Tagen einen Freistellungsanspruch von insgesamt 1 h 12 min.Beispiel 2:
    Der über 5-stündige Berufsschultag ist montags. Montags wird im Ausbildungsbetrieb nicht gearbeitet. Die wöchentliche Ausbildungszeit beträgt 40 Stunden (Dienstag bis Samstag jeweils 8 Stunden). Der Berufsschulbesuch ist also mit 8 Stunden anzurechnen, auch wenn der Berufsschultag außerhalb der Ausbildungszeit liegt. Der Auszubildende kann also nur noch 32 Stunden im Betrieb ausgebildet werden.Der zweite Berufsschultag in der Woche wird mit der tatsächlichen Unterrichtszeit plus Pausen (ohne Wegzeit) angerechnet.Beispiel:
    Der Berufsschulbesuch dauert 5 Unterrichtsstunden à 45 Minuten. Er beginnt um 8 Uhr und endet um 12:25 (= 4:25 h). Die Berufsschulzeit ist damit mit 4:25 h auf die Ausbildungszeit anzurechnen.Sind in einer Woche zwei Berufsschultage mit jeweils mehr als 5 Unterrichtsstunden, ist der Auszubildende verpflichtet, an einem der beiden Tage wieder in den Betrieb zurückzukehren - an welchem der beiden Tage, bestimmt der Ausbildungsbetrieb.

    Urlaub:

    Dein Chef kann dir keinen Urlaub mit Überstunden verrechnen, weil er der Meinung ist du hast eh mehr Urlaub als es gesetzlich vorgeschrieben ist. Wenn ein für dich gültiger Trifvertrag etwas besseres bzw. mehr Tage vorsieht, dann ist das so und dein Chef kann dir die Tage nicht einfach streichen. Wenn für dich ein Tarifvertrag gilt, dann hat dieser Vorrang. Erkundige dich dazu am besten direkt bei der Gewerkschaft vor Ort.Die meisten Azubis haben laut Tarif einen höheren Urlaubsanspruch als das Gesetz vorsieht. Diesen Tarif bzw. diesen Urlaubsanspruch haben Gewerkschaften und Arbeitgeber ausgehandelt. Falls also in deinem Ausbildungsvertrag ein höherer Urlaubsanspruch festgelegt ist, als es das Bundesurlaubsgesetz oder das Jugendarbeitschutzgesetz vorsieht, ist das ein sicheres Zeichen dafür, dass für dich ein Tarifvertrag gilt. In diesem Fall solltest du mal bei deiner Gewerkschaft nachfragen, was dir noch alles zusteht – zum Beispiel Urlaubsgeld!

    Ich hoffe dir weitergeholfen zu haben und wünsche dir viel erfolg bei deinen weiteren Schritten.

    Falls du noch weitere fragen hast oder Hilfe brauchst kannst du dich auch gerne direkt an deine zuständige Gewerkschaft vor Ort wenden. Hier ein Kontakt für dich:

    IG Metall Münster

    Strasse / Nr.Johann-Krane-Weg 16 PLZ / Ort:48149 Münster Telefon:+49 251 97409 0 Fax:+49 251 97409 20 E-Mail:muenster@igmetall.de Homepage:www.muenster.igmetall.de

    Da kannst du anrufen, nach einem_rJugendsekretär_in fragen und sag, dass du von Dr. Azubi kommst....Als Gewerkschaftsmitglied hast du Anspruch auf kostenlose Rechtsberatung und kostenlosen Rechtsbeistand - daher solltest du dir überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, deiner Gewerkschaft beizutreten - wenn du nicht schon Mitglied bist. Du kannst jederzeit Mitglied deiner Gewerkschaft werden. Die Mitgliedschaft kostet in der Regel 1% vom Bruttolohn pro Monat. Solltest du kein Einkommen haben (also kein Ausbildungsvertrag) gibt es pauschale Beiträge.

    Dies war ein Service deiner Gewerkschaft!

    Liebe Grüße                         

    Dr. Azubi                               

    Bitte empfiehl unseren Service weiter!

    Dr. Azubi: 19.11.2020


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